Zuletzt gesehener Western

Filme mit einsamen, harten und wortkargen Männern von Spaghetti bis Sam Peckinpah
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mario-pana
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Beitrag von mario-pana » Fr 30.09.2011, 06:03

Der Weisse Büffel (USA / 1977)
(The White Buffalo)

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Genre: Horror-Western

Nach einiger Zeit wieder einmal ein Charles Bronson Film, und dazu noch ein Tierhorror Streifen. Um genau zu sein handelt es sich um einen Horrorwestern. Interessanter Genre Misch-Masch. Was mich an der Geschichte gereizt hat, war der weisse Büffel. Die Inhaltsangabe das erste mal gelesen erinnerte mich das an MOBY DICK. Das weisse Untier das einen Mann selbst in Träumen peinigt und nicht wieder loslässt. Und da ich Herman Melvilles Novelle ohnehin sehr mag musste ich DER WEISSE BÜFFEL einfach sehen.

Es geht um Wild Bill Hickok, der nach langer Zeit in entlegene Teile des Wilden Westens zurückkehrt, auf der Suche nach einem weissen Büffel. Von Alpträumen geplagt wacht der Revolverhelt jede Nacht Schweiss gebadet auf und schießt wild um sich. Wehe dem der dann in seiner Nähe ist. In Cheyenne trifft er nun Freund Glasauge und gemeinsam ziehen sie aus ins feindliche Indianerland, das Untier zu erlegen. Zuvor treffen sie noch Häuptling White Horse, der seinerseits hinter dem Büffel her ist; schließlich hat dieser seine geliebte Frau auf dem Gewissen. Ein rauer Wind weht in den Weiten des Landes wo die Gefahr nicht nur von Tieren ausgehen. So sind den dreien mordlüsterne Horden auf den Fersen. Indianer wie Cowboys. Und die Jagd nach dem weissen Büffel geht weiter.

Also die Klasse eines MOBY DICK erreicht DER WEISSE BÜFFEL zu keiner Zeit. Dafür ist die Geschichte einfach zu flach und die filmische Umsetzung unspektakulär.
Charles Bronson zählt ja zu den Actionhelden der 70er/80er Jahre schlechthin. Viele unterhaltsame Kracher gehen auf sein Konto. Auf der anderen Seite war Dino De Laurentiis ein Produzent sehr einträglicher Beiträge und das nicht nur in Action lastiger Hinsicht. Auch Science Fiction und sehr gelungene Horrorfilme zählen darunter. Phantastisch FLASH GORDON, fesselnd CONAN, beeindruckend sowie berührend ORCA DER KILLERWAL.Das sich Bronson und er zusammentun, dabei konnte nur ein unterhaltsames Ergebnis rauskommen.
So lebt DER WEISSE BÜFFEL von Bronson. Von seiner sehr eigenen Präsenz. Und dass er als Wild Bill Hickok auch die Fetzen fliegen lässt versteht sich von selbst. In bester Django Manier knallt er die bösen Buben über den Haufen, ob nun mit der Winchester oder den beiden Revolvern, die Wild Bill ja auszeichneten. Mister Hickok ist übrigens eine Figur die es tatsächlich gegeben hat, ebenso wie Indianerhäuptling White Horse (auch genannt Crazy Horse), den Will Sampson (POLTERGEIST II / DIE FEUERWALZE) spielt. Als gebürtiger Indianer schafft er Glaubwürdigkeit, der Rolle und dem Drehbuch angemessen. Und das trifft auch auf die übrigen bekannten Gesichter zu; die da wären Jack Warden (TOD AUF DEM NIL / JAGD AUF DIE POSEIDON), Stuart Whitman (DER TÖDLICHE SCHATTEN DES MR. SHATTER), Slim Pickens (DR. SELTSAM, ODER WIE ICH LERNTE, DIE BOMBE ZU LIEBEN), John Carradine (DER MANN DER LIBERTY VALANCE ERSCHOSS), Ed Lauter, Martin Kove, Kim Novak. Ein gutes Ensemble, das vervollständigt wird durch den weissen Büffel. Bei diesem handelt es sich nicht um ein richtiges Tier, sondern vielmehr um eine animatronische Puppe, so wie eben der weisse Hai. So wie sie Stan Winston häufig herstellte und wo er Experte war. Hier war der Meister zwar nicht beteiligt, das Ergebnis gefellt aber dennoch, wenn auch nicht durch sonderlichen Realismus. Zudem schnaubt das Ungetüm wie eine Lokomotive. Es klingt gewöhnungsbedürftig. Eher lustig als bedrohlich.
Da solch eine Lebensechte Puppe schwer in die Prärie zu bringen ist, wurde für die Dreharbeiten verstärkt auf Setaufnahmen gegangen. Diese sind als solches leicht zu erkennen, da auch die enthaltene Ausstattung stark nach Styroporsteinen und dergleichen aussieht. Ich kann jedoch nicht sagen, dass das sonderlich negativ ist. Vielmehr schafft es eine eigene Atmosphäre, die auch etwas hat. So wie bei FLASH GORDON beispielsweise. Und ich glaube auch ORCA - DER KILLERWAL war zuweilen so geartet. Ausgeleuchtet sind die Sets ganz gut und das ist wichtig, da vieles auch in der Nacht spielt. Kameraführungstechnisch darf der Zuschauer ebenfalls zufrieden sein. Es gibt gute Einstellungen, ordentliche Schwenks, gelungene Panoramaaufnahmen. Schade, dass der Schnitt hier und da etwas holperig daherkommt. Das fällt vor allem in den Büffelszenen störend ins Gewicht. Sicherlich war es wichtig die Puppe zu verschleiern. Doch wie das im Finale gemacht wird, sorgt für Unübersichtlichkeit. Wer steht wo? Wo ist der Büffel, wie weit oder wie nah sind Hickok, White Horse oder Glasauge? Schade.
'Die musikalische Untermalung hat was von James Bond', dachte ich so bei mir. Und tatsächlich ist der verantwortliche Komponist jener, John Barry nämlich. Auch wenn es melodisch zuweilen an Bond erinnern mag, es passt und ist auch soweit so eigen, dass eine deutliche Verwechslung nicht zu stande kommt. Ich fand es gut.

J. Lee Thompson, der Regisseur, war verantwortlich für so manchen Charles Bronson Film und er hat die Zuschauer stets ansprechend und kurzweilig unterhalten. Das gelingt in gleicher Qualität auch mit DER WEISSE BÜFFEL. Mir fehlt es jedoch an Charaktertiefe, an einer ausgefeilten Geschichte und der entsprechenden Umsetzung. Von der Dramatik und dem Tiefgang eines MOBY DICK fehlt jede Spur. Der weisse Büffel ist bedrohlich, aber nicht wirklich bedrohlich. Und Wild Bill Hickok... ich will ihm die Last des Alptraumes einfach nicht abnehmen. Es fehlt einfach auch an Spannung. Man wohnt dem Geschehen bei, ist aber nicht sonderlich berührt und so richtig mitten drinnen auch nicht.
Wie gesagt, nette Unterhaltung, mehr aber auch nicht. Für Bronson Fans aber allemal empfehlenswert.

Wertung: +++


Zur mittlerweile erhältlichen (öffentlichen) deutschen DVD sei angemerkt, sie ist sehr gelungen. Bild und Ton sind wirklich gut und an Extras findet sich sogar der Kinotrailer. So gesehen ganz eine Veröffentlichung wie man sie sonst von MGM DVD gewohnt ist. Dort hätte sie vor Jahren gestanden, wenn man sich da schon des Streifens angenommen hätte.

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Paul Naschy
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Re: Zuletzt gesehener Western

Beitrag von Paul Naschy » Sa 03.03.2012, 02:12

Des Satans heiße Katzen (US 1969) +++ 1/2

Al Adamson ist nicht die schlechteste Wahl, wenn man gut und auf niedrigem Niveau unterhalten werden will.

Hier haben wir es mit einer Dame zu tun, die retrospektiv mit viel Hall in der Off-Stimme erzählt, wie es dazu gekommen ist, dass sie jetzt mit einem Kerl auf der Flucht vor einer Herde wildgewordener Damen ist. In Las Vegas wurde sie von ihrem Angetrauten verlassen, der lokale Rockstar hat sie auch nur ausgenutzt, aber die beste Freundin und Stripperin rettet sie vor dem Drogentod und bringt sie zur Frauen-WG, einer Ranch in der Wüste nebenan. Da sind Männer nicht willkommen.

Die Damen halten sich mit Drogenschmuggel über Wasser, lassen sich im nahegelegenen Mexiko abfummeln und mit Tequila trinkbecherweise abfüllen. Einige Charaktere, wie zB der des in die Anführerin grenzenlos verknallten Monty (Lon Chaney Jr.) sind den Umständen entsprechend relativ gut gezeichnet. Andere wiederum, welche eine weit wichtigere Rolle im Film spielen, wurden sträflich vernachlässigt. Al Adamson ist natürlich nicht der beste Handwerker seiner Zunft, aber ein Garant für unterhaltsame Gewalt, welche mit nackter weiblicher Haut geschmückt wurde.
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Re: Zuletzt gesehener Western

Beitrag von mario-pana » So 05.08.2012, 10:28

DJANGO - Ich bin ein entflohener Kettensträfling (Italien / 1967)
VIVO PER LA TUA MORTE

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Groß gewachsen, blaue Augen. Ein Meister in Sachen Körperkult. Mr. Universum (1949/50). Seinen Durchbruch feierte er als Herkules. Die Rede ist von Steve Reeves, demjenigen, der den italienischen Sandalenfilm so richtig ins Rollen brachte. Ihm folgten all die vielen Maciste, Herkules, Samson und wie sie alle heißen. In seine Fußstapfen traten Brad Harris, Dan Vadis, Mark Forest usw. Viele Filme wurden gedreht, so wie es bei den Italienern üblich war. Einem Blockbuster folgten viele ähnlich gelagerte Streifen.
Als dann die Zeit der Sandalenfilme vorbei war fanden viele der regelmäßig in den verschiedenen Filmen auftretenden Darsteller eine neue Anstellung bei den Italowestern, die Sergio Leone mit FÜR EINE HANDVOLL DOLLAR startete.
In ICH BIN EIN ENTFLOHENER KETTENSTRÄFLING folgt Steve Reeves dem Trend und trat in seinem ersten, aber leider auch einzigen, Italowestern auf. Er war danach durch eine alte Schulterverletzung, die er sich bei den Dreharbeiten zu DIE LETZTEN TAGE VON POMPEJI zugezogen hatte, gezwungen die Schauspielerei an den Nagel zu hängen. Ansonsten hätten wir ihn sicher in noch so einigen guten Filmen sehen können.
Vorliegender Film ist nämlich ein sehr unterhaltsamer Streifen, zu dem Reeves sogar das Drehbuch verfasste.
Es geht um Mike Sturges einen Pferdezüchter, der auf der Suche nach einer gestohlenen Herde in einen Überfall verwickelt wird. Der Marshall bezichtigt Sturges der Mittäterschaft und lässt ihn ins Straflager verfrachten. Vom dortigen Oberaufseher gequält muss Sturges miterleben wie sein mit inhaftierter Bruder getötet wird. Das bringt das Fass zum Überlaufen und gemeinsam mit einigen anderen Insassen flieht er und startet einen blutigen Rachefeldzug gegen die die ihn einbuchten ließen. Und er begibt sich auf die Suche nach jenen die Hinter allem stecken.

