Rezension: Gruselkabinett - 130 - Der Wiedergänger

Neongrüne Riesenspinnen jagen Frankensteins Monster durch Draculas Schloß!
Antworten
Benutzeravatar
MonsterAsyl
Administrator
Administrator
Beiträge: 4269
Registriert: Do 29.05.2003, 00:04
Wohnort: Der Schädelberg

Rezension: Gruselkabinett - 130 - Der Wiedergänger

Beitrag von MonsterAsyl » So 26.11.2017, 09:56

Bild

Gruselkabinett - 130 - Der Wiedergänger

Zum Inhalt:
Im Jahr 1920 beschließt der junge New Yorker Peter Crane, zusammen mit seinen Freunden Christopher "Kit" Shelby und Gilbert Blair, eine Reise in die Wildnis von Labrador zu unternehmen. Seine Familie ist über diesen Plan entsetzt. Nicht nur, weil die abenteuerliche Fahrt viele Gefahren birgt, sondern vor allem, weil eine alte Zigeunerin Peter bereits in seiner Kindheit geweissagt hatte, daß er eines Tages in der Fremde sterben werde. Da weder Peter noch seine Freunde an derartige Prophezeiungen glauben, brechen sie gutgelaunt auf. Zunächst verläuft auch alles nach Plan, und die drei Städter genießen die unberührte Landschaft. Doch dann bricht ein Schneesturm über sie herein, und es kommt zur Katastrophe...

Zur Produktion:
Mit der vorliegenden Folge vertont das Label Titania erstmals eine Geschichte der amerikanischen Schriftstellerin und Poetin Carolyn Wells (18.06.1862-26.03.1942). Bei der Menge an Autoren, die es schon gab und immer noch gibt, ist es natürlich unmöglich, alle zu kennen. Aber wenn, wie hier, das Gesamtwerk über 170 Publikationen umfasst, bin ich doch einigermaßen erstaunt, noch nie zuvor von der Dame gehört zu haben. In den ersten zehn Jahren ihrer Karriere schrieb sie vor allem Gedichte und Kinderbücher. Danach widmete sie sich in erster Linie dem Mystery-Genre, und die 61 (!) "Fleming Stone"- Detektivgeschichten zählen zu ihren erfolgreichsten Büchern. Heutzutage kennt man sie aber wohl hauptsächlich durch ihre leichten Verse und Limmericks. "Fleming Stone" war aber bei weitem nicht die einzige Figur, die Wells mehr als ein Abenteuer erleben ließ. So erfand sie unter anderem den Detektiv Pennington Wise, der mit seiner Assistentin Zizi insgesamt acht Fälle löst. Interessanterweise hat sich Skriptautor Marc Gruppe nicht dazu entschlossen, mit dem ersten, 1918 erschienenen Band "The Room with the Tassels" zu beginnen, sondern stattdessen den vierten Roman "The Come-Back" aus dem Jahr 1920 zu vertonen. Das mag zunächst verwundern, aber wenn man die Geschichte im englischsprachigen Original unter http://www.gutenberg.org/files/30868/30 ... 0868-h.htm nachliest, stellt man schnell fest, daß die Detektive, genau wie bei den "Charlie Chan"-Romanen von Earl Derr Biggers, eine eher untergeordnete Rolle spielen und auch entsprechend spät in die Handlung integriert werden. Da Wells' Roman mehr als 280 Seiten umfasst, ist es vollkommen unmöglich, die komplette Geschichte innerhalb der Spielzeit einer einzigen CD zu erzählen, selbst wenn diese, so wie hier, ca. 73 Minuten umfasst. Das dürfte einer der Gründe gewesen sein, warum Marc Gruppe sich in diesem Fall vom Original gelöst, umfangreiche Änderungen vorgenommen und letztlich den ursprünglichen Text mehr oder weniger nacherzählt hat. Bereits die Eröffnung der Geschichte könnte nicht unterschiedlicher ausfallen. Während Wells ihre Version mehr oder weniger mit der düsteren Zigeuner-Prophezeiung beginnt und so von vorneherein eine entsprechende Grundstimmung erzeugt, stellt Gruppe diese zunächst hinten an und präsentiert dem Hörer stattdessen die verschiedenen Akteure. Dadurch steigt die Spannungskurve zwar langsamer, aber umso effektiver. Auch der weitere Verlauf gestaltet sich interessanter als im Buch, da durch die umfangreichen Kürzungen, die Erregung nicht nur dauerhaft erhalten bleibt, sondern bis zum Ende noch anwächst. Nachdem es sich hier jedoch um eine Mystery- und keine Gruselgeschichte handelt, beschränkt sich das "Grauen" mehr oder weniger komplett auf die Seancen, und Gruselfans könnten von der ernüchternden Auflösung schon etwas enttäuscht sein.
Produktion und Regie, für die Stephan Bosenius und Marc Gruppe gemeinsam verantwortlich sind, fallen, wie gewohnt, erstklassig aus. Die Musik ist facettenreich, ruhige Melodien wechseln sich mit episch angehauchten Weisen ab. Instrumental herrscht hier zwar das Klavier vor, zusätzlich gibt es aber auch immer wieder mal dunkle Synthesizer-Sounds oder einen Choral zu hören, beides Elemente, welche die düstere Atmosphäre zusätzlich vertiefen. Darüber hinaus haben die Macher auch darauf geachtet, jede einzelne Szene mit zum Geschehen passenden Geräuschen auszustatten. Egal, ob es sich um die tickende Wanduhr, den pfeifenden bzw. heulenden Wind des Schneesturms oder die knarrenden Dielen handelt, alle Töne klingen vollkomen natürlich und sorgen für ein noch intensiveres Hörerlebnis. Akustisch besonders eindrucksvoll sind die Sequenzen, in denen der Geist durch den Mund des Mediums spricht. Um diese Illusion zu erzeugen, hat man die Sprecher des Mediums und des Geistes dieselben Sätze sagen lassen und beide Tonspuren anschließend übereinander gelegt.

