Rezension: Der Krieg der Welten - Collectors Box

Commander Perkins, Perry Rhodan und andere Weltraumrecken geben sich hier die Ehre.
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MonsterAsyl
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Rezension: Der Krieg der Welten - Collectors Box

Beitrag von MonsterAsyl » Mo 22.05.2017, 15:49

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Der Krieg der Welten - Collectors Box

Zum Inhalt:
Die Polarexpedition im Jahr 1898, unter der Leitung von Robert E. Peary, hat einfach kein Glück. Das Wetter verschlechtert sich ständig, und dann stürzt auch noch ein Meteorit in unmittelbarer Nähe des Lagers ab. Bei dessen anschließender Untersuchung kommt es zu einem folgenschweren Unfall, der den weiteren Verlauf der Forschungsreise gefährdert. Kurz darauf gibt es auch in Horsell, einem kleinen Vorort Londons, einen Meteoriteneinschlag. Alfred Harmsworth, der Leiter der Londoner "Daily Mail", ahnt, daß die beiden Ereignisse irgendwie zusammenhängen. Er weist Fergus McBiggs, seinen besten Reporter, und den Astronomen Charles Ogilvy an, die Einschlagstelle in Horsell aufzusuchen und vor Ort zu recherchieren. Zeitgleich häufen sich Berichte, daß auch in anderen Ländern Meteoriten niedergegangen sind. Von da an überschlagen sich die Ereignisse, und der Krieg der Welten beginnt...

Zur Produktion:
2017 wird wohl für die Freunde des Hörspiels zum "Wells-Jahr" werden, denn es dürfte voraussichtlich so viele Vertonungen seines Werkes geben, wie nie zuvor. Das liegt in erster Linie am Erlöschen des Urheberrechts und dem damit verbundenen Wegfall der Lizenzgebühren.
Da sich die Geschichten von Herbert George Wells(21.09.1866-13.08.1946) nach wie vor großer Beliebtheit erfreuen und das Genre 'Science Fiction' im Hörspiel immer noch unterrepräsentiert ist, freut es mich umso mehr, daß gleich mehrere Labels bereits 2016 angekündigt haben, seine Bücher vertonen zu wollen.
Wells bekanntester Roman, "Der Krieg der Welten", dürfte wohl jedem ein Begriff sein, auch wenn seit der Erstveröffentlichung beinahe 120 Jahre vergangen sind. Zu verdanken ist das nicht zuletzt der legendären amerikanischen Erst-Verhörspielung durch Orson Wells im Jahre 1938 und der mindestens ebenso bekannten Verfilmung von 1953, der inzwischen noch etliche weitere gefolgt sind. Lange Zeit war nicht klar, wer nun als Erster ein Hörspiel zu diesem Meilenstein der SF auf den Markt bringen würde. Mich hat es doch überrascht, daß ein relativ kleines Label die Nase vorn hatte, nämlich die "Mediabühne Hamburg", welche sich ansonsten vorwiegend mit der Entwicklung multimedialer Inhalte auf der Theaterbühne beschäftigt. Im Norden Deutschlands ist die Hamburger Künstlertruppe, unter der Leitung von Annelie Krügel (Regie & Produktion) und Klaus Ude (Hörspielmanuskript, Musik & Audioproduktion), bereits aufgrund ihrer vielgelobten Live-Auftritte ein fester Begriff. Dem Rest der Republik dürfte das Label vor allem durch seine bisher erschienenen Hörspiele "Eine Weihnachtsgeschichte", "Der Spiegel im Spiegel"[1+2] sowie die vier Folgen der Reihe "Meister der Angst" ("Dr. Jekyll und Mr. Hyde", Jack the Ripper", "Der Doppelmord in der Rue Morgue" und "Der Elephantenmensch") bekannt sein.