Eine einfach konstruierte Geschichte. Doch gut und ansprechend in Szene gesetzt.
Schön dass die Sache hier wie ein Krimi abläuft. Der Zuschauer zu Anfang nicht weiß wer hinter dem Überfall steckt. Das erfährt er pöh-a-pöh.
Dabei dürfen wir uns auf typische Italowestern Elemente freuen. Auf bleihaltige Schusswechsel. Brutale Faustkämpfe so wie wir sie lieben. Und einem Finale wo die Kugeln nur so fliegen und die Verantwortlichen ihre gerechte Strafe erhalten.
Untermalt wird das ganze von einer entsprechenden Musik. Diese ist im Vorspann ganz Leone, doch im Verlaufe eher wie Sandalenfilm, was dennoch passt. Es passt zu Reeves, den der Fan ja eher damit in Verbindung bringt.
Ach ja, neben den Herkulesstar treten so einige bekannte Gesichter in Erscheinung. Allen voran Genrekollege Mimmo Palmara.

Es macht Spaß. ICH BIN EIN ENTFLOHENER KETTENSTRÄFLING (ich will immer Kettensägensträfling schreiben) ist ein kurzweiliger Westernspaß. Ein schön inszenierter Streifen. Schade dass es Reeves absolut letzter Film gewesen ist. Naja, schauen wir ihm hier ins Gesicht zeichnet sich das Alter ein klein wenig ab, doch er ist noch sichtlich agil (wenn auch ein klein wenig dünner wie sonst).
Wer Italowestern mag, wird nicht enttäuscht. Und besonders wer den Sandalenfilm mag und dem Italowestern etwas abgewinnen kann wird sich freuen Steve Reeves einmal in so einer Rolle zu sehen.

Wertung: +++ +++
(7/10)


Die deutsche DVD:

Savoy Film hat sich nun den italienischen Klassikern angenommen und bringt schon seit einiger Zeit die guten alten Streifen in passabler Qualität.
Vor allem gefällt mir dabei wie sich die Hüllen präsentieren. Hier wird seit kurzem auf klassische Motive gesetzt und bekommt der geneigte Käufer stets ein Wendecover ohne FSK Logo geboten. Damit macht sich die DVD hervorragend im Regal. Und was dabei ebenso gefällt ist der einheitliche DVD Rücken. Aneinandergereiht entsteht damit ein harmonisches Bild. So lassen sich die bisher erschienenen und die noch erscheinenden Titel schön hintereinander reihen. Mir gefällt das sehr.
Das Material auf der Scheibe präsentiert Savoy in bestmöglicher Qualität.
Die Qualität von ICH BIN EIN ENTFLOHENER KETTENSTRÄFLING ist dem Alter entsprechend gut. Savoy sind ein kleines Studio. Ihre Möglichkeiten einer Restauration sicher beschränkt. Doch am Verkaufspreis orientiert ist was wir bekommen wirklich klasse.
Filmklassiker Fans können sich sogar freuen. Es gibt die damals so viel gesehenen Markierungen für den Projektorwechsel im oberen rechten Bildrand.
Auch wenn das Bild etwas blass wirkt. Etwas ausgewaschen. Ich finde die Schärfe sehr gut und bin auch sonst wirklich zufrieden. Was Italowestern und Sandalenfilme betrifft habe ich nämlich schon soviel grauenvolles gesehen. Savoy hat ist davon weit entfernt. Hier gehört es zu den angenehmen und guten Beiträgen.
Tonmäßig bin ich ebenso zufrieden. Das Klangbild ist solide. Nicht mit solchen Rauschfiltern gedrückt dass es blechern oder dumpf klingt. Somit gehört auch das Tonrauschen dazu. Das ist bei diesen Klassikern nun einmal so. Und ich mag es sogar. Es würde doch zuweilen etwas fehlen.
Hier und da verfällt die Synchro ins Englische, was daher kommt dass wir es mit einer Uncut Fassung zu tun bekommen. Nicht alle Szenen waren seinerzeit wohl in der deutschen Fassung enthalten. Oder aber es lag keine durchgehende Synchro vor. Mich stört es nicht. Ich bin mir solcher Dinge bei diesen Filmen stets bewusst und kein Purist. Zudem hält es sich wirklich in Grenzen. Vielleicht zwei, drei Stellen sind zu bemerken.

Ich bin mit der Auflage hier sehr zufrieden. Ein gutes Bild, ein guter Ton und drei kleine nette Gimmicks, in Form von US-Trailer, deutschem Vorspann und Bildergalerie, als Extra. Für den Preis von 6,99€ können wir nicht meckern. Und wer etwas schaut bekommt die DVD sicher noch günstiger.
Mir gefällt zudem das Wendecover mit klassischen Motiven.
Das DJANGO vor dem Titel ist sicher Savoys gleicher Verkaufstrick wie SPARTACUS bei den Sandalenfilm Titeln. Ich störe mich nicht dran. Finde es sogar recht witzig. Vielleicht ist etwas Originaltreue (zumindest hinsichtlich Deutschem Kinotitel) hier jedoch angebracht.

Wertung: +++ +++
(7/10)

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Re: Zuletzt gesehener Western

Beitrag von Paul Naschy » Do 08.11.2012, 09:07

Yankee (I 1966) +++ 1/2

Django äääh Yankee ist auf Kopfgeld aus. Dafür begibt er sich in die Höhle des Löwen und verhält sich nicht gerade Gentleman-like. Nach einer witzigen Runde Versteckus wird er gefangen genommen, aber bald schon wieder freigelassen, um Rache zu üben.

Ich begebe mich derzeit in die finsteren Abgründe des Italo-Kinos und sichte Werke von Tinto Brass. Dieses Frühwerk hat ein paar unnötige und gerade deshalb sehr unterhaltsame Brutalo-Szenen. In Sachen Fleischbeschauung wird bei "Yankee" nur ganz dezent angekitzelt, was Herr Brass uns einige Jahre später präsentieren wird. Der Spannungsbogen hängt öfter mal durch, v.a. die Folterung des Helden hätte viel besser ausgebaut und dramatischer gehandhabt werden können. Dafür gibt es aber einige Kameraeinstellungen & -schnitte für die Ewigkeit. Die deutsche Synchro enthält ein paar philosophische Weisheiten, die in Zukunft meinen Alltag begleiten sollen. "Über jeden Köter, der krepiert, lacht eine Katze."

Dieser Satz macht sich auf Beerdigungen genauso gut wie z.B. bei Verabschiedungen von Arbeitskollegen.
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Re: Zuletzt gesehener Western

Beitrag von MiniMisty » Do 08.11.2012, 09:27

Paul Naschy hat geschrieben:"Über jeden Köter, der krepiert, lacht eine Katze."

Sehr hübsch. Der ist noch besser als mein gestern gelernter künftiger Standardspruch "Wenn DAS die Lösung meines Problems ist, dann will ich mein Problem zurück haben !"
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Re: Zuletzt gesehener Western

Beitrag von Paul Naschy » Di 20.11.2012, 20:55

Django - Leck Staub von meinem Colt (I/SP 1967) +++ +++ 1/2

Vergesst Bond und den mickrigen Goldfinger - hier kommt "Django" und gleich ein kompletter Goldkopf :o Großartiger, dreckiger, packender, aber auch äußerst kreativer Italowestern mit einem erstklassigen Tomas Milian. Da werden einem Schwerverletzten vorsichtig die Kugeln entfernt, aber als sich bei der ersten Kugel herausstellt, dass diese aus reinem Gold ist... hui! Da werden die Doktoren schnell zu Grobmotorikern :lol:

X-Rated hat die abgedunkelten Szenen freundlicherweise im Bonuspaket aufgehellt dazugepackt.
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Re: Zuletzt gesehener Western

Beitrag von Paul Naschy » So 17.03.2013, 19:58

Die Zeit der Geier (It 1967) ---

George Hilton als Revolverheld, welcher gut mit der Damenwelt kann. Deswegen gibt´s Zoff mit dem Chef, er muss fliehen und schließt sich Tracy an, der an Epilepsie leidet und ziemlich einen an der Klatsche hat.

Die Charaktere sind unglaublich lieblos dahingerotzt und entsprechend unglaubwürdig, das werten dann auch die Handvoll Brutaloszenen (Mann an die Tür schrauben, Frau in den Bohneneintopf drücken, ...) nicht mehr auf. Aus dem Thema ("Spiel nicht mit den falschen Freunden" oder so ähnlich) hätte man sicherlich mehr machen können. Eine müde Veranstaltung …
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Re: Zuletzt gesehener Western

Beitrag von MonsterZero » Mo 18.03.2013, 09:22

Ja, fand den auch furchtbar schlimm.
Die Granatwerferszene ist so lächerlich, generell spielt Frank Wolff unter aller Sau.
Der ganze Plot passt auch nicht so recht.
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Re: Zuletzt gesehener Western

Beitrag von Paul Naschy » Mo 18.03.2013, 11:38

ah, gut, ich befürchtete schon, du redest nicht mehr mit mir wenn ich den zerreisse.

hiltons und wolffs rollen hätten richtig gut stoff hergegeben. ich vermute, die wollten auch einen auf "der arme kleinkriminelle rutscht immer tiefer ins verderben" machen, aber mitleid ist hier fehl am platz. irgendwie sind alle charaktere entweder belanglos oder ärgerlich.
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Re: Zuletzt gesehener Western

Beitrag von MonsterZero » Mo 18.03.2013, 15:01

Paul Naschy hat geschrieben:ah, gut, ich befürchtete schon, du redest nicht mehr mit mir wenn ich den zerreisse.
Da müsstest du schon andere zerreißen.
Paul Naschy hat geschrieben: hiltons und wolffs rollen hätten richtig gut stoff hergegeben. ich vermute, die wollten auch einen auf "der arme kleinkriminelle rutscht immer tiefer ins Verderben" machen, aber mitleid ist hier fehl am platz. irgendwie sind alle charaktere entweder belanglos oder ärgerlich.
Wenn denn wenigstens so wäre mit dem Kleinkriminellen.
Aber Hiltons Rolle ist einfach nur doof und er rennt egal was ihm angetan wird wieder zu dem der es ihm angetan hat, hat was von misshandelter Hausfrau oder von Eltern gequältem Kleinkind.
Dann sucht er sich den absoluten Psycho, jemandem der Spaß am Quälen hat, als Ersatzvater. :mrgreen:
Als Psychokram sicher interessant aber schlecht umgesetzt.
Was war überhaupt mit Wolf los?
Gerade auf Alkoholentzug gewesen, so aufgedunsen.
Was die Charaktere angeht, stimmt bei dem Film so ziemlich gar nichts. :-P
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Re: Zuletzt gesehener Western