Zu den Sprechern:
Wie schon erwähnt, fallen die Auftritte von Dirk Stollberg(Pennington Wise) als ermittelnder Detektiv, den die Hintergründe seines Auftrags mehr als erstaunen, und seiner Assistentin, der stets bezaubernden Reinhilt Schneider(Zizi) recht kurz aus. Trotzdem gelingt es ihnen, beim Hörer einen nachhaltigen Eindruck zu hinerlassen. Dies gilt vor allem für Frau Schneider und ihrer einndringlich vorgetragenen Warnung. Horst Naumann(Benjamin Crane) ist mit seiner rauen Stimme eine ausgezeichnete Besetzung für die Figur des sechzigjährigen Familienvaters, den die Verzweiflung über den Verlust seines Sohnes in die Arme von Spiritisten treibt. Das gilt auch für Uschi Hugo(Julie Crane) als seine bestürzte Tochter, deren Glauben an die Unschuld ihres Geliebten unerschütterlich ist. Jannik Endemann(Peter Crane) überzeugt genauso mit seinem enthusiastischen Portrait des frisch verliebten, jugendlichen Draufgängers, wie Mattias Lühn(Christopher "Kit" Shelby) und Louis Friedemann Thiele(Gilbert Blair) als dessen Freunde. Während Lühn seinen Charakter sehr von sich überzeugt und beinahe arrogant agieren lässt, wirkt Thieles Spiel weitaus zurückhaltender, was seiner Figur einen geheimnisvollen Anstrich gibt. Ebenfalls undurchsichtig erscheint Thomas Balou Martin(McClellan Thorpe) als Julie Cranes distinguierter, dem Spirituellen gegenüber skeptischen Freund. Sehr gut gefallen hat mir auch Marie Bierstedt(Carlotta "Carly" Harper) als Peters trauernde Freundin, die dem Okkulten Näher steht, als man zunächst denkt. Sprecherisches Highlight ist für mich aber die großartige Dagmar von Kurmin(Madame Parlato) als Medium, der es allein schon mit ihrer ausdrucksstarken Stimme gelingt, den Hörer in ihren Bann zu ziehen. Bodo Primus(Portier Hastings) macht viel Spaß als unerschütterlicher Hausmeister mit schwarzem Humor, und Tom Taczko(Tom Douglas) liefert eine einwandfreie Darbietung als hilfsbereiter "Reporter".

Fazit:
Tadelloses Mystery- Hörspiel.

Das Hörspiel Gruselkabinett - 130 - Der Wiedergänger
gibt es bei
Amazon.de
oder bei
POP.de
Keeper of the Monsters

Bild

Antworten

Zurück zu „Grusel-Hörspiele“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast