Rezension: Gruselkabinett - 116 - Der schwarze Stein

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MonsterAsyl
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Rezension: Gruselkabinett - 116 - Der schwarze Stein

Beitrag von MonsterAsyl » Di 25.10.2016, 15:55

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Gruselkabinett - 116 - Der schwarze Stein

Zum Inhalt:
In einer Bibliothek erregt das in Leder gebundene und mit rostigen Verschlüssen versehene Buch "Unaussprechlichen Kulten" die Aufmerksamkeit von Caleb Thomas. Darin ist die Rede von einem schwarzen Monolithen, der in der Nähe eines Dorfes in den ungarischen Karparten stehen soll. Dieser wurde von einem uralten Kult als Heiligtum verehrt, dem sie Menschenopfer darbrachten. Mit Hilfe eines anwesenden Bibliothekars gelingt es Caleb, den Namen dieses Ortes herauszufinden, und er beschließt spontan, dorthin zu fahren, um sich die Steinsäule selbst anzusehen. Er kann ja nicht ahnen, daß es für ihn eine Reise ins Grauen werden wird.

Zur Produktion:
Unter den "Pulpautoren" zählt Robert E. Howard (22.01.1906 – 11.06.1936) zu meinen Favoriten. Dementsprechend freue ich mich auch immer, wenn das Label Titania-Medien eine weitere seiner Erzählungen vertont. "The black Stone", so der englische Originaltitel, erschien erstmals im November 1931 in dem Pulpmagazin "Weird Tales". Übrigens erhielt Howard für diese Kurzgeschichte, welche zurecht dem von H.P. Lovecraft geschaffenen "Cthulhu-Universum" (auch wenn Howard das Wort selbst nicht verwendet) zugeordnet wird, nur 56 $. Das vorliegenden Hörspiel ist bereits das siebte (neben Gruselkabinett 52,60,63,70,77 & 86) nach einer Vorlage des Autors, und da ich diese Story sehr schätze, war ich entsprechend gespannt, was für ein Skript Marc Gruppe daraus machen würde. Eröffnet wird das Hörspiel mit einer stimmungsvollen, von Gruppe neu geschriebenen Szene, der das eigentliche, aus der "Ich-Perspektive" geschilderte Intro folgt, hier in Dialogform (zwischen Caleb und dem Bibibliothekar) abgefasst. Anschließend ist der Hörer dann quasi "live" dabei und begleitet den neugierigen Protagonisten auf seiner Reise. Normalerweise hält sich Marc Gruppe ja immer relativ dicht an die literarische Vorlage, aber das ist hier anders. Es handelt sich bei seinem Skript eher um eine Art "Nacherzählung", die dabei durchaus Sätze oder ganze Passagen aus dem Originaltext enthält. Zu meinem Bedauern hat er aber auch etliche Passagen gekürzt. Dazu zählt unter anderem die Ausführung über die Pikten, die auch in den von Howard verfassten "Conan"-Fantasygeschichten eine wichtige Rolle spielen. Daß einige "Fülldialoge" hinzugefügt wurden, Caleb Thomas hier den Wirt unterbricht und nicht umgekehrt, oder die Tatsache, daß der Protagonist in Howards Geschichte den türkischen Text selbst übersetzt und nicht der Schulmeister, dient alles nur dem flüssigeren Ablauf. Andere Änderungen fallen da schon gravierender ins Gewicht. Beispielsweise verwendet Howard in seiner Geschichte den Begriff "Cthulhu" überhaupt nicht, während hier die Anhänger des Kultes das Wort im Sprechgesang wiederholen. Nachvollziehbar sind die Kürzungen bei den Opferungs-Morden, denn da nimmt Howard kein Blatt vor den Mund. Wer also eher zartbesaitet ist, sollte die folgenden Sätze besser überspringen und erst danach weiterlesen.
Während Gruppe die gesamte Zeremonie in Calebs Traum rein akustisch, also ohne explizite Beschreibungen darstellt, schildert Howard die Geschehnisse in brutaler Deutlichkeit. Da gibt es unter anderem eine junge, nackte Frau, die vom Hohepriester in Ekstase blutig gepeitscht wird, und dem Säugling schlägt selbiger an dem Monolithen den Schädel ein, um ihm anschliessend mit bloßen Händen den Körper aufzureißen.
Natürlich kann ich verstehen, warum Gruppe diese grausigen Details ausgelassen hat. Andererseits wurde damit aber auch die Chance vertan, wieder mal ein etwas "härteres" Hörspiel zu produzieren.
Im Anschluss an diese Szene folgt Gruppe in seinem Skript zunächst wieder Howards Geschichte, bis zu dem Punkt, als die alte Schriftrolle übersetzt wird. Ab da driftet die Handlung in einen eher belanglosen, allgemein gehaltenen Monolog ab, in dem nur bereits Bekanntes nochmals wiederholt wird. Der Hörer erfährt weder etwas über den Kampf Selim Bahadurs mit dem unheimlichen krötenählichen Tentakelmonster, noch das sich in der Lackschatulle eine Statuette des Wesens befindet. Diesen Ausklang empfand ich als äußerst unbefriedigend, und er trägt mit dazu bei, daß die Geschichte letztlich zu harm- bzw. ereignislos wirkt. Wie üblich aber auch hier mein Hinweis: Wer möchte, kann die gesamte Story im Internet unter http://gutenberg.net.au/ebooks06/0601711.txt selbst nachlesen.
An der Produktion und Regie von Stephan Bosenius und Marc Gruppe gibt es für mich im Großen und Ganzen nichts auszusetzen, ausgenommen die Stelle, an der man noch einmal die Erläuterungen des Kutschers zu hören bekommt. Diese "Wiederholung" ist für meinen Geschmack etwas zu lang geraten. Jede Szene wurde mit passender Musik unterlegt. Düstere Synthesiszer-Sounds wechseln sich dabei mit ähnlichen Melodien ab, als "Ausgleich" gibt es aber nach Calebs Erwachen auch eine sehr ruhige, melodische Weise. Zum Schluss der Geschichte ertönt dann noch einmal eine längere, bedrückend wirkende Melodie. Neben dem Synthesizer, kommen auch Klavier, Geige und diverse Blasinstrumente zum Einsatz, aber es sind die großen Trommeln, welche bei den kultischen Tänzen vor dem Monolithen zu hören sind, die alle anderen Instrumente für den Moment verblassen lassen. Gerade diese Szene, die auch gleichzeitg das Highlight des Hörspiels ist, kann man nur als besonders gut gelungen bezeichnen, wozu die unverständlich gemurmelten Sprechgesänge maßgeblich beitragen.
Um das Klangbild zu komplettieren, dürfen natürlich auch diverse Geräusche nicht fehlen. Jede Szene ist adäquat damit unterlegt worden, um die Atmosphäre stimmungsvoll abzurunden. Besonders gelungen finde ich die Szenen in der Gastwirtschaft, in denen man, neben dem spülenden Wirt, auch noch die sich unterhaltenden Gäste im Hintergund hört. Die restlichen Töne, wie etwa das Vogelzwitschern, die Zikaden oder das leichte Klappern des Kaffeegeschirrs, wirken jederzeit vollkommen natürlich, und auch das von mir so geschätzte Käuzchen darf wieder rufen. Als zusätzliche Effekte hat man das Gespräch in der Bibliothek mit einem leichten Hall unterlegt, um die Größe des Raumes "hörbar" zu machen, und der begleitende Kommentar des Kutschers wurde etwas leiser eingespielt, um dessen räumliche Distanz zu den Fahrgästen hervorzuheben.