Beitrag von MonsterZero » Di 19.03.2013, 14:03

Fällt dir noch einer ein, den wir zerreißen können? :mrgreen:
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Re: Zuletzt gesehener Western

Beitrag von Paul Naschy » Di 19.03.2013, 16:22

die grenzen zwischen schlecht-schlecht und gut-schlecht sind fließend... schwierig; schlag was vor :D

vor vielen jahren, als ich mit diesem italowesternzeug noch gar nichts anzufangen wusste, habe ich im fernsehen einen kurzen ausschnitt gesehen, dachte "oh wie billig, die jagen sich ja minutenlang immer nur um den gleichen Erdhügel in einer langweiligen sandgrube ´rum" und schaltete um. wenn ich jetzt wüsste, was es für ein film war, würde ich sofort die dvd kaufen. wobei, wer weiss, vielleicht steht sie hier eh schon rum :lol:
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Re: Zuletzt gesehener Western

Beitrag von MonsterZero » Di 19.03.2013, 17:50

Eine absolute Granate ist ja "Einer nach dem anderen, ohne Erbarmen".
Leute fallen um ohne getroffen wurden zu sein.
"Auch Djangos Kopf hat seinen Preis" ist absolut unter aller Kanone, mit Tritten die den Gegner so was von verfehlen, aber Nachdreh wo zu?
Dagegen sind die Pirouetten bei "Dakota - Nur der Colt war sein Gesetz" Kunst. :mrgreen:
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Re: Zuletzt gesehener Western

Beitrag von Paul Naschy » Di 19.03.2013, 18:32

auf DAKOTA könnten wir uns einigen. ich hab hier aber auch noch ein paar OVP boxen da, die ich endlich mal entkleiden sollte:

adios gringo
antreten zum beten (bleigewitter)
ein loch in der stirn
pronto amigo

ok, such dir einen aus, der für einen verriss taugt.
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Re: Zuletzt gesehener Western

Beitrag von MonsterZero » Mi 20.03.2013, 06:51

Bleigewitter, definitiv.
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Re: Zuletzt gesehener Western

Beitrag von Paul Naschy » Mi 20.03.2013, 12:25

Bleigewitter (Antreten zum Beten) (It/Sp 1970)

Dem León Klimovsky haben wir schon einiges zu verdanken. Todeskreis Libelle, The People Who Own Dark, Die Nacht der Vampire und einige andere würde ich ohne mit der Wimper zu zucken als Pflichtprogramm für Eurokino-Fans nennen. Bleigewitter dagegen... wo wir schonmal angetreten sind, hätten wir für eine gute Regie und ein akzeptables Drehbuch beten sollen.

Im Vorspann trägt eine Dame nur noch Federn auf dem Kopf. Was für ein phantastischer Auftakt! Leider hat er mit dem Film rein nichts zu tun.

Miller ist ex-Kopfgeldjäger, den die Vergangenheit quält. Jetzt ist er Pfarrer, der aus mir schleierhaften Gründen vom Mob für einen Mörder gehalten wird (erinnert ein bisschen an "er hat Jehova gesagt!"). Der Sheriff Donovan schützt Miller, schickt ihn allein auf Verbrecherjagd und schläft auf seiner Terrasse einfach ein!

Es kommt zu denkwürdigen Dialogen wie ...

"Mein Name ist Fred Smith."
"Sie haben einen seltenen Namen, Bruder."

Miller beschützt einen kleinen Wagenzug mit seltsamen Gestalten vor dem erneuten Angriff der Verbrecher. Sie verschanzen sich in einem verlassenen Fort, wo auch die überwiegende "Handlung" stattfindet. León beschreibt aber recht anständig die Charaktere und versucht, ein bisschen Humor ins Boot bzw ins Fort zu bringen. Das gelingt nicht mal im Ansatz und ist gerade deshalb für Freunde des gepflegt gut-schlechten Geschmacks wieder interessant.

Man merkt dem Film jedesmal an, wo er hinwill, auch wenn er da nicht hinkommt. Mitleid erzeugt Sympathie. Nicht immer, aber im Laufe des Films immer öfter, und das ist eine reine Zuschauerüberlebensstrategie.

Das Tor des Forts wird versehentlich gesprengt, 2 Einstellungen später steht es wieder, 4 später ist es wieder weg. Der als fliegende Händler getarnte Räuber macht sich nicht mal die Mühe, einen anderen Namen zuzulegen, wodurch er enttarnt wird (was für eine Leistung). Es gibt kein Wasser mehr, aber man hängt in der Sonne ab. Sie schicken "den Mexikaner" los, um Hilfe zu holen – er hat ruckzuck seine Kollegen um sich (vielleicht hat er im Dreifragezeichen-Stil eine Telefonlawine losgelöst) und sie beginnen, zur Tarnung Uniforme zu stricken (!). Zurück im Fort:

"Ich wusste gar nicht, dass Du beim Militär bist."
"Ich... hatte bis gestern Urlaub."

Der Sheriff scheint doch irgendwann aufgewacht zu sein - eine kurze Einblende zeigt, dass er unterwegs zum Fort ist.

Die restliche Bande kommt auch zum Fort. It´s Party-Time! Nein, das Finale ist natürlich keine gute Party. Es ist ein Kindergeburtstag, der rein organisatorisch das Niveau hat, als hätte ein 8jähriger via Facebook versehentlich öffentlich dazu aufgerufen.

Das Finale gäbe noch einen weiteren Alternativ-Titel für den Film her: 3 Hochzeiten und wenig Todesfälle. Aber damit wäre die ganze Spannung, welche ich in dem Film nicht gefunden habe, weg. Ein Widerspruch? Gut, dann passt´s zu diesem Film.

Eine Bewertung ist mir guten Gewissens leider nicht möglich.
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Re: Zuletzt gesehener Western

Beitrag von MonsterZero » Do 21.03.2013, 06:54

Gut, habe den Film auch nie zu 100% verstanden, aber der Sherif hat echt die Ruhe weg. :-P
Meine Theorie war ja, dass er vergessen wurde, also vom Script und ihnen gegen Ende einfiel, ach Mist wir haben ja noch einen Sherif.
Die Schnittfehler vor allem mit dem Tor sind schon extrem.
Man lernt Italowestern erst dann kennen, wenn man die schlechten guckt. :wink:
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Re: Zuletzt gesehener Western

Beitrag von Paul Naschy » So 02.06.2013, 13:57

Shamango (I 1967) +++ +++

Sehr unterhaltsamer Rachewestern mit hervorragend besetzten Hauptrollen (Anthony Steffens = der Gute, Eduardo Fajardo = der Böse). Ich mag Western, die sich einen Dreck um Tag oder Nacht kümmern, in denen Fakeln im dunkeln angezündet werden, um anschließend bei Tageslicht Räume zu beleuchten. Oder wenn man sich eine Laterne vor die Nase hellt... draussen, zur Mittagszeit. Zuerst war ich ja auf einem völlig falschen Dampfer: als sich "Gentleman-Joe" und der Stadtkommandant zum ersten mal begegnen (im Salon), da knistert es gewaltig; sie kannten sich und verhalten sich sehr seltsam zueinander. Ich hätte schwören können, die beiden waren mal ein Paar und der Stadtkommandant hat mit Gentleman-Joe Schluss gemacht, weil er mit dem süßen und v.a. jüngeren Neffen des Gemischtwarenladens anbandelte. In Wirklichkeit (bzw im Film) sind sie Brüder. Tja, so kann man sich irren. Oh, ich bin vom Thema abgekommen.
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Re: Zuletzt gesehener Western

Beitrag von MonsterZero » Mo 03.06.2013, 05:59

Aber böser Synchronschnitzer am Ende...
Bin mal gespannt, was du zu Schweinehunde beten nicht sagst... :mrgreen:
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Re: Zuletzt gesehener Western

Beitrag von Paul Naschy » Mo 03.06.2013, 06:58

welcher synchronschnitzer? da hab ich wohl nicht aufgepasst :roll:
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Re: Zuletzt gesehener Western

Beitrag von MonsterZero » Mo 03.06.2013, 12:45

Am Ende sagt doch der Böse, dass er ihn langsam tötet und wenig später sieht man ihn doch an der Wand stehen und ein Erschießungskommando zielt auf ihn, nicht wirklich langsam.
Im O-Ton sagt er so was wie: du spielst doch gerne Soldat, dann kannst du auch wie einer sterben.
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Re: Zuletzt gesehener Western

Beitrag von Paul Naschy » Mo 24.06.2013, 10:35

Der Tod zählt keine Dollar (It 1967) +++

Gut erzählter Rachewestern; es macht Spaß, Mark Damon als rüpelhaften Revolverheld zuzuschauen. Insgesamt ist der Film für meinen Geschmack aber zu amerikanisch. Von einem Riccardo Freda (Caltiki, Der Vampir von Notre Dame, Das Gesicht im Dunkeln, ...) habe ich mir irgendwie etwas "italienischeres" erhofft.
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Re: Zuletzt gesehener Western

Beitrag von Paul Naschy » Mi 03.07.2013, 12:07

Schweinehunde beten nicht (I/Sp 1969) +++ +++ 1/2

In Herrn Keßlers "Willkommen in der Hölle" bekam der Film ja eher nur eine durschschnittliche Abreibe. Grund ist das große Potential der Story, welches nicht genutzt wurde, und ein Erzählfluss, der nicht wirklich fließt – das würde ich so auch unterschreiben... aaaber: der Film ist sowas von schräg, von "seltsam" im positivsten Sinn! Wenn unser Anti-Held, der sich im Lauf der Zeit immer mehr nur noch zum Anti entwickelt, seinen Ausraster bekommt, dann ist Bohlen offen! Die Kameraführung erinnert mich mit ihren finsteren Blickwinkeln und den Close-ups (diese Augen!) eher an einen Horrorfilm. Ja, das ist die Mischung, die Art von Western, wie ich sie mag: dreckig von beiden Seiten (vor und hinter der Kamera). Mit Gianni Garko und Ivan Rassimov auch genretechnisch gut besetzt. Anschauen!