Nun gibt es ja die unterschiedlichsten Möglichkeiten einen knapp 120 Jahre alten Roman zu vertonen. Beispielsweise kann man sich dicht an die literarische Vorlage halten und versuchen, diese so werkgetreu wie möglich umzusetzen. Oder man nimmt Veränderungen vor, wie beispielsweise die Anpassung der Sprache an moderne Hörgewohnheiten oder eine zeitliche Aktualisierung des Geschehens. Skriptautor Klaus Ude hat sich dafür entschieden, einen dritten Weg zu gehen. Er integriert zwar alle wesentlichen Elemente des Romans, sprich die Invasion, den anschließenden Krieg, die Flucht der Menschen und auch das Ende der Marsianer. Sie dienen ihm aber eher als Inspiration, um aus diesen Bestandteilen etwas völlig Neues zu schaffen. Das erklärt auch die in der Inhaltsangabe beschriebene Polarexpedition, die bei Wells nicht vorkommt und Kenner des Buches wahrscheinlich etwas irritieren dürfte. Puristen, die ausschließlich werkgetreue Adaptionen akzeptieren, brauchen also gar nicht erst weiterzulesen. Stattdessen sollten sie sich lieber noch einmal dem spannenden Roman widmen, im Internet zu finden unter https://en.wikisource.org/wiki/The_War_of_the_Worlds und auf eine weitere Vertonung warten. Allen anderen können sich aber auf ein außergewöhnlich intensives Hörvergnügen freuen!
Bereits mit der Eröffnungsszene, der Polarexpedition, zieht Klaus Ude den Hörer in seinen Bann. Er benutzt ein reales historisches Ereignis (1897 stahl Peary bei einer Expedition den Inuit einen Meteoriten, welcher diesen bis dahin als Rohstoffquelle diente) und passt es ein wenig seiner Geschichte an. Mit diesem Kniff gibt er dem Geschehen gleich zu Beginn einen authentischen Rahmen, der auch die nachfolgenden Ereignissen realer wirken lässt. In diesem Zusammenhang muss ich unbedingt schon auf die musikalische Untermalung eingehen, auch wenn ich später nochmals darauf zurückkommen werde. Zu Beginn ähnelt die Musik noch dem Soundtrack des Polar-SF-Klassikers schlechthin ("Das Ding aus einer anderen Welt", 1951), während sie etwas später unwillkürlich Assoziationen zu der Musik von John Carpenter aus der Filmversion von 1982 weckt. Ich finde es einfach nur genial, wie Ude auf diese Weise dem Hörer allein musikalisch zeigt, daß es sich um eine Geschichte handelt, die zwar in der Vergangenheit spielt, aber gleichzeitig hochmodern inszeniert worden ist. Wie schon erwähnt, dient der Roman dem Skriptautor nur als eine Art "Gerüst", um das er seine Handlung aufbaut. Während der Inhalt bei Wells quasi nur aus der Perspektive eines Menschen geschildert und nur wenig auf die Vorkommnisse andernorts eingegangen wird, ist Udes Erzählstruktur ungleich breiter gefächert und wirkt dadurch auch sehr viel abwechslungsreicher. Statt uns nur einen Protagonisten zu liefern, mit dem wir mitfiebern können, gibt es hier gleich mehr als ein Duzend Akteure, von deren Geschick wir Zeuge werden. Daß die Spannung bis zum Schluß perfekt erhalten bleibt, liegt nicht zuletzt an dem Umstand, daß Klaus Ude die verschiedenen Charaktere sehr sorgfältig ausgearbeitet hat und ihr Schicksal deshalb den Hörer im Verlauf mehr und mehr berührt. Besonders gelungen finde ich in diesem Zusammenhang die kleine "Nebenhandlung" rund um den Artilleristen Doe (ein Name der bestimmt nicht zufällig gewählt wurde und stellvertretend für das Heer der namenlosen Soldaten steht) und seine Frau. Während sich Wells' Sozialkritik vornehmlich auf die Briten und deren Kolonialpolitik beschränkte, bringt Ude mit diesen beiden Personen zusätzlich und sehr deutlich Rassismus und Egoismus mit ins Spiel. Daß er dabei nicht davon Abstand nimmt, den 1898 üblichen Sprachgebrauch beizubehalten und auch das heute zurecht politisch unkorrekte Wort "Nigger" mit einzuflechten, wird auf manchen vielleicht verstörend wirken, unterstreicht für mich aber lediglich die Authentizität. Übrigens sollte man das Hörspiel keinesfalls schon abschalten, wenn die Sprecherangaben beginnen, denn während die Namen verlesen werden, hat Ude als zusätzlichen Bonus noch eine Spielszene eingeflochten, welche die Polarexpedition wieder aufgreift und somit den erzählerischen Kreis zufriedenstellend schließt.