Zu den Sprechern:
Sascha von Zambelly(Caleb Thomas) dominiert von Anfang an mit seiner überragenden sprecherischen Leistung das Geschehen. Schon zur Eröffnung, wenn er seine Worte mehr raunt als spricht, nimmt er den Hörer für sich ein. Er "lebt" förmlich seinen Text, und es ist sein intensives Spiel, das uns mitfiebern lässt. Ebenfalls sehr gut gefiel mir Dietmar Wunder(Bibliothekar) als in okkulten Werken bewanderter Angestellter, der Thomas ausdrücklich vor seiner Reise warnt. Das gilt natürlich auch für Jürgen Thormann(Kutscher), dessen Brummeln perfekt zu einem Wagenlenker passt.
Julian Tennstedt(Reisekamerad) überzeugt als freundlicher, redseliger Mitreisender, genauso wie Hans Bayer(Wirt) als schwatzhafter, älterer Wirt mit rauer Stimme, der sich um seinen Gast Sorgen macht. Auch Patrick Baehr(Neffe) als dessen Verwandter, der selbst schon seine Erfahrungen mit dem Monolithen machen musste, liefert eine einfühlsame Darstellung. Zunächst klingt er ruppig und schroff, aber als er zu erzählen beginnt, "kippt" seine Stimme um, jedes Wort bekommt einen ängstlichen, ja fast panischen Unterton, und dadurch, daß er sein Sprechtempo stetig steigert, wirkt es, als wolle er unbedingt noch schnell etwas mitteilen, bevor er dazu nicht mehr in der Lage ist. Uli Krohm(Schulmeister) intoniert den leicht verschrobenen, aber freundlichen Gelehrten mit heiserer Stimme, und Marlene Bosenius(Neugeborenes) tut das, was Säuglinge eben häufiger tun: nämlich schreien. Unbedingt erwähnt werden müssen noch Johannes Bade, Marcel Barion und Kai Naumann als begeisterte Orgiasten.

Fazit:
Eher unheimliches als gruseliges Hörspiel, welches inhaltlich hinter den Möglichkeiten der Vorlage bleibt.

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