Zuletzt gesehene Sci-Fi und Fantasy-Filme 1895 - 1995

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Dschungeldrache
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Re: Zuletzt gesehene Sci-Fi und Fantasy-Filme 1895 - 1995

Beitrag von Dschungeldrache » Sa 11.03.2017, 01:46

XXX Von der Erde zum Mond XXX

Ursprungsland: USA
Enstehungsjahr: 1958
Originaltitel: "From the earth to the moon"
Drehbuch: Robert Blees, James Leicester
Vorlage: Roman "Von der Erde zum Mond" von Jules Verne
Darsteller: Joseph Cotten (Victor Barbicane), George Sanders (Stuyvesant Nicholl), Debra Paget (Virginia Nicholl), Don Dubbins (Ben Sharpe), Patric Knowles (Josef Cartier), Carl Esmond (Jules Verne), Henry Daniell (Mr. Morgana), Melville Cooper (Mr. Bancroft), Ludwig Stössel (Aldo Von Metz), Morris Ankrum (Präsident Ulysses S. Grant), Robert Clarke (Erzähler), Les Tremayne (Countdownzähler)
Kamera: Edwin B. DuPar
Design: Hal Wilson Cox
Kostüme: Gwen Wakeling
Kostümverwaltung: Georgette Fillon
Ton: Weldon Coe
Spezialeffekteleitung: Lee Zavitz
Kopiereffekte: Albert Simpson
Produzent: Benedict Bogeaus
Regie: Byron Haskin
Regieassistent: Nacio Real
Bild: 35 mm Film, Farbe, Kopien verm. im Technicolor Druckverfahren, Bildformat Aufnahme 1 : 1,37, Wiedergabe Kino 1 : 1,85, Wiedergab Fernsehen 1 : 1,33
Vertrieb in USA: Warner Brothers
Dauer: 99 Minuten


Ein guter Kontrast kann manchmal das Salz in einem Spielfilm sein: ein schlanker Stan und sein dicker Ollie, Der gute Ben Obi Wan Kenobi und der notorisch böse Darth Vader, harscher Godzilla und plüschige Mothra...

Im Falle dieses Spielfilmes jedoch ist der gute Kontrast sein Untergang. Selten kämpfen teure Kulissen derart mit halbfertigem Drehbuch, widersprechen sich Charaktere derart ständig selbst, werden derart eklatant hohe Erwartungen des Zuschauers abgrundtief enttäuscht.

Nicht ganz unschuldig an diesem Dilemma ist sicherlich die Tatsache, daß es sich bei "Von der Erde zum Mond" um den letzten produzierten Spielfilm der RKO Gesellschaft handelt, der Filmgesellschaft, der wir "King Kong" zu verdanken haben, und die - gemäß vieler Quellen - von dem reichen Industrieerben Howard Hughes kaputtgewirtschaftet wurde.


Dabei beginnt die Sache eigentlich recht vielversprechend im Vorspann mit einem aufwendig verzierten Buche, das - sehr sehr klassisch - aufgeschlagen wird, um uns so Titel und Mitwirkende des Filmes zu präsentieren. Zu diesen Mitwirkenden gehört auch der liebe Joseph Cotton, der sich jahrzehntelang durch so manche Genreproduktion gespielt hat, und insbesondere als Captain Mc Kenzie des U-Bootes Alpha in "U 4000" in Erinnerung ist.

Nach diesem Vorspann also trifft irgendwo im amerikanischen Westen ein Zug in einem kleinen Landbahnhof ein. Es ist wenige Jahre nach Beendigung des amerikanischen Bürgerkrieges. Victor Barbicane wird von seinem Partner Jules Verne begrüßt und stößt zu den Gästen, die bereits in seiner aufwendigen Villa verwöhnt werden. Im Speisesaal eröffnet er diesen Branchenkollegen aus der Rüstungsindustrie seinen kühnen Plan: Er möchte seinen neuen, extrem starken Sprengstoff "Power X" mit einer Rakete zum Mond schicken, da er nur dort gefahrlos getestet werden könne. Seine Rakete soll ebenfalls durch diesen... ähhh... Sprengstoff ? angetrieben werden. Mit diesem kühnen Plan käme die Rüstungsindustrie auch in Friedenszeiten wieder gut ins Geschäft.