MZ, wie stehst Du zu Schweinehunden?
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Re: Zuletzt gesehener Western

Beitrag von MonsterZero » Sa 06.07.2013, 12:19

Ich teile da die Meinung von Herrn Keßler, wir sollten mal einen Filmabend mit ihm machen, mich hat der Film in der jetzigen kompletten Fassung leider nicht überzeugt.
Tja, was soll ich sagen, aber die entfernten Szenen rund ums Sheriff sein hätten mal entfernt bleiben sollen, den sie ziehen den Film doch ziemlich und nehmen ihm den Drive.
Ich für meinen Teil saß bei dem Part echt da und dachte mir, Moment mal, hat der Film jetzt die Hauptfigur gewechselt?
Wäre ja cool gewesen, hat man ja auch nicht oft, diesen "Psychoeffekt", nur tangierte mich die zweite Hauptrolle den ganzen Film über nicht wirklich.
Das und diese völlig unnötige Einlage mit dem Psycho auf seiner Ranch passen nicht so recht in den Film.
Wenn ich die beiden außer Acht lasse, teile ich deine Meinung voll.
Irgendwie versuchte der Film zu viel und hat sich darin verzettelt.
Die Musik bleibt aber aus mir unverständlichen Gründen hängen. :mrgreen:
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Re: Zuletzt gesehener Western

Beitrag von DJANGOdzilla » Di 27.08.2013, 15:02

TEPEPA
[ITA/SPA][1969]

Bild

Regie: Giulio Petroni
Darsteller: Tomas Milian, John Steiner, Orson Welles, Luciano Casamonica, Ángel Ortiz, Annamaria Lanciaprima, José Torres, Paloma Cela, George Wang, Giancarlo Badessi, Francisco Sanz


„Liebst du Mexiko?“

Tepepa [Tomas Milian] ist zum Tode verurteilt. Der freiheitsliebende Mexikaner war einer der Anführer der Revolution, die vermeintlich gewonnen wurde. Doch nach scheinbar erfolgtem Sieg ist die Armee doch bald wieder an der Macht und der erzkonservative Obert Cascorro [Orson Welles] arbeitet daran, die prärevolutionären Verhältnisse wiederherzustellen. Mit der Hinrichtung Tepepas, eines der wichtigsten Männer des Widerstandes, soll ein Exempel statuiert werden. Francisco Madero, der ehemalige Revolutionsführer, hat sich mit dem Militär verbündet und das Todesurteil seines ehemaligen Gefolgsgenossen selbst unterschrieben. Tepepa blickt bereits in die Gewehrmündungen, da fährt ein Auto vorbei. Am Steuer sitzt Dr. Henry Price [John Steiner]. Er entführt Tepepa und rettet ihm das Leben. Doch Price ist nicht etwa ein Sympathisant, wie Tepepa zunächst glaubt: Er meint, in Tepepa den Vergewaltiger seiner Verlobten zu erkennen und will ihm persönlich das Licht auspusten. Mit Müh und Not kann Tepepa ihn davon überzeugen, dass er sich irrt. Es folgt eine schrittweise Annährung beiden Parteien und schließlich wird Price sein Verbündeter im erneuten Kampf gegen die Unterdrückung.

Bei der Masse genießt der Italo-Western - vorausgesetzt, es steht nicht zufällig der Name Sergio Leone darauf – die Reputation des billig produzierten, bleihaltigen Spektakels, das Leiche über Leiche stapelt. Dieser Ruf kommt nicht von ungefähr, wurde die deutliche Mehrzahl dieses Subgenres doch tatsächlich mit eher beschränkten finanziellen Mitteln umgesetzt, während auf inhaltlicher Ebene das meist zu Grunde liegende Rachethema lediglich rudimentär variiert wurde. Dass es sich dennoch lohnt, den Blick zu schärfen, um in der Menge an Material das ein oder andere Glanzlicht zu entdecken (was natürlich nicht bedeuten soll, dass preiswerte Dutzendware zwangsläufig schlecht sein muss), beweist Regisseur Giulio Petroni mit seinem im Jahre 1969 entstandenen TEPEPA.

Vor dem explosiven Hintergrund der mexikanischen Revolution entwirft Petroni eine penibel durchdachte politische Parabel, die ihr Hauptaugenmerk nicht auf Action und Sadismus legt, sondern auf eine differenzierte, mit bitterem Humor gespickte Auseinandersetzung mit den Themen Staat, Freiheit und Unterdrückung. Wer nun sperrige Intellektuellenkost erwartet, der sei mit dem Hinweis beruhigt, dass TEPEPA dennoch durchgehend packende Unterhaltung bietet und trotz Actionarmut bis zum überraschenden Ende zu fesseln vermag.

Dabei resultiert die vibrierende Spannung TEPEPAs weniger aus einer aufregenden Story, sondern vielmehr aus dem ambivalenten Verhältnis der Charaktere zueinander. Bereits die Ausgangssituation stellt diesbezüglich die Weichen: Der undurchsichtige Henry Price erscheint zunächst als Verbündeter der Titelfigur Tepepa, als er diesem das Leben rettet. Doch dann wird klar, dass er ihm lediglich geholfen hat, um ihn selbst umzubringen, da er ihn für einen Vergewaltiger hält. Erst, nachdem Tepepa ihn von seinem Irrtum überzeugen kann, wird er nach und nach tatsächlich zu dessen Verbündeten und schließt sich zunächst zaghaft, dann immer leidenschaftlicher der Widerstandsbewegung an.

Dieser bereits wunderbar doppelbödige Beginn ist Wegbereiter für die folgenden Ereignisse, die geprägt sind von einen Wechselbad aus gegenseitigem Argwohn und Vertrauen, Hass und Respekt, Verachtung und Bewunderung. Verschiedene Figuren verfolgen verschiedene Interessen, und ihr Aufeinandertreffen sorgt für eine gehörige Portion Zündstoff und ein beständiges unterschwellig-bedrohliches Brodeln. Bedeutend dabei ist, dass das Verhalten der einzelnen Charaktere, selbst das des so unsympathischen Polizeichefs Cascorro, jederzeit nachvollziehbar bleibt und Verständnis ernten kann. Auf das klassische Gut-Böse-Schema wurde hier nahezu vollkommen verzichtet.

Auch begeht TEPEPA nicht etwa den Fehler, seine Titelfigur zum strahlenen, moralisch einwandfrei agierenden Helden zu stilisieren, wie man anfangs noch glauben könnte, sondern zeichnet ihn mit zunehmender Laufzeit als einen erschreckend naiven Charakter, dessen moralischer Kompass sehr ungenau justiert wurde. Zwar fehlt es ihm nicht an vordergründigem Selbstbewusstsein und Charisma (womit er nicht nur seine Leute zu blenden versteht), wohl aber am nötigen Intellekt, um sowohl Schwere als auch Folgen seiner Taten korrekt einschätzen zu können. Aus dem anfänglichen Idol wird so nach und nach ein eher bemitleidens-, zeitweise sogar verachtenswerter Tropf, für dessen simples Gemüt man schließlich nur noch Abscheu empfinden kann.

Regisseur Giulio Petroni [→ PROVIDENZA] war es somit nicht etwa daran gelegen, lediglich ein simples Revolutionsspektakel darzubieten, welches die Bürgerevolte einer kritiklosen Glorifizierung unterwirft. Das kluge Drehbuch aus der Feder Ivan Della Meas und Franco Solinas' interessiert sich vielmehr für das Wesen der Revolution, für ihre Macht der Verführung und Manipulation und für die Folgen, die falsch verstandener Freiheitsdrang mit sich bringen kann. Die Figuren sind Sinnbilder, ihr Handeln ist exemplarisch: Als Tepepa einen älteren Mann unter Anklage des Verrats hinrichtet, empfindet dessen Sohn nicht etwa Hass gegen den Mörder seines Vaters, was die natürliche und einzig logische Reaktion wäre, sondern akzeptiert die Tat stillschweigend als Notwendigkeit und unterstützt Tepepa nachfolgend sogar noch durch den Kauf von Feuerwaffen. Solche und ähnliche Momente sind in TEPEPA keine Seltenheit und veranschaulichen eindrucksvoll, wie sehr sich Verhalten und Einstellungen der Protagonisten bereits von der 'normalen' Welt entfernt haben.

Tomas Milian [→ VON ANGESICHT ZU ANGESICHT] in der Titelrolle zu besetzen war die wohl beste Entscheidung der Macher, und es ist kaum anzunehmen, dass TEPEPA mit einem anderen Hauptdarsteller ebenfalls so gut funktioniert hätte. Milian war damals bereits einer der beliebtesten Darsteller Italiens und hat mit seinem spitzbübischen Charme und seiner Ausstrahlung die Publikumsgunst auf Anhieb auf seiner Seite. Gleichzeitig ist der gebürtige Kubaner jedoch auch ein hervorragender Schauspieler, der seine Rollen, falls nötig, mit der nötigen Tiefe auszustatten versteht. Der Wandel Tepepas von der Sympathiefigur zum wenn auch nicht 'bösen', so doch zumindest zwielichtigen Charakter, geschieht somit ebenso unerwartet wie glaubwürdig.

Ihm gegenüber steht ein fabelhaft besetzter Orson Welles [→ IM ZEICHEN DES BÖSEN], der als als erzkonservativer Polizeichef Cascorro ebenfalls voll und ganz überzeugen kann. Mit scheinbar stoischer Gelassenheit versprüht er eine enorm autoritäre Aura, beunruhigend wie respekseinflößend zugleich. Und doch ist auch seine Figur nicht einfach nur der oberflächliche Schurke: In einer Szene erinnert er sich an den Kampf gegen die Aufständischen. Mit nachdenklicher Miene und fernem Blick berichtet er, wie Tepepa, der von Cascorros Befehl, ihn zu verschonen, nichts ahnt, ihm ohne jede Angst vor dem Tod entgegenrannte - eine großartig gespielte Momentaufnahme, die verdeutlicht, dass Cascorro, obwohl er Tepepas Feind ist, doch Bewunderung empfindet für diesen von seinen Idealen vollkommen überzeugten Mann. Denn ebenso wie Tepepa, sieht sich auch Cascorro als Patriot, dessen Ziel, die alten Verhältnisse wiederherzustellen, für ihn jedes Mittel legitimiert.

John Steiner [→ EIN TURBO RÄUMT DEN HIGHWAY AUF] macht seinem Namen alle Ehre und verkörpert seinen Dr. Henry Price mit tadellos versteinertem Gesichtsausdruck, was die Undurchsichtkeit der Figur blendend unterstreicht. Nach seiner spektakulären Rettungsaktion zu Beginn, nimmt er lange Zeit eine eher passive Rolle ein, bevor er sich am Ende als eine der wichtigsten Figuren TEPEPAs herauskristallisiert. Den ständigen Zwiespalt zwischen persönlicher Überzeugung und zerreißenden Emotionen spielt Steiner sehr eindrucksvoll, seine tadellose Leistung ergänzt die Darbietungen seiner Schauspielkollegen nahezu perfekt.