Das Konzept des ständigen Perspektiven- und Ortswechsel verlangt natürlich etwas mehr Aufmerksamkeit vom Hörer, als das sonst vielleicht der Fall gewesen wäre, aber die "Mühe" lohnt sich, zumal die Übergänge zwischen den einzelnen Szenen wirklich sehr gelungen sind.
Damit komme ich auch zur eigentlichen Audioproduktion, für die ebenfalls Klaus Ude verantwortlich ist. Um die Figur eines Erzählers zu umgehen, hat er das Skript so verfasst, daß verschiedene Sprecher zusätzlich in dieser Funktion zum Einsatz kommen. Damit sorgt er dafür, daß die Handlung nicht von einer "dritten" Person unterbrochen wird und der Hörer trotzdem die entsprechenden Informationen, z.B. zum Ort des Geschehens oder über die Gefühlslage des jeweiligen Charakters, erhält. Um diese "Erzählpassagen" klar zu kennzeichnen, wurden die Stimmen der Sprecher mit Hall unterlegt. Daß Ude sie zusätzlich erst sehr leise und dann immer lauter werdend einspielt und zum Ende des "Erzählerparts" wieder leiser werden lässt, sorgt für fließende Übergänge in die Spielszenen. Passend zur regelrecht epischen Laufzeit von ca. 270 Minuten, verteilt auf 4 CDs, die auch als Einzelveröffentlichungen (I.Ankunft, II.Vertreibung, III.Zuflucht, IV. Heimkehr) erhältlich sind, ist auch die Musik ausgefallen. Ein großer Teil der Melodien wurde, dem zeitlichen Rahmen der Handlung entsprechend, auf klassischen Instrumenten gespielt. Dazu zählen Blas- und Streichinstrumente und natürlich auch das Klavier. Die mit dem Synthesizer erzeugten, wabernden und bedrohlich wirkenden Töne bleiben dagegen den Auftritten der Marsianer vorbehalten. Dieser Wechsel zwischen ruhigen, melodiösen Stücken einerseits und den kalten, treibenden maschinellen Weisen des Synthesizers anderseits, dient als akustisches Stilmittel, um die Differenz zwischen Menschen und Ausserirdischen nochmals hervorzuheben. Selbstverständlich sind die einzelnen Musikstücke immer perfekt auf die Handlung abgestimmt und kommen, je nach Bedarf, mal drohend und bombastisch, dann wieder ruhig und sphärisch angehaucht daher. Darüber hinaus hat Ude auch darauf geachtet, bestimmte Szenen mit "Livemusik" zu unterlegen. So spielt etwa in einer Pubszene eine typisch irische Folkband im Hintergrund. Es sind solche Details, die zu der durch die Soundkulisse aufgebauten Atmosphäre beitragen und sie weiter vertiefen.
