Rezension: Conni - 52 - Conni und das große Bergabenteuer

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MonsterAsyl
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Rezension: Conni - 52 - Conni und das große Bergabenteuer

Beitrag von MonsterAsyl » Mi 13.09.2017, 09:36

Conni - 52 - Conni und das große Bergabenteuer

Zum Inhalt:
Connis innige Freundschaft zu ihrer Klassenkameradin Anna erinnert ihre Mutter an sich selbst und ihre frühere Schulfreundin Lena, die inzwischen in Bayern wohnt. Da sich die beiden lange nicht mehr gesehen haben, beschließt Mama kurzerhand, daß die ganze Familie die Herbstferien dort verbringen wird. Conni freut sich schon riesig, vor allem, da Lena auch zwei Kinder hat: einen gleichaltrigen Jungen namens Luis und Vroni, ein Mädchen in Jakobs Alter. Leider stellt sich heraus, daß Luis ein echter Stinkstiefel ist, der zudem auch nur für sie unverständliches Bayrisch redet. Aber davon lässt sich Conni nicht beeindrucken und genießt die schöne Zeit. Zumindest bis zu einem dramatischen Ereignis im Anschluss an den Besuch der Zugspitze...

Zur Produktion:
Auch nach inzwischen über 50 Folgen hat Buchautorin Julia Boehme immer noch neue Ideen, was ihre kleine Heldin so alles erleben könnte. Passend zur Jahreszeit, denn die Herbstferien stehen ja bald an, geht es diesmal nach Bayern, und Frau Boehme verarbeitet wirklich alles, wofür das Bundesland bekannt ist. Von der Zugspitze über Schloß Neuschwanstein, bis hin zum herbstlichen Almabtrieb mit anschließendem Dorffest inklusive Schuhplattler, es wird nichts ausgelassen. Was mir nach wie vor gut gefällt, ist die unaufdringliche Art, noch ein wenig Wissen mit in die Handlung einfließen zu lassen. So erfährt man beispielsweise, woher Schloß Neuschwanstein seinen Namen hat und wieso es auf der Zugspitze versteinerte Fische gibt.
Dramatisches Highlight der Geschichte ist natürlich der Vorfall mit der Gondel. Boehme greift hier ein Thema auf, das immer wieder von den Medien groß in Szene gesetzt wird, zuletzt beim Gondelstillstand in Köln. So ein Ereignis beschäftigt die Phantasie von Kindern noch lange danach, und umso begrüßenswerter ist es, daß Boehme den kleinen Hörern mit dieser Geschichte die Möglichkeit gibt, das Gesehene zu verarbeiten. Sie lässt einfach Conni stellvertretend die Situation durchleben.
Ludger Billerbecks Hörspielskript ist klassisch angelegt, d.h. es werden zunächst die Charaktere eingeführt, dann der Ort des Geschehens, und schließlich kommt man zum dramatischen Höhepunkt. Dieser fällt, dank einer sehr gut umgesetzten Traumsequenz, dermaßen fesselnd aus, daß ich mich ernsthaft frage, ob dieses Hörspiel tatsächlich für Kinder ab 5 Jahren (so wie auf der CD ausgewiesen) geeignet ist. Da bedarf es wirklich der anschließenden und mit einer guten Portion Humor versehenen Kapitel, damit sich vor allem die jüngeren Hörer wieder entspannen können. Das Hörspiel dauert ca. 69 Minuten und ist, inklusive der Titelmusik am Anfang und am Ende, in 10 Kapitel aufgeteilt.
Wie die Folgen rund um die kleine Conni, so entstehen auch diese Hörspiele in den Studios von "German Wahnsinn", die gleichzeitig für Regie, Produktion und Musik verantwortlich sind. Gemäß des etwas älteren Zielpublikums, werden hier wesentlich mehr Geräusche eingespielt, um die verschiedenen Handlungsorte akustisch zu gestalten. Während man in Connis Zimmer nur das Klappern der PC-Tastatur und der Maus hört, wird die bayrische Natur mit Hilfe von zwitschernden Vögeln, zirpenden Grillen, muhenden Kühen und meckernden Ziegen lebendig. Besonders beeindruckend finde ich die quietschende Gondel und den Halleffekt mit dem man während der Führung durch Schloß Neuschwanstein die Schrittgeräusche versehen hat, um die großen Säle angemessen darzustellen. Abgesehen vom Titellied, wird die Musik hauptsächlich bei den Kapitelübergängen eingespielt, manchmal auch beim Erzähler, um dessen Vortrag noch zu unterstreichen. Bis auf die Traumsequenz, sind alle Melodien heiteren Charakters. Dabei wechseln sich ganze Stücke mit nur kurz angespielten ab.
So gut mir die Produktion insgesamt auch gefällt, muss ich doch noch auf einen kleinen Schnitzer hinweisen. Als die beiden Familien zur Zugspitze fahren, wird dem Hörer mitgeteilt, daß Connis Mutter, Lena, deren Tochter Vroni und Connis kleiner Bruder Jakob in einem Auto fahren und Conni, ihr Vater, Lenas Mann Toni und sein Sohn Luis in einem anderen. Obwohl die Szene aus Connis Sicht geschildert wird, bekommt man aber nicht nur ihre Begeisterung über den Anblick des Schlosses zu hören, sondern auch Jakobs, der ja gar nicht bei ihr ist. Wahrscheinlich handelt es sich hier um einen Fehler in der Abmischung, der meiner Meinung nach zwar nicht gravierend, aber dennoch beanstandenswert ist. Daß alle zusammen am Ende noch einen "Abschlusslacher" haben, finde ich zwar nicht so toll, nur ist das halt reine Geschmackssache.