Grundsätzlich charaktergetrieben, fährt TEPEPA im Finale zur explosiven Hochform auf und bietet eine äußerst versiert in Szene gesetzte Actionsequenz, in der es auch ordentlich knallen darf. Doch trotz gelegendlich durchaus vorhandenen Feuerzaubers bleibt das Werk in erster Linie eine scharfsinnige Abhandlung über politische Verhältnisse, Macht und Ohnmacht, Staat und Volk. Eingehüllt in das wiederholt wunderbare Klangkleid Ennio Morricones [→ TOP JOB], präsentiert Petroni seine Analyse jedoch nicht als schwerfällig verkopftes Intellektuellenstück, sondern als sympathisch unaufdringlichen Nebeneffekt großartigen Unterhaltungskinos. TEPEPA gelingt somit das Kunststück, sowohl die feingeistige, als auch die frugale Natur gleichermaßen zu beglücken.

Das bestürzende Ende schließlich sitzt wie ein Keulenhieb und untermauert mit bleibendem Nachdruck nochmals die radikale Botschaft. Die Revolution frisst ihre eigenen Kinder. Und Freunde packender Italo-Western fressen TEPEPA.

s. auch: TEPEPA
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Re: Zuletzt gesehener Western

Beitrag von DJANGOdzilla » Fr 30.08.2013, 01:56

EIN DOLLAR ZWISCHEN DEN ZÄHNEN
[UN DOLLARO TRA I DENTI][ITA][1966]

Bild

Regie: Luigi Vanzi
Darsteller: Tony Anthony, Frank Wolff, Gia Sandri, Raf Baldassarre, Jolanda Modio, Aldo Berti, Enrico Cappellini, Arturo Corso, Antonio Marsina, Angela Minervini


„Was für ein Mann bin ich?“

Ein Fremder [Tony Anthony] reitet in das karge Städtchen Cerro Gordo. Dort wird er Zeuge, wie die Schurkenbande unter der Führung des gefürchteten Gesetzlosen Aguilar [Frank Wolff] ein ganzes Battallion mexikanischer Soldaten auslöscht. Der Grund: Aguilar und seine Männer wollen sich selbst als die Armeebediensteten ausgeben. Abgesandte der amerikanische Kavallerie sind nämlich auf dem Weg, um dem mexikanischen Militär zwei Säcke voller Gold auszuhändigen. Der Fremde errät den Plan und klinkt sich in das Unternehmen ein. Doch als er seinen Anteil verlangt, ist es mit der Gastfreundschaft Aguilars zuende: Lediglich eine Dollarmünze überlässt er ihm als Belohnung, bevor er ihn brutal zusammenschlagen lässt. Doch der Fremde kann entkommen und hat jetzt nur noch ein einziges Ziel: das gesamte Gold...

Das kleine Wörtchen 'Dollar' im Titel ist kein Zufall: EIN DOLLAR ZWISCHEN DEN ZÄHNEN erinnert von Thema, Atmosphäre und Schauplatz her doch auffallend an den damals erst zwei Jahre zurückliegenden Sensationserfolg FÜR EINE HANDVOLL DOLLAR, welcher Kinogeschichte schrieb und das Bild des Italo-Westerns entscheidend mitprägte. Hier wie dort reitet ein namenloser Fremder in ein kleines Western-Kaff, spricht kaum ein Wort, legt sich mit einer Schurkenbande an und erweist sich im Schusswechsel als unbezwingbar, um am Ende schließlich als Sieger wieder aus der Stadt zu reiten. Nur heißt der fremde Pistolero hier nicht etwa Clint Eastwood, sondern Tony Anthony. Dieser besitzt zwar einen ähnlichen Poncho wie sein großes Vorbild, aber bei weitem nicht dessen Coolness.

Dabei gibt sich Anthony durchaus Mühe, es dem Original bestmöglich nachzueifern: Nicht nur sein Kleidungsstil, auch die verkniffene Miene und die Einsilbigkeit gehören zu den eindeutig kopierten Mechanismen des 'Fremden'. Die deutsche Fassung setzte dem Imitat dann noch die Krone auf, indem sie ihm gar dieselbe Synchronstimme verpasste. Doch im Vergleich zu Eastwood wirkt Anthony doch immer etwas zu schwachbrüstig, um ihm seine Überlegenheit so ohne weiteres abzukaufen. Wenn er die bösen Buben niederschlägt, dann befürchtet man im ersten Augenblick eher, er habe sich dabei die Hand gebrochen, als dass man tatsächlich erwarten würde, dass die Getroffenen betäubt zu Boden sinken.

Auch inhaltlich wandelt A STRANGER IN TOWN (englischer Titel) auf wohlbekannten Pfaden. Bereits nach wenigen Minuten sind die Seiten klar abgesteckt: Auf der einen die Bösen in Gestalt der verkleideten Schurkenbande Aguilars, auf der anderen der Gute (oder besser gesagt: der etwas weniger Böse, immerhin ist dies ein Italo-Western) in der Gestalt Tony Anthonys, der seinen Gegnern zumindest intellektuell haushoch überlegen ist und dessen Kugeln vermutlich ferngesteuert durch die Gegend fliegen, treffen sie ihr Ziel doch immer haargenau. Was sich daraus ergibt, ist ein gewalthaltiges Katz-und-Maus-Spiel, bei welchem mal die eine, mal die andere Partei die Oberhand gewinnt.

EIN DOLLAR ZWISCHEN DEN ZÄHNEN folgt somit überwiegend der narrativen Schablone des großen Vorbilds: Der Fremde gibt sich zunächst als Verbündeter der Banditen aus und hilft ihnen sogar dabei, ihren Coup durchzuziehen. Erst, als er im Anschluss von ihnen erwartungsgemäß auf's Kreuz gelegt und um seinen Anteil betrogen wird, beginnt er einen verlustreichen Feldzug. Aufgrund seiner Schießkunst und Schläue hat er dabei quasi auf Anhieb die besseren Karten als die primitive Gaunerbande, die zur Erlangung ihrer Ziele lediglich auf rohe Gewalt zu setzen vermag. Doch auch trotz seiner Überlegenheit muss der Fremde herbe Rückschläge einstecken, wird gefoltert und scheint fast besiegt, bevor er im Finale dennoch triumphieren kann.

Das ist natürlich alles nicht atemberaubend originell und letztendlich nur die zu Grunde liegende Blaupause jeder Heldenstory, die hier eigentlich kaum großartig variiert wurde. Dass EIN DOLLAR ZWISCHEN DEN ZÄHNEN dennoch ein gelungenes Unterhaltungsprogramm bietet, liegt, neben der versierten Regie Luigi Vanzis, vor allem an den liebgewonnen Ingredenzien des klassischen Italo-Westerns, welche hier, aufgrund des recht frühen Produktionsjahrs, noch erfreulich frisch und unabgenutzt wirken: das ungastliche Städtchen, durch das unaufhörlich der Wind pfeift, die kargen Landschaften, die eine trostlose Einsamkeit vermitteln, die unersättliche Gier noch Gold, die nur das Schlechteste im Menschen hervorruft, und nicht zuletzt die ruppige Gewaltdarstellung, die rein gar nichts mehr mit dem klinischen Glanz früherer amerikanischer Western gemein hat.

Im Gegensatz zu FÜR EINE HANDVOLL DOLLAR fehlt es dabei allerdings etwas an inhaltlicher Dichte. Das hat sicherlich auch damit zu tun, dass sich Clint Eastwood seinerzeit mit gleich zwei Gangsterbanden herumschlug, während es Tony Anthony hier nur mit einer einzigen zu tun bekommt. Da sich diese auch nicht gerade durch übermäßige Pfiffigkeit auszeichnet, verkommt EIN DOLLAR ZWISCHEN DEN ZÄHNEN im Mittelteil zeitweise zu einem simplen Versteckspiel, in welchem der Fremde lediglich durch Höhlen und Häuser kriecht, während seine Häscher erst dann wieder zur Jagd blasen, wenn ein weiteres Mitglied ihrer Truppe in den Staub gebissen hat.

Chronologisch will dabei manches nicht so recht zusammenpassen: Da will Aguilar die Dorfschönheit Chica vergewaltigen, was der Fremde lobenswerterweise verhindern möchte. So schleicht er durch das Gebäude, hinterlässt dabei eine Spur aus Schießpulver, wird beinahe entdeckt, versteckt sich, schlägt den Mann nieder, schleicht sich in Deckung und entzündet schließlich die hinterlegte Spur, um das Dynamitlager in die Luft zu jagen. Und obwohl man während all dieser Zeit locker ein ganzes Frauenhaus hätte vernaschen können, liegt Aguilar noch immer züchtig neben seinem Opfer im Bett und hat sich noch nicht mal die Schuhe ausgezogen.

Auch an anderen Stellen gibt es durchaus mal kleinere Schönheitsfehler: Dass die Soldaten zu Beginn z. B. alle brav stehenbleiben, um sich über den Haufen schießen zu lassen, erscheint ein wenig merkwürdig. Auch an Blutpäckchen hat man offenbar gespart, immerhin hinterlässt das erwähnte Massaker nicht einen einzigen sichtbaren Kratzer auf dem schnieken Unterhemd. Zudem hat der Fremde die meiste Zeit mehr Glück als Verstand, da seine Gegner selbst aus nächster Nähe vielleicht gerade mal den Türrahmen treffen, in welchem er sich befindet. Sinnlos zu erwähnen, dass seine Kontrahenten meist schon am Boden liegen, bevor er überhaupt den Abzug betätigt hat.

Doch solch liebenswerte Unzulänglichkeiten gehören auch einfach zu einem zünftigen B-Kracher, zumal EIN DOLLAR ZWISCHEN DEN ZÄHNEN im Gegenzug mit so manch großartigem Moment aufwarten kann: So kann man sich eines Schmunzelns kaum erwehren, wenn der Fremde zunächst seine Schritte auf der Veranda abzählt, um dann später hinter der Ecke kauernd die Schritte seines Widersachers zu zählen und genau zu wissen, wann er feuern muss. Auch, wenn er sich im Anschluss unter den Bodendielen versteckt und seine Gegner zunächst mit Geräuschen und Bewegungen verunsichert, bevor er sie in seine Flinte laufen lässt, erntet das einen gehörigen Lacherfolg.

Die graphische Gewaltdarstellung schockiert dabei aus zeitlicher Distanz freilich längst nicht mehr so sehr wie noch im Erscheinungsjahr, doch vor allem die Zynismen des Schurken Aguilar sind von unvergänglicher Boshaftigkeit: Nach dem kaltblütigen Niedermähen einer ganzen Armee schreckt er auch nicht davor zurück, einen Säugling mit dem Messer zu bedrohen, um aus dessen Mutter eine benötigte Information herauszukitzeln, lässt sich vor jeder Missetat jedoch immer wieder von seinem Handlanger Marinero (gespielt von Aldo Berti [→ ESCONDIDO]) bestätigen, dass er ein fairer Mann sei. Das ist schon starker Tobak und macht Aguilar zu einem enorm verachtenswerten Vertreter seiner Zunft.