Ein weiterer Rüstungsindustrieller, Stuyvesant Nicholl, erfährt von Barbicane's Plänen und klagt einem Reporter sein Leid: Er will Barbicane duellieren, da sein Power X Plan die Habsucht und Gier in der Welt forcieren würde (Aha, Stuyvesants Firma und seine Villa sind also auch nur lästige Anzeichen widerlichen Wohlstandes, die Nicholl schweren Herzens erträgt oder so ähnlich...). Immerhin aber kann Barbicane ohne die hitzebeständige Keramik von Nicholl seine Rakete gar nicht losschicken. Aber egal... Barbicane soll trotzdem sterben. Dies macht Nicholl auch dem amerikanischen Parlament klar... zumindest sieht das einen Augenblick lang so aus. Just dann aber beschwört Nicholl stattdessen den Zuschauer des Filmes, erzählt ihm sogar, daß er Barbicane hereinlegen und täuschen werde. Dumm nur, daß Barbicane direkt daneben sitzt und so von dem Täuschungsplane Nicholl's erfährt... Aber egal, Barbicane hat ein Gedächtnis wie ein Sieb, denn von nun an hat er vom Täuschungsmanöver seines Gegenspielers keine Ahnung mehr (Jetzt erst mal tiiiiiieeef durchatmen).

Einige Zeit später soll Power X in einem Steinbruch getestet werden. Ähhh... ganz so gefährlich scheint Power X dann doch nicht zu sein, schliesslich sollte ein Test ursprünglich nur auf dem menschenleeren Mond möglich sein. So wird die Testgranate unter strahlender Sonne und zwischen zwitschernden Vögeln mit Power X beladen. Wo übrigens in der trockenen, felsigen Gegend zwitschernde Vögel sitzen sollen, weiß wohl nur der Toningenieur... . Nach ausführlichen Warnungen um die Gefährlichkeit des Experimentes entfernen sich die Gäste von der tödlichen Granate, neben der sie gerade noch seelenruhig standen, in einen Bunker. Die Granate wird gezündet, ein ganzer Berg fliegt in die Luft.

In einem ausgetrockneten Salzsee hat Barbicane seine Werstätten eingerichtet. Hinter Explosionsschutzwänden testet er eine Keramik, die die Rakete beim Wiedereintritt in die Atmosphäre schützen soll. Die Schutzwände freilich schützen die Anwesenden lediglich bis zur Augenhöhe. Im Falle einer Explosion wären die obere Schädeldecke damit Geschichte, aber das menschliche Genie sitzt vermutlich in der Kniekehle, da ist das ja nicht so schlimm.

Bei einer öffentlichen Präsentation des Projektes begrüßt Barbicane das Volk, wodurch dieses alleine schon in orgasmischen Jubel ausbricht. Kaum gegrüßt wird Barbicane unvermittelt zum amerikanischen Präsidenten gebeten, der sich mit seinem Präsidentenzug in einigen Stunden Entfernung befindet.

Nun wetteifern Barbicane und der Präsident darum aneinander vorbeizureden. Angeblich kann die Rakete gar nicht den Mond erreichen, trotzdem sind die Menschen panisch. Power X könnte die militärischen Potenzen auf der Erde verschieben, oder auch nicht, wenn die Rakete auf die Erde stürzen würde. Barbicane sind eventuelle Kriege darum egal, wichtig ist ihm alleine sein Projekt. Nicht egal aber sind ihm die Waffen, die er im Bürgerkrieg geliefert hat. Also ist er ein Kriegsgegner... oder doch nicht ? Er ist Waffenfabrikant und möchte einen neuen Sprengstoff perfektionieren, der aber angeblich keinen militarischen Absichten dient... Na, vielleicht weiß er selbst noch nicht so recht, wo er mal stehen möchte... . Der Präsident will das Projekt beenden, 10 sekunden nachdem es ihm noch egal war, ob Barbicane die Rakete startet. Der Präsident warnt Barbicane davor, daß er keine Unterstützung von ihm erfahren werde, eine Minute später jedoch gibt er seinen Segen zu dem Projekt (Ja, der weiß wohl auch nicht so recht, wo er eigentlich stehen möchte...). Jedenfalls gibt es Nationen, die das Projekt Rakete als Kriegserklärung verstehen würden.

Barbicane lauscht mit seinen Investitionspartnern den Protesten des Volkes vor seiner Villa. Seine Partner wollen Barbicane in der Not helfen, und bieten ihm einen hohen Kaufpreis für sein Patent auf Power X an. Wer dann den neuen Eigentümern des Patentes gegen das wütende Volk helfen soll, was also dadurch besser werden soll, bleibt der Fantasie des Zuschauers überlassen.

