Rezension: Sherlock Holmes - 29 - Die Junker von Reigate

Sherlock Holmes, Jerry Cotton - Kommissare und Detektive ermitteln Psychopaten im Ohr.
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MonsterAsyl
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Rezension: Sherlock Holmes - 29 - Die Junker von Reigate

Beitrag von MonsterAsyl » Mo 29.05.2017, 18:22

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Sherlock Holmes - 29 - Die Junker von Reigate

Zum Inhalt:
Auch ein Meisterdetektiv wird nicht jünger, und sein letzter Fall hat Sherlock Holmes dermaßen angestrengt, daß Dr. Watson ihm nun dringend Ruhe und Entspannung verordnet. Um dies zu erreichen, überredet er Holmes, gemeinsam die schon länger ausstehende Einladung seines guten Freundes Colonel Hayer anzunehmen. So kommt es, daß beide im April 1887 eine Woche in Reigate, Surrey verbringen. Doch wo der Meisterdetektiv auftaucht, ist das Verbrechen meist nicht weit. Schon am ersten Abend erfahren sie von einem kuriosen Einbruch, bei dem ein Band von Popes Homer, zwei versilberte Kerzenständer, ein Briefbeschwerer aus Elfenbein, ein Eichenbarometer und ein Knäuel Zwirn gestohlen wurden. Diese seltsame Zusammenstellung erregt sofort Holmes' Neugier, und er beginnt, trotz der Proteste von Dr. Watson, zu ermitteln.

Zur Produktion:
Nach dem zuletzt erschienen Hörspiel, "Eine Studie in Scharlachrot" (Sherlock Holmes 28), kehrt das Label Titania-Medien nun zu seiner unterbrochenen Vertonung der Memoiren von Sherlock Holmes zurück. Interessanterweise ist die zugrundeliegende Geschichte im englischen Original unter drei verschiedenen Titeln ("The Reigate Squires", "The Adventure of the Reigate Squires" und "The Adventure of the Reigate Puzzle") bekannt. Die Erstveröffentlichung im "Strand Magazine" erfolgte unter dem Titel "The Adventure of the Reigate Squires" und erschien im Juni 1893. Bei einer Anfrage, welche seiner Geschichten er für die zwölf besten hielte, positionierte der Autor Sir Arthur Conan Doyle (22.05.1859-07.07.1930) diese übrigens auf Platz zwölf.
Ich habe mich oft gefragt, welche Kriterien bei dieser Liste für ihn eine Rolle gespielt haben, denn viele der dort genannten Titel finde ich persönlich gar nicht so herausragend und hätte ganz andere gewählt. Das geht mir auch in diesem Fall so. Zwar sind alle Zutaten für eine spannende Geschichte vorhanden, aber Conan Doyle macht einfach zu wenig daraus. Vor allem die Erklärung, was es mit den gestohlenen Gegenständen auf sich hat, ist mehr als schlicht und eigentlich seiner nicht würdig.
Es ist Marc Gruppes Talent zu verdanken, daß hier trotzdem ein unterhaltsames Hörspiel entstanden ist, obwohl sich der Skriptautor auch diesmal eng an die Vorlage gehalten hat. Mit Hilfe geringfügiger Änderungen bzw. Erweiterungen gegenüber der ursprünglichen Kurzgeschichte, gelingt es ihm, die Handlung flüssiger und damit aufregender zu gestalten als Doyle. Beispielsweise strafft er dessen Eröffnungsszene zunächst ein wenig, um deren Informationen dann in das Telegramm an Dr. Watson einfließen zu lassen. Auch schildert Gruppe dessen Aufenthalt in Frankreich wesentlich ausführlicher, um so einerseits den angeschlagenenen Gesundheitszustand des Meisterdetektivs angemessen darzustellen und andererseits das folgende Geschehen (Holmes "Schwächeanfall" und die "Ungeschicklichkeit") plausibler zu machen. Besonders gelungen finde ich die Art und Weise, wie Gruppe die Auflösung des Falls gestaltet hat. Im Gegensatz zu Doyle fällt diese noch etwas ausführlicher und damit nachvollziehbarer aus, wenngleich er eine gravierende Veränderung vornimmt. Die Botschaft an die Cunninghams ist ursprünglich zwei Zeilen länger und enthält den Verweis auf eine gewisse 'Annie Morrison'. Da diese Person für den Verlauf der Handlung eigentlich keine Rolle spielt und Doyle selbst auch nicht weiter auf sie eingeht, ist es nur plausibel, die Passage für das Hörspiel ganz zu streichen. Warum Marc Gruppe aber die Figur der 'Margery Mapleton' auftreten lässt, erschließt sich mir nicht ganz. Zum einen, weil es eigentlich einleuchtender wäre, diesen Part von Mrs Hudson spielen zu lassen und zum anderen, weil im Original weder die eine noch die andere vorkommt. Ich vermute mal, daß Frau Lemnitz als Mrs. Hudson für die Aufnahmen nicht zur Verfügung stand, der Skriptautor aber noch eine Sprecherin einfügen wollte, da in dem Hörspiel ansonsten nur Männer aktiv sind. Also brachte man deren "Kusine Margery" ins Spiel, eigentlich eine reine Erfindung von Gruppe für die von ihm selbst erdachten und verhörspielten Holmes-Geschichten, in denen sie mehrfach agieren durfte.
Wer möchte, kann nun selbst einen Vergleich zwischen der literarischen Vorlage, die man im Internet unter https://en.wikisource.org/wiki/The_Reigate_Puzzle findet und dem Hörspielskript anstellen.
Produktion und Regie, vorgenommen von Stephan Bosenius und Marc Gruppe, liegen auf deren gewohnt hohem Niveau. Allerdings ist die Gestaltung der Soundkulisse diesmal ein wenig anders ausgefallen als üblich. Während sonst bei jeder Szene eine Unzahl an Geräuschen eingeflochten wird, gehen die beiden hier einen anderen Weg. Die Szenen innerhalb von Gebäuden (Colonel Hayters Anwesen und das der Cunninghams) sind eher spartanisch angelegt, und nur wenige Geräusche, wie beispielsweise das Klappern von Geschirr oder eine leise tickende Wanduhr, untermalen das Geschehen. Umso kontrastreicher fallen die Sequenzen aus, welche in der freien Natur stattfinden. Da zwitschern die Vögel, eine leichte Brise weht, die Blätter der Bäume rauschen und man hört die Schritte der Protagonisten. Bosenius und Gruppe setzen diese "Gegensätzlichkeit" der Klangbilder dazu ein, um den Unterschied zwischen der "freien, ungebundenen" Außenwelt und der "eingengten" Welt innerhalb der Häuser auch akustisch zu unterstreichen. Entsprechend der Handlung, sind neben der wohlbekannten, nach wie vor sehr gelungenen Titelmelodie, vor allem leichte Weisen und fröhliche Melodien zu hören, die überwiegend mit Streichinstrumenten eingespielt wurden. Für die dramatischeren Szenen kommen dann alternierend Klavier und Synthesizer zum Einsatz.