Der viel zu früh verstorbene Frank Wolff [→ GOTT VERGIBT – DJANGO NIE!], welcher diesem sein markantes Gesicht leiht, ist als Darsteller hassenswerter Bösewicht ohnehin eine Bank. Seine schauspielerischen Qualitäten kann er hier allerdings kaum unter Beweis stellen, seine Rolle ist dafür schlichtweg zu eindimensional geraten. Im Gegenzug jedoch darf er hier nach Herzenslust böse sein, um immer dann, wenn er sich nicht mehr hinter seinem Maschinengewehr verstecken kann, zum erbärmlichen Jammerlappen zu mutieren.

Ungewöhnlich ist, dass sich hier auch eine Frau zu den Schurken zählen und als solchen ebenfalls gehörig austeilen darf: Gia Sandri [→ SCHNELLER ALS 1000 COLTS] spielt Maruca, welche dem Fremden bei seiner Ankunft zunächst nur die Blumenvase entgegenschleudert (nicht ganz zu Unrecht, immerhin beobachtet er sie beim Einkleiden), ihm später jedoch mit inbrünstiger Leidenschaft die Peitsche ins Gesicht knallt (obwohl sie in Wahrheit natürlich total rattig auf ihn ist). Die zweite größere Frauenrolle ging an die hübsche Jolanda Modio [→ VON ANGESICHT ZU ANGESICHT], die als hilfebedürftige Chica das klassische Opfer spielen und einige Male aufgescheucht aus der Wäsche gucken darf.

Und Tony Anthony? Der hat mit der Figur des schweigsamen Westernhelden offenbar die Rolle seines Lebens gefunden, so dass er nachfolgend eigentlich kaum noch etwas anders spielte und diesem Typus fast bis zum Schluss treu blieb - was seinen Höhepunkt erreichte, als er in BLINDMAN nicht nur schweigsam sein durfte, sondern auch noch blind. Obwohl sich seine Darstellung, wie mehrfach erwähnt, mit den ganz Großen nicht messen kann, verleiht er der klassischen Figur des unnahbaren Revolvermannes doch etwas ganz Eigenes, eine eigenartig liebenswerte Tapsigkeit, die ihn aus der Masse hervorhebt.

Komponist Benedetto Ghiglia [→ HÖLLENJAGD AUF HEISSE WARE] spendierte dem Fremden dazu ein eingängiges Titelthema, welches allerdings ein wenig zu häufig wiederholt wird und einem daher irgendwann doch auf die Nerven fällt. Die restliche Musikuntermalung geriet eher trist und lässt große Melodien, eigentlich eines der Steckenpferde des Genres, schmerzlich vermissen.

Die ständigen Vergleiche mit FÜR EINE HANDVOLL DOLLAR muss sich EIN DOLLAR ZWISCHEN DEN ZÄHNEN schlichtweg gefallen lassen – zeitlich zu nah sind sich beide Werke und zu ähnlich sind Konzept und Umsetzung. Doch holt man Vanzis kompetent umgesetzte Spaghetti-Sause aus dem Schatten Sergio Leones, dann kommt dabei ungemein passable Unterhaltung zum Vorschein. Auch dem Publikum schien das ausreichend gefallen zu haben, durfte der Fremde im Anschluss doch noch zwei weitere Male in die Stadt reiten.

Kein Grund zum Zähneknirschen.

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Re: Zuletzt gesehener Western

Beitrag von DJANGOdzilla » Mo 02.09.2013, 18:21

WESTERN JACK
[UN UOMO, UN CAVALLO, UNA PISTOLA][ITA/BRD][1967]

Bild

Regie: Luigi Vanzi
Darsteller: Tony Anthony, Daniele Vargas, Ettore Manni, Marina Berti, Marco Guglielmi, Dan Vadis, Jill Banner, Raf Baldassarre, Anthony Freeman, Renato Mambor, Franco Scala


„Wir werden in Moon Village heute Nacht ein bisschen Hölle spielen.“

'En Plein' [Dan Vadis] ist einer der skrupellosesten Verbrecher Mexikos, der auf seiner Jagd nach Reichtum andere Menschen ohne zu Zögern über die Klinge springen lässt. Sein neuester Coup soll der Raub einer mit Gold beladenen Postkutsche werden. Der Postinspektor dient ihm bei diesem Vorhaben als Informant. Doch kaum hat dieser seine Schuldigkeit getan, bekommt er auch schon eine Kugel verpasst. 'En Plein' und seiner Bande gelingt die Übernahme der Kutsche danach quasi im Handumdrehen, freilich jedoch nicht ohne weitere Verluste unschuldiger Menschenleben. Doch die Halunken können ihren Erfolg nicht allzu lang genießen: Ein fremder Revolverheld [Tony Anthony] findet des Postinspektors Leiche und setzt sich mit dessen Papieren ausgestattet auf die blutige Spur der Schurkenbande. Diese haben es demzufolge plötzlich nicht nur mit Verrat in den eigenen Reihen zu tun, sondern auch mit dem schweigsamen Fremden, welcher ebenfalls ein Stück vom Kuchen abbekommen möchte.

Nachdem Tony Anthony in EIN DOLLAR ZWISCHEN DEN ZÄHNEN als namenloser Revolverheld eine Bande skrupelloser Banditen um ihr Leben und ihr geraubtes Gold erleichterte, verging gerade mal ein einziges Jahr, bis der schweigsame Pistolero ein weiteres Mal über die Leinwand reiten durfte. Im Gegensatz zum staubtrockenen Vorgänger wandelte man dieses Mal hingegen auf deutlich ironischeren Pfaden und tauschte die triste Kargheit des Originals gegen ein vergnügtes Augenzwinkern. Bereits die Anfangssequenz geriet erfrischend verschroben: Da reitet der 'Fremde' mit adrettem rosafarbenem Sonnenschirmchen ins Bild, legt sich dann entspannt ins Gras und beginnt leicht grobmotorisch und mit kümmerlichem Ergebnis, sich eine Zigarette zu drehen, während sein Gaul in der Zwischenzeit für ihn auf die Jagd geht.

Bereits diese Eröffnung bietet schon mehr Witz, als Teil 1 während seiner gesamten Laufzeit und karikiert auf neckische Art und Weise das Image vom 'harten Mann', das sich zu dieser Zeit bereits fest im Genre etabliert hatte. Und humorvoll geht es auch weiter, wenn der Fremde auf zwei Banditen trifft, die ihn aufgrund seiner schrulligen Art natürlich grob unterschätzen. Mit vorgehaltener Waffe zwingen sie ihn, ein Grab für den von ihnen getöteten Postinspektor zu schaufeln. Nach verrichteter Arbeit soll der Fremde nun auch ein zweites Grab für sich selbst ausheben. Nach kurzem Zögern beginnt er mit verhaltenem Schmunzeln mit dessen Vermessung. „Scheint etwas zu groß“, bemerkt einer der Banditen. „Ich denke, es passt“, antwortet der Fremde mit abschätzendem Blick auf den etwas korpulenteren Körperumfang seines Gegenübers.

Solche, mit hintergründigem schwarzen Humor gespickte Szenen bietet WESTERN JACK reichlich, so dass des Fremden zweiter Ritt dann auch deutlich mehr Laune bereitet als seine zwar sehr gelungene, doch noch etwas spröde Erstvorstellung. Auf gewisse Art und Weise steht WESTERN JACK damit abermals in der Tradition von Sergio Leones DOLLAR-Trilogie, war doch auch dort der zweite Teil wesentlich ironischer konzipiert als sein spartanischer Vorgänger. Inhaltlich hingegen löste man sich dieses Mal vom einstigen Vorbild und ging stattdessen eigene Wege. Im Ergebnis ist das Ganze freilich dennoch nicht anderes, als eine erneute Varitation der üblichen Genreversatzstücke und im Prinzip lediglich eine rustikale Aufbrezelung der Ereignisse des ersten Teils. Es geht mal wieder um Habgier, Verrat und die Verkommenheit der menschlichen Natur.

Der Fremde ist dabei (zumindest in der deutschen Fassung) so wortkarg gar nicht mehr und kommentiert die Ereignisse immer mal wieder mit locker-flockigem Spruchgut. Tony Anthony, im Erstling durch das enge Korsett des Clint-Eastwood-Imitats noch ziemlich eingeschränkt, agiert dazu auffallend souveräner und gibt sich als argloser Herumtreiber, der mit seiner leicht schrägen Art seine Gegner immer wieder zu täuschen versteht, so dass sie sich seiner Gefährlichkeit immer erst dann bewusst werden, wenn es bereits zu spät für sie ist. Drolligerweise erinnert Tony Anthony hier nun auch weniger an Clint Eastwood, sondern in vielen Momenten sowohl von der Optik als auch vom Gebaren her an Paul Hogan im gut 20 Jahre später entstandenen CROCODILE DUNDEE.

Auf böser Seite erlebt man dieses Mal Dan Vadis [→ BRONCO BILLY] als eiskalten Anführer einer wahrlich widerlichen Schurkenbrut. Dabei fasste man die kluge Entscheidung, sein 'En Plain' nicht einfach zu einem simplen Abziehbild von Frank Wolffs Rolle aus dem Vorgänger verkommen zu lassen, sondern lies ihn etwas intelligenter wirken, beherrschter und nachdenklicher. In Sachen Bosheit jedoch macht man ihm ebenfalls kaum etwas vor: Als ihm eine hübsche Indianerin vor die Augen läuft, gerade friedlich die Wäsche aufhängend, beginnt er mit gezieltem Schuss, die Träger ihres Kleides zu entfernen. Als ihr Vater erzürnt herbeieilt („20 Banditen gegen ein Mädchen! Welch Haufen tapferer Männer!“), wird er von dem Unhold, nach einem auferzwungenen ungleichen Duell, ohne mit der Wimper zu zucken über den Jordan geschickt.

Mag der Humorpegel also auch grundsätzlich gestiegen sein, geht es bisweilen dennoch erneut ziemlich hart zur Sache. Auch der Fremde muss abermals ordentlich einstecken, wenn einer der Fieslinge immer wieder versucht, ihn mit der Postkutsche zu überfahren, während er sich, geschlagen und geschunden bereits am Boden liegend, immer wieder mühsam zur Seite rollen muss, um nicht unter die Räder zu geraten. Der Versuch, sich seiner Fesseln dabei mithilfe einer Glasscherbe zu entledigen, führt dann zu einem unerfreulich blutigen Ergebnis an den Handflächen.