Barbicane besucht seinen Gegenspieler Nicholl in dessen Villa, um ihn zur Zusammenarbeit zu überreden (Wollte der nicht ursprünglich freiwillig mit ihm zusammenarbeiten, um ihn zu hintergehen ?). Barbicane verrät seine sensationelle Idee: Die hitzebeständige Keramik von Nichol müsste einfach... auf der Rakete befestigt werden, müsste sie umhüllen. Ein unglaublicher Geniestreich ! Andere wären sicher auf die Idee gekommen, die Keramik in die Polster der Sitzbänke zu stopfen, um so die Rakete vor Reibungshitze zu schützen. Aber sie außen auf der Rakete anzubringen... das ist das Ei des Kolumbus.

Das überzeugt auch Nicholl, und so wird nach seinen Kenntnissen die Keramik gefertigt. Parallel wird noch flugs eine Liebesromanze zwischen Barbicanes Assistent Ben Sharpe und Nichols Tochter Virginia gefertigt. Eine Beziehung, die aus dem Nichts auftaucht, weil dem Drehbuchautor gerade noch eingefallen ist, daß er das Mädel später noch braucht. Dementsprechend schleicht sich Virginia auch sogleich pflichtschuldig an Bord der Rakete Columbia und versteckt sich in einem Raumanzug. Kurze Zeit später wird die Rakete in ein Abschußrohr herabgelassen. Gerade noch genug Zeit, um die Raumfahrer Nicholl und Sharpe durch die kreisrunden, NEBENEINANDER liegenden Räume der Zylinderförmigen Rakete zu führen. Offensichtlich ist diese Rakete des 19. Jahrhunderts mit einer Dimensionserweiterung a la Dr. Who'scher Tardis ausgerüstet. Wordurch sie im Innern deutlich größer ist als von außen. Raffiniert... In der "Schleuse" angelangt lernt Nicholl nun zum ersten mal die schicke Dreikammer-Waschmaschine von Barbicane kennen, die durch Rotation um eine außerhalb der Körper der Raumfahrer gelegene Längsachse den Beschleunigungsdruck beim Start erträglich machen soll. Das ist Raumfahrt für echte Männer: Einsteigen, loslegen, scheiß auf Ausbildung oder Vorbereitung.

Nachdem nun ein Schreihals tatsächlich die ganzen 60 Sekunden vor dem Start abgezählt hat, wird die Rakete gestartet. Die Raumfahrer verlassen ihre Rotationskammern. Barbicane hat so nebenher auch noch eine künstliche Schwerkraft erfunden, wodurch sich die Raumfahrer im schwerelosen All wie gewohnt bewegen können. Barbicane freut sich, daß die Verspätung der Rakete geringer ausfällt als gedacht. Auf die Idee, einfach früher zu starten, um so gar nicht erst eine vermutete Verspätung entstehen zu lassen, ist er wohl nicht gekommen. Egal... trotz Verspätung trinkt man nun erst mal Champagner. Ein Toast von Barbicane auf den Tod...

Bedrohliche Geräusche aus dem Maschinenraum deuten die Sabotage an, die Nichol zu verantworten hat. Nicholl will damit die Welt retten. Nun taucht auch noch ein Gasleck auf. Bei der Gelegenheit entdeckt Ben Sharpe den blinden Passagier Virginia Nicholl in ihrem Raumanzug, die offensichtlich auf die unverzichtbaren Beschleunigungskammern verzichten konnte. Gut frisiert und rotwangig bereichert ihr Charme die Besatzung (Deshalb also musste die sich noch flugs verlieben...). Mit der Intelligenz einer Blondine erklärt sie, sie habe das Raumschiff betreten, da sie befürchtete Ben und ihr Vater würden von dieser Reise nie mehr zurückkehren. Mit anderen Worten, sie wusste, diese Raketenreise würde vermutlich ihr eigener Tod sein, trotzdem empfindet sie nun die Reise als nicht gefährlicher als einen Pferderitt. Blonde Logik...

Erneut macht die Rakete durch Schwankungen Schwierigkeiten. Nicholl hat einen Synchronisierungsbolzen entfernt, was die Triebwerke aus dem Gleichgewicht bringt. Barbicane grübelt an einer Lösung, blickt dabei auf die Erde, die hinter dem Raumschiff liegt, aber so nett ist, seitlich am Fenster aufzutauchen... . Ben und Barbicane versuchen durch eine Bypas- Leitung das Raumschiff zu reparieren.

