Rezension: Sherlock Holmes - 30 - Der bucklige Mann

Sherlock Holmes, Jerry Cotton - Kommissare und Detektive ermitteln Psychopaten im Ohr.
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MonsterAsyl
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Rezension: Sherlock Holmes - 30 - Der bucklige Mann

Beitrag von MonsterAsyl » So 02.07.2017, 11:06

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Sherlock Holmes - 30 - Der bucklige Mann

Zum Inhalt:
Als Arzt ist es Dr. Watson gewohnt, spät Besuch zu bekommen, doch statt eines Patienten, steht sein guter Freund Sherlock Holmes vor der Tür. Der Meisterdetektiv steckt mitten in Ermittlungen und benötigt seine Unterstützung als Zeuge. Trotz der späten Stunde besteht der Doktor darauf, erst einmal zu erfahren, worum es geht, und bereitwillig erzählt Holmes die ihm bekannten Fakten. Ein gewisser Colonel Barclay hatte einen lautstarke Auseinandersetzung mit seiner Frau Nancy, an deren Ende er unter mysteriösen Umständen verstarb. Da nur seine Frau anwesend war, als die Dienerschaft sich endlich Zutritt zu dem Zimmer verschaffen konnte, geht die Polizei davon aus, daß sie auch die Täterin ist. Doch Holmes zweifelt an dieser Version, zumal er verdächtige Spuren in Zimmer und Garten gefunden hat...

Zur Produktion:
"The Adventure of the crooked Man", so der englische Originaltitel der hier zugrundeliegenden Geschichte, erschien zunächst im Juli 1893 bei Doyles Stamm-Herausgeber, dem "Strand Magazine" und wurde dann im selben Jahr noch einmal in dem Buch "Die Memoiren des Sherlock Holmes" veröffentlicht. Auch diese Geschichte hat es in die persönliche "Top 19"-Liste des Autors Sir Arthur Conan Doyle (22.05.1859 - 07.07.1930) geschafft und wurde von ihm auf Platz 15 gesetzt. Oft tue ich mich mit seiner Liste ja ein bisschen schwer, aber in diesem Fall gehe ich mit ihm konform. Die Geschichte lässt sich sehr gut lesen, wer möchte findet die englische Originalversion im Internet unter https://en.wikisource.org/wiki/The_Crooked_Man und die Handlung bleibt bis zum Schluss spannend. Da sich Skriptautor Marc Gruppe auch dieses Mal eng an die literarische Vorlage hält, gilt das auch für seine Hörspieladaption. Natürlich gibt es ein paar kleinere Abweichungen, wie beispielsweise die Tatsache, daß hier nur ein Dienstmädchen mitspielt, während es bei Doyle zwei sind, oder daß Gruppe den Bakerstreetjungen von "Simpson" in "Wiggins" umwandelt. Diese Änderungen sind aber für das Geschehen vollkommen unerheblich und werden wohl, genau wie die Veränderung der Monologe in Dialoge, auch die Puristen nicht stören. Das Wegfallen des Dialoges zwischen Holmes und Major Murphy am Ende, wo Holmes stattdessen diesen Teil als Zeitungsbericht vorliest, ist wohl rein kommerziellen Gründen geschuldet. Da man als Hörer die Information ja trotzdem bekommt, ist auch diese Abweichung zu verschmerzen. Wirklich neu hinzugefügt ist die Abschlusszene in der Bakerstreet mit Mrs Hudsons Cousine Margery Mapleton.
Bei Doyle taucht weder die eine noch die andere auf, und ich vermute mal, daß Gruppe diese Szene hinzugefügt hat, um das Ende etwas aufzulockern. Warum aber, wie schon in der letzten Folge, wieder die Cousine von Mrs. Hudson und nicht sie selbst auftritt, erschließt sich mir nicht. Ich hoffe, die Ursache liegt nur an terminlichen und nicht etwa gesundheitlichen Problemen der Rollen-Sprecherin Regina Lemnitz.
Über die Produktion seitens Stephan Bosenius und Marc Gruppe bräuchte ich eigentlich kein Wort mehr zu verlieren, denn ihre Arbeit fällt, wie gewohnt, erstklassig aus. Neben der großen Zahl sorgfältig ausgewählter Geräusche, wie beispielsweise das raschelnde Zeitungspapier, der ratternde Zug, das Vogelgezwitscher, oder das "quietschende" Tierchen, welches ich hier nicht näher benennen möchte, um nichts vorwegzunehmen, ist es vor allem die Musik, die für eine angemessene Stimmung sorgt. Die bereits seit der ersten Folge unveränderte, stimmungsvolle Titelmelodie passt perfekt zur Reihe und sorgt dafür, daß sich der Hörer gleich in der jeweiligen Geschichte zuhause fühlt. Besonders gut gefallen hat mir die Einspielung düsterer Töne, welche anstehendes Unheil bereits im Voraus ankündigen sowie die indisch angehauchte Melodie. Die eingesetzten Effekte, z.B. die gedämpfte Stimme hinter der Tür oder die "Pfeife rauchenden" Sprecher, runden das Hörvergnügen ab.

Zu den Sprechern:
Joachim Tennstedt(Sherlock Holmes) tritt hier ungewöhnlich freundlich auf, was ihn sehr viel sympathischer macht, und es dauert lange, bis seine gewohnt ungeduldige Art doch hervortritt. Detlef Bierstedt(Dr. Watson) bereitet dem Hörer wieder viel Freude mit seinem Portrait des stets von seinem Freund begeisterten und in Erstaunen versetzten Chronisten. Philine Peters-Arnolds(Margery Mapleton) Darstellung von Mrs Hudsons Cousine lässt keinen Zweifel darüber, daß sie eine mehr als würdige Vertreterin der etwas neugierigen und oft scharfzüngigen Haushälterin ist. Die Nebenrollen sind diesmal mehrheitlich mit Sprecherinnen besetzt, und Sabina Trooger(Nancy Barclay) als freundliche Frau mittleren Alters, welche auf ungewöhnliche Art und Weise die Wahrheit über ihren Mann erfährt, ist ebenso überzeugend wie Daniela Reidies(Ethel Morrison) als deren zögerliche, versnobte Freundin. Die etwas harsche Stimme von Bodo Primus(Henry Wood) passt sehr gut zum Part des gebrochenen Mannes, der nur vermeintlich seinen Frieden gefunden hatte. Besonders amüsant finde ich Marianne Mosa(Zimmerwirtin) als neugierige ältere Frau, deren strenge Stimme ausgzeichnet zu dem Klischee der biestigen Vermieterin passt. Der Auftritt von Bosse Koch(Wiggins) als "General" der Bakerstreet Boys fällt durch sein völlig unverkrampftes, begeistertes Spiel kurz aber prägnant aus.

Fazit:
Tadellose Hörspieladaption.

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