Doch insgesamt ist der Fremde seinen Widersachern natürlich wieder glasklar überlegen und teilt ebenfalls tüchtig aus. Unterstützung erhält er dabei von einem älteren Wanderprediger [Marco Guglielmi (→ WARUM MUSSTE STAATSANWALT TRAINI STERBEN?)], welcher immer wieder seinen Weg kreuzt – eine zunächst nur schwierig einzuschätzende Figur und fast ein wenig surreal wirkend, wenn sie immer wieder wie aus dem Nichts auftaucht, um mitten in diesem ungastlichen Szenario aus Blut und Blei die Botschaft der Bibel zu verkünden. Nach mehreren leicht philosophisch angehauchten Wortwechseln, stattet er den Fremden schließlich mit einer mächtigen, vierläufigen Schrotflinte aus, welche in der heiligen Schrift bestimmt keine Erwähnung findet. Dermaßen ausgerüstet putzt der Namenlose die bösen Jungs nun reihenweise von der Platte, was für Freunde pulvergeschwängerter Italo-Western-Kost ein wahres Festmahl bedeutet.

Apropos Festmahl: Im Finale kommt es zu einer der im wahrsten Sinne des Wortes köstlichsten Szenen, als einer der Banditen [Mario Novelli (→ DJANGO, DER RÄCHER)] auf der Suche nach einem geeigneten Versteck durch ein Haus schleicht und dabei einen reich gedeckten Tisch vorfindet. Dermaßen angefixt, beginnt der gar hungrige Geselle erst einmal, nach Herzenslust zu schlemmen. Begeistert von dieser Gratisverköstigung, scheint er alles um sich herum zu vergessen und kommt er wieder zur Besinnung, als sich der Fremde mit geladener Waffe zu ihm an den Tisch setzt. Anstatt seinen erschrockenen Kontrahenten jedoch auf Anhieb über den Haufen zu schießen, bedient er sich selbst erst einmal und liefert sich ein kleines Fressduell mit seinem nun wild kichernden Gegenüber. Dass dieser im Anschluss trotzdem nie wieder Hunger zu leiden braucht, sollte keine Überraschung sein.

Kauzige Szenen wie diese sind es, die WESTERN JACK aus der Masse herausstechen lassen. Dass die Handlung dabei nicht sonderlich originell und in ihrer Entwicklung arg absehbar ist, tut dem Vergnügen dabei keinen Abbruch. Luigi Vanzi [→ DER SCHRECKEN VON KUNG FU] inszenierte gekonnt und mit Sinn für Timing und dreckige Atmosphäre. Die musikalische Untermalung dazu stammt dieses Mal von Stelvio Cipriani [→ DAS SYNDIKAT], dessen Melodien etwas epischer und anwechslungsreicher, gleichzeitig aber auch weniger einprägsam gerieten als die des Vorgängers.

Der deutsche Titel ist natürlich ein Produkt geradezu sträflicher Einfallslosigkeit, zumal die Hauptfigur auch hier namenlos bleibt (drolligerweise wird einmal eine Nebenfigur mit 'Jack' angeredet, doch es ist nicht zu vermuten, dass diese der ominöse 'Western Jack' sein soll). Bezüge zum Vorgänger wurden vom deutschen Verleih (absichtlich?) vermieden, zumindest lässt der Titel keine Verwandtschaft mehr erkennen und die Titelfigur bekam auch eine neue Synchronstimme verpasst. Wirklich schlimm ist das freilich nicht, Luigi Vanzis zweiter Streich funktioniert auch losgelöst vom Erstling prächtig.

Ob mit oder ohne Vorwissen: WESTERN JACK ist ein astreiner Beitrag zum Genre des Spaghetti-Westerns, der sich auf seinem unverdrossenen Weg zum bleihaltigen Finale weder sinnlose Schnörkel, noch unnötige Ausschmückungen erlaubt. UN UOMO, UN CAVALLO, UNA PISTOLA heißt das Ganze auf's Notwendigste reduziert dann auch im Original – ein Mann, ein Pferd, eine Pistole. Den Sonnenschirm hat man vergessen.

s. auch: WESTERN JACK
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Re:

Beitrag von Nosferatu64 » Fr 06.09.2013, 22:42

Antropophagus hat geschrieben:
Magischer Ballermann hat geschrieben:DIE GLORREICHEN SIEBEN
THE MAGNIFICENT SEVEN

+++ +++ +++ +++ +++

Gerade zum "keine Ahnung wie vielten Male" angeschaut. Meine Kids haben ihn zum ersten Mal gesehen und waren auch begeistert. Den Showdown mußte ich einmal zurück-skippen, weil sie ihn nochmals sehen wollten.

Den Inhalt und die Beschreibung zu dem Kult-Western spare ich mir, denn wer den nicht kennt, hat saumäßig gepennt. :mrgreen:
Kann man sich vorstellen das TV Movie diesen genialen Streifen als "Eher Durchschnittlich" bewertet...?...ich bin fast vom Glauben abgefallen...was für Dummbatze...Die Glorreichen Sieben ist für mich genauso ein wegweisender Western wie Spiel mir das Lied vom Tod...und der ist ja auch nicht nur "Eher Durchschnittlich"...was für unqualifizierte Schmierbacken... :kotz:
Wer diesen Film nicht mag ist wirklich nicht mehr zu helfen!!!!!! :x

Die anderen sind wirklich mit Vorsicht zu genießen. :wink:

The magnificent seven (1960) +++ +++ +++ +++ +++

Return of the Seven (1966)
+++ +++ +++

Guns of the magnififcent Seven (1969) +++ +++ ---

The Magnificent Seven ride (1972) +++ +++

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Re: Zuletzt gesehener Western

Beitrag von DJANGOdzilla » Mo 16.09.2013, 18:27

DIE ZEIT DER GEIER
[IL TEMPO DEGLI AVVOLTOI][ITA][1967]

Bild

Regie: Nando Cicero
Darsteller: George Hilton, Frank Wolff, Eduardo Fajardo, Pamela Tudor, Franco Balducci, Femi Benussi, Maria Grazia Marescalchi, John Bartha


Der junge Kitosch [George Hilton] ist neben seiner Funktion als Viehtreiber auf dem Hof des patriarchaischen Don Jaime Mendoza [Eduardo Fajardo] auch ein ausgemachter Frauenheld, der regelmäßig mit wechselnden Gespielinnen ins Heu steigt. Als er jedoch Mendozas Frau Steffy [Pamela Tudor], die ihm Avancen macht, abweist, ist diese zutiefst in ihrer Ehre gekränkt und bezichtigt ihn der sexuellen Belästigung. Mendoza lässt Kitosch daraufhin brutal misshandeln. Mit Müh und Not kann er entkommen. Doch als er im Nachbardorf den Sheriff um Hilfe bittet, wird er eingesperrt und soll ausgeliefert werden. Dieses verhindert der 'Schwarze Tracy' [Frank Wolff], ein gesuchter Schwerverbrecher, welcher, um seiner Verhaftung zu entgehen, den Sheriff und seine Mannen mit Blei vollpumpt. Kitosch, der das Geschehen aus seiner Zelle mitverfolgt, rettet wiederum Tracy, indem er einen hinterhältigen Angreifer per Messerwurf abserviert. Zu Dank verpflichtet, befreit ihn Tracy aus seiner Zelle und rettet ihn nachfolgend auch vom Galgen, den Mendozas Leute bereits postiert hatten. Beide Männer tun sich nun zusammen, um einen Goldschatz an sich zu bringen. Doch je länger die Reise dauert, desto mehr merkt Kitosch, mit was für einem Mann er es zu tun hat...

DIE ZEIT DER GEIER entstand in der Hochphase des Italo-Westerns, der sich, nach einigen holprigen Orientierungsversuchen am klassischen amerikanischen Cowboy-Epos, durch ausgeprägten Zynismus und rohe Brutalität sein eigenes, unverwechselbares Gesicht verschaffte. Drehbuchautor Fulvio Gicca Palli gab sich in diesem Falle allerdings nicht damit zufrieden, das bewährte Erfolgsrezept einfach stumpf wiederzukäuen, sondern kleidete die typischen Genrezutaten in eine verblüffend vielschichtige Selbstfindungsparabel, der es gelingt, die an bestimmte Sehgewohnheiten gekoppelte Erwartungshaltung ihres Publikums immer wieder zu unterlaufen, was zu dessen unabwendbarer Involvierung führt.

So macht Nando Ciceros Werk zunächst eher den Eindruck einer leichten Komödie, wenn sich Hauptfigur Kitosch mit einem kichernden Mädchen in der Scheune vergnügt, um sich im Anschluss nach Herzenslust mit ihrem zufällig hinzugekommenen Ehemann eine zünftige Rangelei zu liefern. Nachdem ihn sein Gutsherr Mendoza für diese Verfehlung bestraft hat, verlangt Kitosch im Beisein des Gehörnten noch ein paar Hiebe mehr, die Dame sei es schließlich wert gewesen. Wird also bereits zu Beginn schon eifrig bestraft und gepeitscht, erscheint der zu Grunde liegende Tenor doch noch sehr locker, was sich auch in den Dialogen bemerkbar macht: „Du bist auf meiner Ranch, um die Kühe zu versorgen“, erklärt Mendoza, „aber nur die mit vier Beinen.“

Auch der Look geriet für das Produktionsjahr überraschend sauber und farbenfroh und hat z. B. nichts zu tun mit Sergio Corbuccis Vorjahreserfolg DJANGO, welcher in seiner Dreckigkeit und Brutalität das Gesicht des Italo-Westerns der Folgejahre quasi grundlegend definierte. Schleppte sich Django bereits in der ersten Szene durch einen Berg von Schmutz und Schlamm, so tollt Kitosch hingegen, von fröhlicher Pfeifmusik begleitet, bei seinem ersten Auftritt ausgelassen im Heu. Doch das vermeintliche Idyll verwandelt sich schleichend in einen Ort der Gewalt, als Kitosch der Belästigung Steffy Mendozas beschuldigt wird: Plötzlich sind die Schläge schmerzhaft, die Tritte qualvoll und es werden keine Scherze über zweibeinige Kühe mehr gemacht. Langsam, aber sicher steigert sich die Situation für Kitosch schließlich gar zu einer Bedrohung für sein Leben, entpuppt sich der anfänglich noch humorvoll und anständig scheinende Mendoza doch als grausamer Machtmensch, der Kitosch wegen einer unbewiesenen Nichtigkeit ohne zu zögern hinrichten lassen würde.

Bereits zu diesem Zeitpunkt aufgrund des veränderten Grundtons etwas irritiert, weiß der Zuschauer auch nach Kitoschs erfolgreicher Flucht noch nicht so recht, wohin die Reise eigentlich gehen soll. Lange Zeit lässt einen DIE ZEIT DER GEIER im Ungewissen, um einem immer dann, wenn man die weiteren Ereignisse endlich zu ahnen glaubt, doch wieder eine lange Nase zu drehen und sich in eine andere Richtung zu entwickeln. Gerade dieser Verzicht auf geradlinige Bahnen und das neckische Spiel mit der Nichteinhaltung festgefahrener Erzählmuster sind die Ursache dafür, dass das rein inhaltlich nicht sonderlich spektakuläre Werk anhaltendes Interesse erwecken kann.