Nicholl spricht sich aus mit seiner Tochter. Seine Handlungen würden gar durch Gott selbst gelenkt. Virginia ist unvermittelt der Meinung er würde seine Handlungen bereuen. Im Gespräch mit Barbicane entdeckt nun Virginia wenigstens die Schönheit des Todes im Weltraum (Entzückend). Die Columbia wird von Meteoren getroffen. Ohne Erklärung setzt sich dadurch der Reaktor der Rakete wieder in Betrieb.

Barbicane stellt Nicholl Unterlagen zur Verfügung, die ihm klar machen sollen, daß hinter Power X keine finanziellen Interessen stünden. Dummerweise aber hätte Barbicane bei erfolgreicher Durchführung seines Planes trotzdem finanziell enorm profitiert. Das soll aber angeblich nur so eine Art lästiger Nebeneffekt sein, denn durch den zahlreichen Verkauf von Power X an interessierte Weltmächte hätte Barbicane ein Gleichgewicht des Schreckens unter diesen Mächten schaffen wollen. Nun aber spielt das keine Rolle mehr, da laut Barbicane die Raumfahrer sowieso dem Tode geweiht seien.

Unerklärlicherweise bleiben nun alle Uhren an Bord der Rakete stehen. Im Maschinenraum kommt es zu unkontrollierten elektrischen Entladungen. Nicholl stellt die Entladungen ab, die Barbicane gefangen hatten. Eine neue Überraschung: Die Rakete treibt auf den Mond zu ! Nun ja, einige Minuten zuvor sagte Barbicane noch, sie würde den Mond verfehlen... Man kommt nicht zur Ruhe, ein Schock jagt den nächsten.

Barbicane sieht noch eine Chance. Er möchte die Geschosse abfeuern um so Gewicht zu verlieren. Nicholl träumt eigene Träume von verlorenem Antrieb, der die Rakete in einem Meteorschauer (von dem keiner was weiß) verglühen liese... . Nicholl verabschiedet sich von seiner Tochter, obwohl er lediglich ein paar Geschoße abfeuern möchte. Barbicane und Nichol aber "Können nichts mehr tun außer zu warten" (Worauf sie warten erfahren wir leider nicht). Und so beschwört Barbicane erneut seinen Galgenhumor.

Von alleine arbeitet nun der Reaktor wieder (Von dem wir gar nicht wussten, daß er schon wieder ausgefallen war). Ben und Virginia ahnen, daß Barbicane und Nichol "es" geschafft haben. Was genau sie geschafft haben sollen bleibt aber rätselhaft. Die Erde beobachtet Explosionen auf dem Mond. Ob von Power X oder vom Raumschiff bleibt unsicher. Ben meint, Barbicane und Nicholl seien nicht mehr an Bord. Wie nun dieses geschehen sein soll, wird auch wieder nicht erklärt. Die Rakete hat keine Schleusen, und Militärgranaten haben keine Sitzplätze. Ben aber sieht, wie die Geschosse, in denen sich Barbicane und Nicholl zwangsläufig befunden haben müssen, auf dem Mond explodieren. Virginia schmeißt sich an Ben's Brust und schlußfolgert scharfsinnig, daß diese Insassen explodierender Geschosse überlebt haben müssen (Ob sie wohl an Sauerstoffmangel leidet !?).

Barbicanes Partner Jules Verne spricht das philosophische Schlußwort zu Barbicane's anderen Partnern und zum Zuschauer: Wissenschaftler hielten sich nur an Fakten, wichtiger aber sei... die Vorstellungskraft.


Jo, und die braucht man auch, wenn man nach 30 Minuten bemerkt, daß man nocht immer quälende 70 Filmminuten voll gequirlten Unsinnes vor sich hat. Tatsächlich sind die Logiklöcher und widersprüchlichen Charakterzüge so stark ausgeprägt, daß man schon eher glauben muß, 3 Regisseure hätten zugleich ohne jegliches Drehbuch Teile des Filmes abgedreht. Und daß danach ein armer Schneidemeister mit Revolver dazu gezwungen wurde zusammenzufügen, was sich beim besten Willen nicht fügen will.