Mit derselben Sorgfalt hat man auch die Geräusche ausgesucht und eingespielt. Diese sind so zahlreich, daß man nicht alle aufzählen kann und ich mich deshalb auf die eindrucksvollsten Laute beschränken will. Da wäre zunächst der Sound, der bei der Zehenamputations-Szene zu hören ist. Ich weiß nicht, was das Effektstudio da mit der Zange durchgeknipst hat, aber es klingt wirklich so, als ob das Werkzeug erst durch weiches Fleisch und anschließend durch knackende Knochen schneidet. Während sich die von den Marsianern eingesetzten "Hitzestrahlen" noch relativ einfach, in Form eines leicht verfremdeten Laserstrahls, akustisch darstellen lassen, muss das rote "Vampirkraut" eine echte Herausforderung gewesen sein, denn dabei handelt es sich ja um Pflanzen. Klaus Ude hat hier einen sehr passenden Weg gewählt, ausgehend davon, was die außerirdischen Gewächse mit ihren Opfern anstellen. Wie der Name ja schon impliziert, saugen sie ihnen das Blut aus. Das wird mit Hilfe von Schlürf- und Schmatzgeräuschen erreicht, und da es sich um Gezücht aus einer anderen Welt handelt, stößt es in seiner Blutgier kleine, spitze Schreie aus. Mindestens ebenso beeindruckend wie die wuchtigen Geräusche der dreibeinigen Mars-Maschinen, sind die Marsianer selbst, welche über geraunte Grunzlaute kommunizieren. Der komplette Soundteppich wurde dermaßen dicht gewoben, daß man auch als Hörer überrascht ist, wenn gegen Ende des Hörspiels einer der Sprecher darauf hinweist, daß erst jetzt wieder Vogelzwitschern zu hören ist, welches mit der Ankunft der Marsianer verstummt war.
Bei all meiner Begeisterung für die Arbeit von Klaus Ude, möchte ich aber nicht vergessen, auch noch auf Annelie Krügels Anteil am Erfolg hinzuweisen. Sie ist für Produktion und Regie zuständig, und ich kann an beidem keinen Makel entdecken. Das ganze Hörspiel klingt wie aus einem Guss, und aus den Sprechern hat sie wahre Höchstleistungen herausgeholt, auf die ich im nächsten Abschnitt näher eingehen werde.

Zu den Sprechern:
Ein so episch angelegtes Hörspiel verlangt natürlich auch eine entsprechend umfangreiche Cast. Da ich hier die Box mit allen 4 CDs vorliegen habe, gehe ich auch auf alle Sprecher ein, selbst wenn sie nicht in jeder der vier Folgen auftreteten.
Oft gibt es ja den einen oder anderen Sprecher, der besonders herausragt, aber in diesem Fall ist jeder einzelne, bis hinunter zum kleinsten Part, ein Highlight. Ich hatte Sascha Rotermund(Cillian McBiggs) jetzt schon eine ganze Weile nicht mehr gehört, aber daß er ein sehr guter, versierter Sprecher ist, wusste ich natürlich noch. Hier agiert er einfach phantastisch in der Rolle des älteren Bruder von Fergus, einer weiteren Hauptfigur. Zunächst tritt er extrem selbstsicher auf, aber damit ist beim Angriff der Marsianer erst einmal Schluss. Nachdem er sich etwas gefasst hat, treten seine positiven Eigenschaften, wie Mut und Besonnenheit, wieder zutage, und er kann dem Hörer wirklich leidtun, angesichts dessen, was er alles durchleben muss. Besonders sein Auftritt gegen Ende des Hörspiels, als er vor Erschöpfung und Verzweiflung weint, ist sehr ergreifend. Übrigens ist er es auch, der den Prolog und Epilog in jeder Folge spricht. Nicht minder beeindruckend ist das Spiel von Andreas Fröhlich(Fergus McBiggs) als jugendlich klingender Reporter. Seine unbekümmerte, fröhliche Art schwindet allerdings schnell, und je länger seine Flucht mit dem Pater dauert, desto mehr ähnelt er einem in die Enge getriebenen Tier, welches nur noch dem Überlebensinstinkt folgt. So sieht er sich schließlich gezwungen, eine Tat zu begehen, die ihn selbst entsetzt. Die daraus resultierenden Schuldgefühle sind mehr, als der junge Geist vertragen kann. So mancher wird vermutlich den Part von Santiago Ziesmer(Pater Nicholas) als knapp vor dem Overacting bezeichnen, aber ich finde, das passt ganz ausgezeichnet zum Sujet. Der Pater ist eigentlich der Erste, der in eine Weltuntergangs-Stimmung kommt, was auch nicht weiter verwunderlich ist, denn die Marsianer sind kaum mit der christlichen Religion in Einklang zu bringen. Dermaßen in seinen Grundfesten erschüttert, wimmert er Endzeitphrasen vor sich hin, und sein ausgeprägter Fatalismus bestimmt letztlich auch sein grausames Schicksal. Michael Bideller(Charles Ogilvy) intoniert den englischen Gentleman und Wissenschaftler mit leicht rauer Stimme, die gut zu dem älteren Astronom passt.
