Rezension: Sherlock Holmes - 22 - Das Haus bei den Blutbuche

Sherlock Holmes, Jerry Cotton - Kommissare und Detektive ermitteln Psychopaten im Ohr.
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MonsterAsyl
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Rezension: Sherlock Holmes - 22 - Das Haus bei den Blutbuche

Beitrag von MonsterAsyl » Fr 13.11.2015, 17:04

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Sherlock Holmes - 22 - Das Haus bei den Blutbuchen

Zum Inhalt:
Schon häufiger hat sich Sherlock Holmes über die Art und Weise, in der sein Freund und Chronist Dr. Watson über ihn schreibt, geärgert. Seiner Meinung nach führen diese Berichte leider viel zu oft dazu, daß ihm absolut belanglose Fälle angetragen werden, die seiner Aufmerksamkeit nicht würdig sind. Der Brief einer Miss Violet Hunter scheint ihm da Recht zu geben. Ihr Anliegen wirkt zunächst mehr als banal, möchte sie doch nur wissen, ob der Meisterdetektiv ihr raten würde, eine ganz bestimmte Stelle als Gouvernante anzunehmen. Zu seiner Überraschung muss Holmes jedoch schon bald feststellen, daß diese Frage weitaus interessanter ist, als er zunächst vermutet hat.


Zur Produktion:
Sir Arthur Conan Doyles (22.5.1859 – 07.07.1930) Kurzgeschichte "The Adventure of the Copper Beeches" wurde erstmals im Juni 1892 im Strand Magazine veröffentlicht und ist gleichzeitig auch die letzte Geschichte in dem Sammelband "Die Abenteuer des Sherlock Holmes". Normalerweise hält sich Drehbuchautor Marc Gruppe ja sehr dicht an der literarischen Vorlage, und das ist auch hier größtenteils der Fall. Dennoch gibt es zwei eklatante Unterschiede. Da wäre zunächst die Einführung, die bei Doyle sehr viel gemächlicher ausfällt. In der Kurzgeschichte diskutieren Holmes und Dr. Watson einfach nur ihre gegensätzlichen Auffassungen in Bezug auf die Berichte des Doktors. Im Hörspiel tobt Holmes minutenlang regelrecht herum und fährt, zumindestens meiner Meinung nach, seinen Freund dermaßen an, daß man sich als Hörer fast wundern muss, warum dieser nicht einfach aufsteht und geht. Glücklicherweise beruhigt sich der Meiterdetektiv aber sofort wieder, sobald seine zukünftige Klientin den Raum betritt. Die auffälligste Änderung ist aber, daß Holmes bei Gruppe Violets Aussage darüber, was sich in der verschlossenen Schublade befindet, bereits vorwegnehmen kann. Bei Doyle erhält er die Information erst von ihr, und diese bildet lediglich ein weiteres Indiz, mit dem er seine Theorie untermauert. Alle sonstigen Veränderungen gegenüber dem Original sind vernachlässigenswert, da es sich dabei bloß um die übliche Umwandlung von Monlogen in Dialoge, Kürzung von Beschreibungen oder zeitliche Abweichungen handelt. Der Ablauf ist ansonsten identisch, und auch die Spannung bleibt bis zum Schluß erhalten. Wer sich einmal selbst die Unterschiede ansehen möchte, kann das Hörspiel mit der im Internet unter https://en.wikisource.org/wiki/The_Adve ... er_Beeches hinterlegten Kurzgeschichte vergleichen.
Die Produktion, durchgeführt von Stephan Bosenius und Marc Gruppe, hat mir wieder ausnahmslos gut gefallen. Die Geräuschkulisse ist üppig und jederzeit passend. Am Bahnhof hört man eine Zugpfeife und eine Lokomotive, Vögel zwitschern, Blätter rauschen im Wind, und die Krähen krächzen. Besonders überzeugend finde ich den Mastiff, dessen drohendes Knurren und wütendes Bellen tatsächlich so klingt, als handele es sich um einen größeren Hund. Wirklich beeindruckt hat mich aber die Darstellung des Schuppens. Dieser wird mit einer Vielzahl von kleinen Geräuschen wie knarrenden Brettern oder raschelndem Stroh dargestellt, aber der eigentlich Clou ist die leichte Dumpfheit, mit der man die Stimmen der Sprecher "verfremdete". Auch musikalisch kann das Hörspiel auf ganzer Linie überzeugen. Neben der Titelmelodie, haben Bosenius und Gruppe zahlreiche kleine Melodien zur Unterstreichung praktisch jeder einzelnen Szene verwendet, welche dem Geschehen eine stimmige Note geben. So erklingt beispielsweise während der Zugfahrt eine fröhliche, beschwingte Weise, während die Klangfarbe an anderer Stelle unheilvoll und düster ausfällt.


Zu den Sprechern:
Auch wenn ich Joachim Tennstedts (Sherlock Holmes) Einstieg in das Hörspiel als absolut überzogen empfinde, schmälert es in keinster Weise die großartige Leistung des Sprechers. Ganz im Gegenteil! Tennstedt poltert dermaßen los, daß der Hörer froh sein kann, diesen Wutausbruch nicht von Angesicht zu Angesicht zu erleben. Den restlichen Verlauf über ist er jedoch ganz der Alte, und gegen Ende macht er Violet sogar noch ein Kompliment. Detlef Bierstedt(Dr. Watson) finde ich diesmal besonders witzig. Seine Art, ganz hibbelig zu werden, weil er es einfach nicht abwarten kann, wie die Geschichte weitergeht, ist einfach unnachahmlich komisch. Haushälterin Regina Lemnitz(Mrs. Hudson) hat hier nur einen kurzen Auftritt, der, entsprechend Holmes übler Laune, etwas frostig ausfällt. Die von mir so verehrte Reinhilt Schneider(Violet Hunter) spricht die junge, aufgeweckte Frau mit der ihr eigenen samtweichen Stimme, welche passenderweise ein wenig umschlägt, wenn sie von ihrem Schützling erzählt, und Doris Gallart(Miss Stoper) ist einfach gut als hörbar konsternierte, ältere Arbeitsvermittlerin. Das sprecherische Highlight bildet für mich diesmal aber Helmut Krauss(Jephro Rucastle) als freundlicher, älterer Herr, der zwar sehr zuvorkommend gegenüber Violet agiert, dessen Unterton in der Stimme sich jedoch nicht wirklich mit dem Gesagten in Einklang bringen lässt. Ulrike Möckel(Mrs. Rucastle) überzeugt als etwas undurchsichtige Ehefrau, genau wie Dorothea Walda(Mrs. Toller) in der Rolle der reiferen Angestellten, die immer nur das Beste will. Von Kaspar Eichel(Mr. Toller) als stoischer, ewig betrunkener Diener, der seinen Text mit rauer Stimme vorträgt, hätte ich gern noch mehr gehört.


Fazit:
Solide Umsetzung der Geschichte.

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