Sicher war dies nicht von Anfang an so, denn der Film kommt nicht nur stümperhaft daher, sondern hat auch einige aufwendige Szenen mit sehr hübschen Kulissen des Großbürgertums zu bieten, ebenso wie auch augenschmeichelnde, aufwendige Kostüme des 19. Jahrhunderts. Irgendwo zwischendrin aber muß die Entscheidung gefallen sein, die RKO dichtzumachen, das Drehbuch wegzuschmeißen, und das gedrehte Material mit Hilfkräften gerade noch soweit zu komplettieren, daß man das ganze als Spielfilm an den Mann bringen konnte, um die Verluste zu minimieren.

Schade, denn so ambitioniert zu Ende gebracht, wie dereinst angedacht, hätte daraus ein gemütlicher Film werden können, den man gerne mit Disney's "20.000 Meilen unter dem Meer" in einem Atemzug genannt hätte.

So aber bleibt kein großes Erbe übrig. Bleibenden Eindruck hat lediglich die Kulisse der rotierenden Beschleunigungskammern gemacht, die später in dem billigen mexikanischen Science-Fiction-Amazonenstreifen "La Nave de los monstruos" (Das Schiff der Ungeheuer) wiederverwendet wurde. Das ist sicher damit zu erklären, daß die Dreharbeiten in Mexiko durchgeführt wurden. Die durch's All sausende Rakete ist die vermutlich am schlechtesten simulierte aller Zeiten. Sie besteht aus einem Raketenmodell an einem langen, SICHTBAREN Stab, gegen das von unten - JA, VON UNTEN - Flammen geworfen werden. Wie das physikalisch als Antrieb funktionieren soll, hätte nicht mal Einstein gewusst. Den Schauspielern kann man keinen großen Vorwurf machen. Sollte es hier und da mal an Talent gemangelt haben, geht das zumindest in dem übrigen Blödsinn völlig unbemerkt unter. Joseph Cotton und George Sanders versprühen zumindest sekundenweise die Aura, die man Autoritätspersonen zuspricht. Neben der wenigen wohl originär komponierten Musik wird der Zuschauer mit wiederverwendeten, sogenannten "Tonalitäten" aus dem Science-Fiction Film "Alarm im Weltall" bedient. Diese können immerhin hier und da eine Atmosphäre von Gefahr und Unsicherheit erzeugen.

Und immerhin im Gedächtnis bleibt der Film möglicherweise auch, da er so viele Fragen aufwirft, die unbeantwortet bleiben:

- Wieso brauchen die männlichen Raumfahrer eine Beschleunigungskammer, die weibliche Raumfahrerin aber nicht ?
- Wieso bleiben zur gleichen Zeit alle Uhren an Bord der Rakete stehen ?
- Wieso lässt Nicholl Barbicane erfahren, er habe vor ihn zu täuschen ? Und wieso erinnert sich Barbicane nicht mehr daran ?
- Wieso ist Power X so gefährlich, daß es auf dem Mond getestet werden muß, dann aber denoch zuerst auf der Erde getestet wird. Ja was denn nun ?
- Was ist mit den Nationen, die den Start der Rakete als Kriegserklärung auffassen wollten ? Gibt's nun Krieg oder nicht ? Jedenfalls hört man nie wieder was davon...
- Was sind Barbicane's Motive ? Er will gute Geschäfte mit Waffen in Friedenszeiten machen. Angeblich aber hat er gar kein Interesse an guten Geschäften. Er will die Erde durch Power X zu einem Paradies machen, und hofft dazu auf ein zerstörungspotential, das jeden Menschen töten könnte. Was zum Teufel will der Mann eigentlich ?
- Wie entwickelt sich Nicholl ? Angeblich bereut er, aber dafür haben wir nur die Aussage seiner Tochter. Er wollte Barbicane töten, was er aber nicht tut. Und dann hilft er ihm sogar bei diesem "Monddingens", von dem wir nicht erfahren was es eigentlich ist.
- Was ist Power X ? Angeblich ist es ein gewaltiger Sprengstoff. Oder doch eher ein Raketentreibstoff ? Es wurde auf der Erde und im All erfolgreich getestet. Trotzdem soll noch ein Test auf dem Mond notwendig sein !?
- Wie definiert man "überleben" ? Angeblich sind Nicholl und Barbicane mit Explosivgranaten auf dem Mond eingeschlagen. Und angeblich überlebt man sowas... . Und wenn man es überlebt, hat man ein Leben in Einsamkeit und mit begrenzten Nahrungs- und Sauerstoffvorräten auf dem Mond vor sich, worüber sich Virginia ganz dolle freut. Hach, Frauen und Technik...