Zu den Sprechern:
Joachim Tennstedt(Sherlock Holmes) spricht den zunächst sehr angeschlagenen Meisterdetektiv anfangs mit angestrengter Stimme und unterlegt seinen Text derart realistisch mit Gestöhn und Gekeuche, daß man sich als Hörer schon beinahe Sorgen um ihn macht. Desto positiver wirkt es dann, ihn anschließend wieder in alter Frische und mit der ihm eigenen Bissigkeit zu hören. Detlef Bierstedt(Dr. Watson) hat hier die undankbare Aufgabe, auf die Gesundheit seines Freundes zu achten und es macht viel Spaß, ihm dabei zuzuhören, wie er diesen mal mit Engelszungen, mal mit deutlich mahnenden Worten an seine Verfassung erinnert. Besonders amüsiert habe ich mich über die Art und Weise, wie er peinlich berührt die Entschuldigung für eine Sache, die er gar nicht verschuldet hat, vor sich hin brummelt. Den Auftritt von Philine Peters-Arnolds(Margery Mapleton) finde ich ein wenig überzogen. Sie agiert dermaßen betroffen bezüglich Holmes' Krankheit, daß man glauben könnte, sie stehe in einem engen Verhältnis zu dem Meisterdetektiv. Claus Thull-Emden(Colonel Hayter) überzeugt in seiner Rolle des selbstsicheren, sympathischen Freundes von Dr. Watson, und auch Louis Friedemann Thiele(Butler Wilkes) glänzt mit seinem Portrait des leicht affektierten, eifrigen Dieners des Colonels. Rainer Gerlach(Inpektor Forrester) intoniert den Part des von Holmes' Fähigkeiten überzeugten, leitenden Beamten mit rauer Stimme, und als ihm Holmes schmeichelt, gelingt es ihm zu klingen, als würde er gerade erröten. Ebenfalls souverän sind Lutz Riedel(Mr. Cunningham) als alter, ungeduldiger Mann, der seinem Ärger deutlich Luft macht, und Mathias Lühn(Alec Cunningham) als sein mit allen Wassern gewaschener Sohn. Der Auftritt von Rolf Berg(Constable) in der Rolle des entschlossenen Polizisten, ist ebenso gelungen, wie die Darstellung des neugierigen Magnaten durch Horst Naumann(Mr. Acton).

Fazit:
Optimale, in vielen Aspekten die Vorlage überragende Hörspieladaption.

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