Rezension: Mark Brandis, Raumkadett - 12 - Der Fall Rublew

Commander Perkins, Perry Rhodan und andere Weltraumrecken geben sich hier die Ehre.
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MonsterAsyl
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Rezension: Mark Brandis, Raumkadett - 12 - Der Fall Rublew

Beitrag von MonsterAsyl » Do 04.05.2017, 09:51

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Mark Brandis, Raumkadett - 12 - Der Fall Rublew

Zum Inhalt:
Major Richard Westhoff, der Ausbilder von Robert Monnier und Mark Brandis, hat für seine beiden Schützlinge einen ganz besonderen Auftrag. Die beiden sollen den Flug der Außenministerin von Peking eskortieren. Diese wurde entsandt, um die Friedensverhandlungen zwischen den Republiken und der Union zu führen. Doch nicht alle wünschen sich eine friedliche Lösung des Konflikts, und so erfolgt ein Angriff von unerwarteter Seite. Mark und Robert können diesen jedoch abwehren und die Mission retten. Zur Belohnung vertraut man Brandis sein erstes Kommando eines Alphaschiffes an.

Zur Produktion:
Die vorliegende Folge ist auch gleichzeitig der Abschluss der zweiten Staffel der Reihe "Mark Brandis, Raumkadett". Noch wurde von offizieller Seite zwar keine Fortführung angekündigt, aber ich gehe fest davon aus und hoffe sehr, daß "Der Fall Rublew" nicht die letzte Folge ist!
Auch dieses Mal hat Skriptautor Balthasar von Weymarn eine ausgewogene Mischung aus Weltraumabenteuer und menschlichem Drama geschaffen. Eröffnet wird die Geschichte mit dem bereits von den vorangegangenen Folgen her bekannten Prolog des "alten" Brandis (Michael Lott), der mir immer einen wohligen Schauer bereitet, wenn ich ihn höre. Die eigentliche Handlung beginnt mit einer kurzen Erläuterung der Mission, und schon wenige Minuten später geht es richtig zur Sache! Nach dieser furios inszenierten Eröffnung verlangsamt sich das Tempo ein wenig, und v. Weymarn nimmt sich die Zeit, ein grundlegendes zwischenmenschliches Problem zu vertiefen, welches auch Mark Brandis in seiner Zukunft noch betreffen wird. Das geschieht in Form eines Dialoges zwischen dem jungen Protagonisten und Natalia Rasidin, der Ehefrau von Igor Rublew. Nach dieser eher ruhigen Passage, nimmt die Geschichte wieder Fahrt auf und steuert unaufhaltsam ihrem tragischen Höhepunkt entgegen, bei dem die Hörer von einem Charakter Abschied nehmen müssen, der seit Folge 2 ("Verloren im All") an Marks Seite war. Ich denke, ich bin nicht der Einzige, der ihn vermissen wird. Auch wenn mich die Tatsache überrascht hat, daß man die Figur tatsächlich sterben lässt, sind es doch genau solche Szenen, welche die Serie von anderen SF-Reihen so wohltuend abheben. Hier muss man, ganz wie im richtigen Leben, damit rechnen, daß auch jemand den Tod findet, dessen Gegenwart man schätzt und als selbstverständlich angesehen hat. So etwas wäre zu Zeiten des "Raumschiff Enterprise" nie möglich gewesen. Übrigens werden die hier geschilderten Ereignisse in der Serie "Mark Brandis" ("Mark Brandis - 26 - Ikarus, Ikarus...") fortgeführt.
So gut mir die ca. 58 Minuten dauernde Geschichte auch gefallen hat, so gibt es doch einen Teil, der mich nicht recht überzeugen konnte. Entgegen aller Warnungen seiner Freunde bzw. Crew, versucht Mark Brandis das Alphaschiff zu starten, obwohl dieses noch von Metallgerüsten umgeben ist. Daß eine solche Aktion zwangsläufig zu einer Katastrophe führen muss, ist nicht nur allen Beteiligten, sondern auch jedem "Laien" (in diesem Fall der Hörer) sofort klar und bleibt, jedenfalls für mich, absolut unglaubwürdig, auch wenn Marks Motive erläutert werden.
Nicht ganz so gravierend, aber zumindest für meine Ohren etwas irritierend, ist ein anderer Punkt, der die Regiearbeit von v. Weymarn betrifft. Der Nachname von Natalias Ehemann, Igor Rublew, wird mehrfach unterschiedlich ausgesprochen. Mal klingt er eher wie "Rubiew", mal wie "Rublew". Ich vermute, daß dies vielleicht auf den eingesetzten Schrifttyp im Skript zurückzuführen ist, bei dem das "i" einem "l" sehr ähnlich sah. Trotzdem hätte die Abweichung auffallen und korrigiert werden müssen.
Bei Sounddesign, Musik und Produktion zieht Jochim-C. Redeker wieder sämtliche Register. Jede Szene wird mit den passenden Geräuschen unterlegt, welche das Geschehen eindrucksvoll verdeutlichen. Besonders gut gefallen hat mir die akustische Untermalung während des abendlichen Gesprächs zwischen Mark und Natalia. Bei anderen Produktionen hört man meist nur einen einzigen oft verwendeten Typ von Zikaden bzw. Grillen, aber hier sind es mindestens zwei unterschiedliche Arten. Was die Szene aber so besonders atmosphärisch wirken lässt, sind die unaufdringlich eingespielten Raumgleiter, die ab und zu vorbeifliegen. Durch diese Kombination klingt alles einerseits sehr vertraut und andererseits doch fremd und futuristisch.
Auch die übrige Geräuschkulisse kann vollends überzeugen. Dazu kommen noch diverse Effekte, wie die stimmliche Verfremdung beim Funkverkehr oder der Hall während der Feier-Ansprache. In diesem Zusammenhang möchte ich auch auf das Klangbild an sich hinweisen, welches, wie in jeder Folge, in üppigem Surround daherkommt. Da die Musik größtenteils vom Synthesizer stammt und von langegzogenen, basslastigen Tönen dominiert wird, ist es umso bemerkenswerter, wenn nach der Rede plötzlich Loungemusik ertönt. Dieser Kontrast unterstreicht und repräsentiert auf sehr geschickte Weise die Begegnung von Vergangenheit und Zukunft.