Zu den Sprechern:
Wolf Frass(Erzähler) ist einfach toll als Erzähler. In jeder Situation macht er das Beste aus seinem Text, und dank seiner ausdrucksstarken Betonung, wird er auch in gewisser Weise Connis innere Stimme. Die Hauptfigur Lea Sprick(Conni) muss man einfach gern haben, was nicht zuletzt an ihrer sympathischen Stimme und ihrem vielschichtigen Spiel liegt. Sie versteht es, dem Hörer auch mit wenigen Worten ein klares Bild ihrer Gefühlswelt zu liefern. Daß die Alptraumszene in der Gondel so gut funktioniert, ist neben der hervorragenden Regieführung auch ihrem Talent zu verdanken, in extremen Situationen natürlich zu klingen. In diesem Hörspiel habe ich übrigens zum ersten Mal erfahren, daß Connis fröhliche Mutter Barbara Fenner(Mama) mit Vornamen Anette heisst. Ihr zur Seite steht Eberhard Haar(Papa) der hier aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommt, aber in der Gondel einen kühlen Kopf bewahrt und Conni alles geduldig erklärt. Theo Deterts(Jakob), als Connis kleiner Bruder, ist für mich eine Neubesetzung, vermutlich klingt der vorangegangene Sprecher inzwischen einfach zu alt für diesen Part. Deterts füllt die Rolle voll aus, und man nimmt ihm seine Begeisterung genauso bereitwillig ab, wie die schlechte Laune.
An Christine Kutscheras(Lena) Darstellung der freundlichen Schulfreundin von Connis Mutter ist nichts zu beanstanden, ihr "Ehemann" Fred Hilke(Toni) hat mir dagegen gar nicht gefallen. Es fehlt beinahe jegliche Emotion in seinem Spiel und somit bleibt seine Figur blass, ja geradezu teilnahmslos. Richtig Spaß hat mir dagegen Domenic Redl(Luis) in der Rolle des Sohnes bereitet. Ich hätte jedesmal loslachen können, wenn er in breitestem Bayrisch vor sich hin moserte und Conni mal wieder nur Bahnhof verstand. Seine Wandlung und "Läuterung" kommt mir zwar ein wenig zu abrupt und ist für mich auch nicht wirklich nachvollziehbar, aber der "Vorher" / "Nachher" - Effekt ist verblüffend. Man hat fast das Gefühl, es handele sich um verschiedene Sprecher. Alicia Warns(Vroni), als seine Schwester, hat zu wenig Text, um wirklich hervorzuragen, aber das was man von ihr zu hören bekommt, ist solide. Ganz souverän tritt hingegen Tanja Dohse(Frau Huber) als großzügige Wirtschafterin und Alpakabesitzerin auf. Erich Werner(Herr König) ist gut als humorvoller Schloßführer Eduard, genau wie Michael Bideller(Gondelführer Klaus) als gutgelaunter, routinierter Seilbahnführer, der zwar zunächst gelassen reagiert, später aber ebenfalls seine Hilflosigkeit eingestehen muss. Daß Patrick Elias(Helfer in der Talstation und Moderator) hier eine Doppelrolle hat, einmal als stoischer Seilbahntechniker und einmal als hyperaktiver Talkmaster, fällt überhaupt nicht auf, da er nur in Form von Funkverkehr bzw. über ein Ansagemikro zu hören ist. In einer Nebenrolle spricht noch Marina Zimmermann(Bürgermeisterin) das durch die Ereignisse peinlich berührte Gemeindeoberhaupt.

Fazit:
Connis unterhaltsam geschilderte Abenteuer in Bayern sind teilweise fast ein wenig zu aufregend für jüngere Hörer.

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Keeper of the Monsters

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