Er versinnbildlicht den Glauben der Wissenschaft an das Gute in Wesen, die höher entwickelt sind als der Mensch, und es ist von daher schon gerecht, daß er als Erster die Konsequenzen dieses Irrglaubens tragen muss. Elise Eikermann(Norma Ogilvy) spielt seine junge, sympathische Tochter, die eingangs noch als unbekümmert plauderndes Mädchen auftritt. All das ist nach der Attacke wie weggewischt, und Eickermanns Portrait der verzweifelten Frau, die trotz ihrer eigenen Probleme immer nur an andere denkt, wird wohl keinen Hörer kalt lassen. Gordon Piedesack(Alfred Harmsworth) ist perfekt in seiner Rolle des diplomatisch auftretenden Verlegers, der jede seiner Äußerungen sorgfältig abwägt und dabei stets sachlich bleibt. Sehr eindrucksvoll fällt auch Rüdiger Schulzkis(Robert E. Peary) Darstellung des gefühlskalten, von seinem Vorhaben besessenen Leiters der Polarexpedition aus. Seine hart klingende Stimme betont noch den herrischen Wesenszugs der halb wahnsinnigen Figur. Bei Andree-Östen Solvik(Arne Sjörendsen) würde ich anhand des Namens und des so natürlich klingenden Akzents in der Stimme, vermuten, daß es sich tatsächlich um einen Schweden handelt. So oder so ist er toll als zweiter Assistent von Peary, der mit seiner umsichtigen, hilfsbereiten Art überzeugt. Der Auftritt von Peter Hawig(Erik Järgren) als medizinischer Begleiter der Expedition, ist relativ kurz, aber prägnant. Hawig ist in der Lage, dem Hörer auch mit wenigen Sätzen ein Bild des zunehmend besorgten und letztlich verzweifelten Doktors zu liefern. In der Figur des Expeditionsmitglieds Klaus Ude(Henson) steckt mehr, als seine verunsicherte, gegenüber Peary beinahe schon unterwürfige Haltung zunächst vermuten lässt. Patricia C. Beck(Olivia McBiggs) verkörpert Cillians von ihren Erlebnissen erschütterte Gattin, die sich liebevoll ihres Ehemanns annimmt, und Erik Schaeffler(Colonel Lindy) macht Spaß als der zunächst ein wenig überhebliche Offizier, der gern seine Befehle bellt.