Zu den Sprechern:
Leon Boden(Maj. Richard Westhoff) gibt erneut den beinahe väterlichen Ausbilder der Raumkadetten, der dem jungen Brandis mehr zutraut, als dieser sich selbst. Trotz des gestrengen Tons in der Stimme, ist seine Sympathie für Mark stets offenkundig und wird durch das aufbauende Gespräch nach der Katastrophe noch unterstrichen. Ein sehr lebendiges Spiel liefert auch Sebastian Fitzner(Robert Monnier) als Marks häufig zu Sarkasmus und Spötteleien neigender Freund, der ein wenig eifersüchtig auf dessen plötzlichen Karrieresprung reagiert. Hauptfigur Daniel Claus(Mark Brandis) hat diesmal auch die umfangreichste Rolle, welche ihm einiges abverlangt. Dabei bleibt er jederzeit ausdrucksstark, und es gelingt ihm, ein ganzes Spektrum unterschiedlichster Gefühle, von Bescheidenheit über Unsicherheit, bis zu totaler Mutlosigkeit, zu vermitteln, ohne dabei gekünstelt zu wirken. Der Einsatz von Hptm. Tadamichi Tanaka(Oliver Siebeck) als zurückhaltender Soldat der Republiken, der mit seiner Eskorte mehr Ärger hat, als ihm lieb ist, fällt kurz, aber prägnant aus. Gleiches gilt für Michael-Che Koch(Boris Baklanow), der Mark Brandis als Commander nicht ganz ernst nimmt und nur auf der Nennung des Dienstgrades besteht, um ihn damit zu ärgern. Ebenfalls sehr passend agiert auch Sebastian Kluckert(Alec Delaney) als Marks Freund, der jederzeit zu ihm hält und seiner verlorenen Liebe Annika immer noch nachtrauert. Nicht ganz so gut hat mir Franziska Arnold(Natalia Rasidin) in ihrer Rolle als interessiertes Aufsichtsratsmitglied und einsame Ehefrau von Igor Rublew gefallen. Sie hat zwar eine sehr angenehm klingende Stimme, aber es gibt ein, zwei Stellen, an denen ihr Spiel für mich an Glaubwürdigkeit verliert. Ich muss sagen, daß es mich zunächst doch sehr gewundert hat, daß Interplanar gleich drei Rollen (Gerichtsdienerin, Anklägerin und Verteidigerin) von nur einer Frau, nämlich Katja Hirsch, sprechen lässt. Manch einer wird wohl spontan an "Einsparmaßnahmen" denken und sich fragen, wie das funktionieren soll, zumal alle drei Charaktere quasi in einer Szene agieren. Zugegebenermaßen war auch ich erst skeptisch, aber nachdem ich die Szene gehört habe, sind meine Bedenken zerstreut, und ich gehe davon aus, daß die Entscheidung so getroffen wurde, weil man Frau Hirsch diese "Dreifachbesetzung" ganz einfach zutraute. Außerdem fallen die einzelnen Auftritte sehr kurz aus, so daß bereits leichte Nuancen in der Betonung (hart und dienstlich als Gerichtsdienerin, sanft und eindringlich als Verteidigerin, streng und scharfzüngig als Anklägerin) ausreichen, um dem Hörer das Gefühl zu geben, es handele sich um drei verschiedene Stimmen. In weiteren Nebenrollen treten noch Reinhard Scheunemann(Egbert von Stubenrauch), dessen rauer Tonfall gut zu einem strengen, aber gerechten Richter passt und Thomas Nero Wolff(Alexander Münster) als gelassener und gefeierter Astonaut AD auf, der ein glühendes Verteidungspladoyer hält. Ohne Rollenzuordnung im Booklet bleiben Thomas Müller, Jochim-C. Redeker, Elke Weist, Balthasar v. Weymarn bei denen es sich um den Pilotenführer der Rettungsstaffel, den Funker aus dem Flughafentower, die Nachrichtensprecherin und den Rettungseinsatz-Leiter handeln dürfte.

Fazit:
Eine emotional aufwühlende Folge innerhalb des Weltraum-Epos.

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