Als Kitosch schließlich auf den gesuchten Verbrecher 'Schwarzer Tracy' trifft (der gar nicht schwarz ist, sondern nur einen solchen Mantel trägt), und sich beide Männer gegenseitig das Leben retten, scheint es wie der Beginn einer großen Freundschaft. Doch der Eindruck täuscht abermals: Tatsächlich wirkt Tracy zunächst wie ein von seiner Umwelt missverstandener, zu Unrecht vom Gesetz verfolgter Mann, unter dessen rauer Schale ein sensibles Herz schlägt, betrauert er doch aufrichtig den Tod seiner Mutter und nimmt mehrere Gefahren auf sich, um sie auf ihrem eigenen Grund und Boden bestatten zu können. Auch die Rachegefühle, die er gegen seine ehemalige Geliebte und ihren Freund hegt, sind nachvollziehbarer Natur, hatten sie ihn schließlich betrogen und verraten. Im weiteren Verlauf jedoch entlarvt sich Tracy als gewissenloser Mistkerl, der völlig unschuldige Menschen ohne eine Miene zu verziehen über die Klinge springen lässt. Die Gleichgültigkeit, mit der das passiert, wirkt ungemein schockierend, und die anfänglichen Sympathien verschwinden unter einem Berg aus Leichen.

Bezeichend in diesem Zusammenhang ist eine Szene, welche bereits kurz nach der Begegnung der beiden Männer stattfindet: „Es wird kühl heute Nacht“, sagt Tracy zu Kitosch und deckt ihn mit seinem Mantel zu. Kitosch ist geradezu gerührt angesichts der vermeintlichen Fürsorge des gesuchten Mörders. Doch nachdem ihr Schlaflager mitten in der Nacht überfallen wurde, begreift er den wahren Hintergrund der Tat: Tracy wusste von seinen Verfolgern und kleidete Kitosch lediglich in seinen Mantel, um sie so zu täuschen und hinterrücks erschießen zu können. So humorvoll diese Szene auch umgesetzt wurde, beschreibt sie dennoch bereits den Verlauf der weiteren Ereignisse: Tracy ist kein liebenswerter Gauner mit dem Herz am rechten Fleck, sondern ein ausschließlich auf seinen eigenen Vorteil bedachter, gefühlskalter Verbrecher, dem andere Menschenleben nichts bedeuten.

Dass Kitosch dem sich mehr und mehr als kaltherziger Sadist entpuppenden Tracy für eine erstaunlich lange Zeit sein nahezu bedingungsloses Vertrauen schenkt, lässt sich dabei nicht allein durch dessen Dankbarkeit erklären und wirkt angesichts der Gewalttaten Tracys auch nicht immer ganz nachvollziehbar. Allerdings gelingt es dem Drehbuch recht elegant, die größten Fallstricke zu umgehen und einige durchaus glaubwürdige Bedingungen für diesen Umstand zu schaffen: So leidet Tracy an Epilepsie, was dem brutalen Killer, wenn er während seiner Anfälle hilflos wie ein kleines Kind zappelnd auf dem Boden liegt, immer wieder auch menschliche, bemitleidenswerte Züge verleiht. Zudem erscheint – typisch für den Italo-Western – auch die ehrenwerte Gesellschaft kaum einen Deut besser als die steckbrieflich gesuchten Schwerverbrecher: Der gutbürgerliche Mendoza darf sich, aufgrund seines Reichtums, quasi seine eigenen Gesetze erschaffen, und der Sheriff und seine Mannen denken bei der Festnahme Tracys händereibend nur an den Schotter, den ihnen diese einbringen wird. Es ist eine raue Welt, in der Kitosch lebt, in der tatsächliche Nächstenliebe eher die Ausnahme als die Regel darstellt. Tracy erscheint ihm da lediglich als die geballte, gewalttätige Antwort auf die alltäglichen Unmenschlichkeiten und als längst überfälliger Befreiungsschlag.

Aus dieser ungewöhnlichen Gemeinschaft, einerseits auf purem Zweck, andererseits jedoch auch auf einer sinnwidrigen Sympathie beruhend, erwächst ein enormes Konfliktpotential, aus welchem DIE ZEIT DER GEIER seine explosive Spannung schöpft, zusammen mit dem Reifeprozess, welchem der Hauptcharakter hier unterliegt: Ist Kitosch anfangs noch ein sorgloser Schlendrian, der Prügel und Folter zwar wegsteckt, jedoch, wenn überhaupt, dann nur halbherzig auf die Idee kommt, sich auch mal zur Wehr zu setzen, erscheint er nach seiner Rückkehr als überaus selbstbewusster Mann, der zwar von Tracy gelernt hat, sich nichts mehr gefallen zu lassen, allerdings gleichzeitig auch seinen aggressiven Charakter angenommen hat. Zwar wirkt diese Entwicklung von George Hilton nicht immer ganz glaubwürdig gespielt, nimmt man ihm doch den arglosen Luftikus viel eher ab als den harten Sauhund, doch verstehen es Skript und Regie hervorragend, seine emotionale Reise greifbar zu machen.

George Hilton [→ DER SCHWANZ DES SKORPIONS] heißt eigentlich Jorge Hill und kam aus Uruguay nach Italien, um dort quasi im Rekordtempo zu einem der der beliebtesten Westerndarsteller aufzusteigen. Zwar kamen seine Filme (die in Deutschland häufig mit einem DJANGO-Titel verziert wurden) nur selten über ein solides Mittelmaß hinaus, doch tat das seiner Beliebtheit keinen Abbruch. Mag Hilton bei manchen emotionalen Momenten DIE ZEIT DER GEIERs auch ein wenig überfordert wirken, besitzt er doch das nötige Charisma, um die Sympathien schnell auf seiner Seite zu haben.

Ihm zur Seite steht Frank Wolff [→ EIN DOLLAR ZWISCHEN DEN ZÄHNEN], der als 'Schwarzer Tracy' eine erneute Glanzleistung abliefert und einen durch und durch undurchsichtigen Charakter verkörpert, für den man abwechselnd sowohl Anteilnahme als auch Abscheu empfindet – eine Paraderolle für den in den USA geborenen Schauspieler, dem, vor allen in Western, häufig der Part des Antagonisten zufiel, wobei es ihm meistens gelang, seine Figuren nicht in einem tumpen Klischee erstarren zu lassen, sondern ihnen eine psychologische Vielschichtigkeit zu verleihen. Doch auch in positiven Rollen konnte Wolff überzeugen. Am 12. Dezember 1971 nahm er sich das Leben. Er wurde nur 43 Jahre alt.

DIE ZEIT DER GEIER ist weniger klassisches Abenteuerkino, als eine zwar nicht immer glaubhafte, doch sorgfältig entwickelte Charakterstudie, die von dem höchst ambivalenten Verhältnis seiner Figuren zueinander lebt. Und obwohl das staubige Spektakel für Actionfreunde auch ausreichend Pulverdampf und Munitionsverbrauch bietet, resultiert das Großmaß an Spannung doch aus seiner faszinierenden Ereigniskette: Eine zunächst harmlos scheinende Eifersüchtelei und die Lüge einer gekränkten Frau setzt einen unaufhaltsamen Prozess in Gang, führt zur einer von Blut und Blei gesäumten Selbstfindungsreise eines jungen Mannes, und resultiert schließlich in einem exzessiven Gemetzel, welches das Leben unzähliger Menschen ändern wird oder enden lässt.

Ein paar Eigenartigkeiten muss man schon hinnehmen (so erweist sich Kitosch, als Tracy ihm das Schießen beibringen möchte, als geübter Scharfschütze - woher er diese Fähigkeit hat und warum er sie zuvor niemals angewendet hat, bleibt bis zum Schluss ungeklärt), doch hat man es hier dennoch mit einem von Anfang bis Ende packenden Revolvermärchen zu tun, dass aufgrund seiner erfrischenden Brechung dogmatischer Genreregeln und seiner ambivalenten Charakterzeichnung zu einem packenden Erlebnis wird und dessen herzzerreißendes Ende noch lange im Gedächtnis bleibt. DIE ZEIT DER GEIER ist eine gute Zeit.

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Re: Zuletzt gesehener Western

Beitrag von Barakidon » Di 21.01.2014, 19:36

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Bandit Graham Dorsey ist mit seinen Kumpanen auf dem Weg zu einem Banküberfall, als sein Pferd plötzlich lahmt. Sie kommen am abgelegenen Haus von der hübschen Witwe Amanda Starbuck vorbei. Dorsey verschweigt, daß dort im Stall ein Pferd für ihn stehen würde, denn er hat die Nacht zuvor geträumt, daß der Überfall schief geht. Außerdem findet er Gefallen an der attraktiven Witwe und lässt die anderen den Überfall allein durchführen, während er mit Amanda die schönsten 3 Stunden seines Lebens verbringt.

Der Überfall geht tatsächlich schief, Dorseys Freunde werden erschossen und aufgrund einer Verwechslung hält man auch Dorsey für tot. Dorsey wiederum landet anstelle eines anderen Verbrechers für 1 Jahr im Knast. Amanda, die Graham ebenfalls für tot hält, schreibt ein Buch über diese wundervolle 3-Stunden Affaire, Ihre kurze große Liebe und seinen Tod, welches zum Bestseller wird und überall im Land sogar als Theaterstück aufgeführt wird.

Doch nach einem Jahr Gefängnis kehrt Graham wieder zurück. Amanda will sich jedoch ihre tragische Geschichte von einen plötzlich lebenden Graham Dorsey nicht zerstören lassen und tut so als ob sie ihn nicht kennt...
Spoiler:
Sie tötet sich selber, worauf Graham völlig durchdreht und letztlich im Irrenhaus landet.



Eine romantische Westernkomödie mit einem "untypischen" Charles Bronson, der hier an der Seite seiner Frau Jill Ireland spielt. Western- und Komödienelemente halten sich jedoch zurück, hier kommt weitgehendst Romantik und auch Tragödie zum tragen.

Der Film floppte seinerseits in den Kinos, wahrscheinlich weil Charles Bronson hier mal nicht der eiskalte Rächer ist. Unverständlich für mich. Denn das ist einer der schönsten Filme diese Genres den ich je gesehen habe. Die Liebesgeschichte die sich in den 3 Stunden aufbaut - eben zwischen Zwölf und Drei - ist einzigartig in Szene gesetzt. Und das Ende - der allerletzte Satz der gesprochen wird (den ich aber hier nicht verrate) - bleibt einem noch einige Zeit im Gedächtnis hängen - mir ging es jedenfalls so. Denn dann wird einem klar, daß manchmal eine gute Geschichte mehr wert ist, als die Wahrheit.

Ganz klar +++ +++ +++ +++
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Filmemacher sollten bedenken, dass man ihnen am Tag des Jüngsten Gerichts all ihre Filme wieder vorspielen wird.

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