Henry König(Premierminister Salisbury) liefert ein extrem realistisch wirkendes Portrait des mächtigen Staatsmannes, der von den Ereignissen überrollt wird, und es ist beeindruckend, wie es ihm allein mit seiner Stimme gelingt, beim Hörer das Bild eines erblassenden Mannes entstehen zu lassen. Peter Hawig(Attaché Romanovic) als russicher Abgesandter und Peter Kirchberger(Attaché Periér) als Abgesandter Frankreichs, erscheinen beide etwas überzeichnet, so, wie sich Wells Vetreter dieser beiden Völker eben 1898 vorgestellt hat. Hawig ist der grobschlächtige, temperamentvolle Russe, Kirchberger der leicht hochnäsige, schnell pikierte Franzose. Daß Robin Brosch(Regierungssprecher / Offizier) hier gleich zwei Rollen hat, fällt gar nicht auf, da er beide sehr unterschiedlich intoniert. Erstere spricht er eindringlich und insistierend, Letztere hart und befehlsgewohnt. Sobald man André Beyer(Artillerist) sehr rau klingende Stimme zum ersten Mal hört, weiß man, daß mit diesem "harten" Kerl irgend etwas nicht stimmt. Zunächst erweckt er den Eindruck eines mutigen, entschlossenen Soldaten, doch nach und nach wirkt er immer seltsamer, bis er dann seine wahre Natur offenbart. Es ist schon fast unangenehm, mit welcher Intensität Beyer den skrupellosen Rassisten spielt, dessen Stimme sich in der Wut förmlich überschlägt. Dementsprechend viel Mitgefühl und Verständnis hat der Hörer dann auch für seine bedauernswerte Frau Annelie Krügel(Mae). Krügel besticht mit ihrem stark gespielten Part der äußerlich entspannt wirkenden Frau, deren innere Zerissenheit sich dann doch einen Weg bahnt und in eine Katastrophe mündet. Mit Dieter B. Gerlach(Barnabas Molt), dessen brummige Stimme ihn zunächst etwas mürrisch wirken lässt und seinen Schicksalsgenossen, dem ängstlichen Italiener Erik Schaeffler(Viktor Caruso), der sich gegenüber den Marsianern wie das Kaninchen vor der Schlange verhält und der vor Angst halb durchgedrehten Kerstin Draeger(Vera Megan) möchte wohl niemand tauschen, und man wünscht ihren drei Rollen nur von Herzen, daß sie überleben! Peter Weis(Kapitän Bartlett) ist mit seiner heiseren Stimme eine ausgezeichnete Wahl für die Rolle des gebildeten alten Seebären, der sich wegen seines Verhaltens grundlos schuldig fühlt. Gleiches gilt für Klaus Dittmann(Brady McBiggs), der den Part des kampflustigen irischen Haudegens übernommen hat. Simona Pahl(Doreen McBiggs) sind ihre Abscheu gegenüber den Marsianern und ihre Verachtung für die Engländer förmlich anzuhören, und Till Hagen(Kommandant Brest) besticht mit seiner gelassenen, aber nachdrücklichen Darstellung des Befehlshabers. Robin Brosch(Steuermann) hat noch einmal einen weiteren Kurzauftritt als aufgeregter, entsetzter Schiffsführer. Warum Rüdiger Schulzki als "Theo" nicht viel prominenter aufgeführt wird, ist mir ein Rätsel, da diese, seine zweite Rolle im Hörspiel, ebenso umfangreich ist, wie manche andere.
Schulzki trägt seinen Text leidenschaftlich vor und bringt seine Darstellung des Ekels gegenüber den toten Marsianern so authentisch zu Gehör, daß sie regelrecht ansteckend wirkt. Im Fall von Mathias Borchardt ist mir eine Rollenzuordnung nicht möglich, da er auch im Booklet nur mit Namen genannt wird.
Praktisch jeder Sprecher ist in irgendeiner Form auch noch in anderen, winzigen Parts zu hören. Beispielhaft seien hier die Rollen des 1. Assistenten, des Inuit Oqui, des Soldaten Jackson oder der gefangenen Farbigen genannt.

Fazit:
Ein einzigartiges Hörerlebnis, das jeden in seinen Bann ziehen wird. Uneingeschränkte Kaufempfehlung!

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