Aber auch die jüngere, deutsche Bearbeitung, mit dem Synchronsprecher für Victor Barbicane, "der jede Sekunde seine dritten Zähne zu verlieren scheint", ist eher nur etwas für filmhistorisch Interessierte oder Joseph Cotton Komplettisten. Es ist auch nicht auszuschließen, daß diese Bearbeitung ihr eigenes zu diesem hanebüchenen Unsinn beigetragen hat.

Somit wurde also die quälende Frage beantwortet, ob sich mit diesem erst kürzlich in Deutschland veröffentlichten Film vielleicht jahrzehntelang ein ungesehenes Juwel verborgen hatte:

Nein, das ist kein solches Juwel, nicht mal ein Modeschmuck. Das ist eher eine Tätowierung im Intimbereich, die man ganz gerne mal sehen möchte... nur um dann festzustellen, daß sie doch nicht ganz das Wahre ist.


(Nachdem dieses php Dingsbums 2 Monate an Forenbeiträgen gefressen hat, restauriere ich hiermit meine Filmbesprechung vom 7.2.2017)

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mario-pana
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Re: Zuletzt gesehene Sci-Fi und Fantasy-Filme 1895 - 1995

Beitrag von mario-pana » Mi 19.04.2017, 05:15

Schon wieder im falschen Thread gewesen. :?

RobotJox – Die Schlacht der Stahlgiganten (USA / 1989)

„Zerstören und Verbrennen!“ „Zerstören und Verbrennen!“

Diese drei Worte werden im Gedächtnis hängen bleiben, wenn Ihr euch den Film anschaut.
Es ist der Schlachtruf der Fighter, die sich in riesigen Robotern in Arenen beharken.

Es ist in einer nicht näher bezeichneten Zukunft. Politische Streitigkeiten werden in diesen Arenen beigelegt, nicht mehr auf dem Schlachtfeld.
In einem solchen Kampf trifft der amerikanische Superfighter Achilles auf seinen Erzrivalen den russischen Champion Alexander.
Der Fight ist hart und endet in einer Tragödie, für die sich Achilles die Schuld gibt. Daraufhin hängt er das Kämpfen an den Nagel. Er streckt die Waffen und verkriecht sich hinter Freund Alkohol.
Da tritt Athena auf die Bildfläche, das Produkt der fortgeschrittenen Genforschung. Sie möchte an seine Stelle treten. Doch niemand traut es ihr zu, den Riesenroboter zu steuern.
In einem neuerlichen Fight gegen Alexander möchte es Athena allen beweisen. Doch der Fight nimmt gefährliche Formen an.


RobotJox hatte ich vor einigen Monaten in der Amazon Prime Videothek gefunden. Ich lag gerade mit Grippe im Bett und wollte mich ablenken. Den Film hatte ich in der Vergangenheit immer wieder einmal auf dem Schirm, bei meiner Suche nach Gunhed einem japanischen SF Streifen, der Ähnlichkeiten zum Terminator Universum aufweist.
RobotJox wirklich eine Chance gegeben hatte ich nicht. Das änderte sich nun.
Ich war angenehm überrascht. Schon in den ersten Minuten. Denn ich traute meinen Augen kaum, die Riesenroboter beharken sich zuweilen in Stop Motion. Ein Bonus, der im Film noch ein zweimal auftauchen wird. Gemeinsam mit Modellaufnahmen ist es gut getrickst, in diesem kleinen Film.
Klein deshalb, weil er wegen den kleinen Sets etwas beengt wirkt. Offenbar war hier kein sonderlich hohes Budget vorhanden. Doch Regisseur Stuart Gordon (Re-Animator / Fortress – Die Festung) hat das vorhandene Gut genutzt. Vielleicht reißt die Story keine Bäume aus. Doch sie reicht um kurzweilig zu unterhalten. Und wird gut getragen von Gary Graham als Achilles und Anne-Marie Johnson als Athena. Letztere ein hübscher Hingucker.
Der eigentliche Star sind natürlich die Riesenroboter. Wie erwähnt, toll animiert.
Alles in allem ist RobotJox gelungene SF Unterhaltung der endenden 80er.

Die BluRay von explosive media ist außerdem einen Blick wert, denn die Bildquali kann ich nur als sehr gelungen bezeichnen. Der Ton gefällt zudem mit gut klingendem 2.0. An Extras gibt es Kinotrailer, Bildergalerie und nen Pappschuber.
Kann man nix falsch machen.

Film: +++ +++
BluRay: +++ +++

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