Zuletzt gesehenes Drama

Eine Film-Welt jenseits der Monstren, Mumien und Mutationen.
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Space_Godzilla
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Re: Zuletzt gesehenes Drama

Beitrag von Space_Godzilla » Di 07.04.2015, 15:12

Abschaum – Höllenloch der Gewalt (1979) +++ +++ +++

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Carlin kommt zusammen mit einigen anderen in eine Besserungsanstalt für Jugendliche. Dort herrschen Gewalt und ein harter Umgang untereinander vor. Um in dieser Hölle nicht unterzugehen, muss Carlin sich nach oben kämpfen und behaupten..

Schockierend, roh und ungerecht: das ist Abschaum – Höllenloch der Gewalt. Ein Film, der unter die Haut geht, weil er ein Abbild der Realität war und mancherorts vielleicht immer noch ist. Von der ersten Sekunde an wird klar, dass die Aufseher und Anstaltswärter keinen Deut besser sind als die Insassen, vielleicht sogar noch viel schlimmer. Eine zermarternde Mischung aus psychischer und physischer Gewalt, sowie der ausgesprochene Satz, sie wären hier nur eine Nummer, machen den Jugendlichen unmissverständlich klar, dass sie hier menschenunwürdig behandelt werden; dass sie nur eben jenes sind: Ein Nummer in einem ungerechten System.

Carlin hat zunächst einen schweren Stand, denn die Zimmergenossen, unter ihnen der Obermotz des Flügels, genannt „Daddy“, haben längst ein Auge auf ihn geworfen und wollen ihn am liebsten mucksmäuschenstill in der Ecke sehen. Doch Carlin begreift schnell, dass er untergehen wird, wenn er sich nicht von Anfang an behauptet und kämpft sich mit der Zeit in der Hierarchie immer höher. In dieser Anstalt regiert die Gewalt, und zwar so lange, bis eine größere, stärkere an ihre Stelle tritt.
Ganz anders ist Archer, ein etwas älterer Insasse, der sich aus Gewaltdelikten raushält und versucht, das beste aus seinem Aufenthalt zu machen – in dem er den Aufsehern und dem Anstaltsleiter so oft wie möglich auf den Geist geht und ihnen unverblümt vor Augen führt, was hier wirklich passiert (ohne Erfolg, versteht sich). Seine Figur ist herausragend ausgearbeitet und dargestellt, denn seine Aussagen gelten sicher nicht nur im Rahmen dieser oder anderer Anstalten noch ausschließlich zum damaligen Zeitpunkt.

Der Gewaltgrad ist für einen Film, der ursprünglich als TV-Ausstrahlung geplant war (obwohl diese Version hier nochmal eine gesteigerte darstellt, nachdem die Ausstrahlung verhindert wurde) außerordentlich hoch. Das geht etwa ein Drittel des Films so, in dem hauptsächlich der Gefängnisalltag dargestellt wird. Danach zieht er ein wenig die Bremse, geht sehr in die Tiefe und beschäftigt sich passend dazu zunehmend mit Archer. Dann geschieht ein Selbstmord, der einen noch nicht direkt aus der ruhigeren Phase herausreißt, denn danach beruhigt sich „Scum“, wie er im Original heißt wieder.

Der tatsächliche Paukenschlag kommt gegen Ende des Films, als ein etwas jüngerer „besserungsbedürftiger Jugendlicher“ in einem Gewächshaus von drei! älteren Mitinsassen brutal vergewaltigt wird und trotz Beobachtung eines Aufsehers danach links liegen gelassen. Anschließend zeigt eine endlos scheinende Sequenz die seelischen und körperlichen Schmerzen, mit denen er in seinem Zimmer zu kämpfen hat. Als er merkt, dass von der Nachtaufsicht auch keine Hilft zu erwarten ist, macht er seinem Leben ein Ende. Der anschließende Essensstreik und die Randale im Speisesaal aller Insassen haben lediglich zur Folge, dass diese abgewartet, die Beteiligten zusammengeschlagen und in Einzelzellen verfrachtet werden. Die Schlusssequenz zeigt nur noch die heuchlerische Schweigeminute für den „verstorbenen Freund“, doch „solche Vorfälle passieren in Anstalten wie dieser und werden es auch weiterhin“.

Ein durchweg atem(be)raubender Film, der härter daherkommt als vieles aus dem Bereich Horror. Die Darsteller sind allesamt großartig und verkörpern ihre Rollen mehr als glaubwürdig. Äußerst empfehlenswert, wenn man Filme mit Gehalt mag, die weniger unterhalten, als vielmehr Missstände aufdecken und zum Nachdenken anregen wollen.

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Re: Zuletzt gesehenes Drama

Beitrag von Barakidon » Di 07.04.2015, 17:41

Tolles Review - wie alle deine Filmbesprechungen. +++ Aber du solltest manche Sachen spoilern, denn wenn ich schon vorher weiß was passiert (z.B. im Gewächshaus), brauche ich mir den Film eigentlich nicht mehr anschauen. :cry:
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Filmemacher sollten bedenken, dass man ihnen am Tag des Jüngsten Gerichts all ihre Filme wieder vorspielen wird.

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Re: Zuletzt gesehenes Drama

Beitrag von Space_Godzilla » Di 07.04.2015, 19:36

Barakidon hat geschrieben:Tolles Review - wie alle deine Filmbesprechungen. +++ Aber du solltest manche Sachen spoilern, denn wenn ich schon vorher weiß was passiert (z.B. im Gewächshaus), brauche ich mir den Film eigentlich nicht mehr anschauen. :cry:
Vielen Dank. Aber du hast selbstverständlich recht. Meist denke ich da gar nicht dran, ich versuche mich nur bei ganz neuen Filme mit genauen Beschreibungen zurückzuhalten, aber das ist wohl ein Fehler :?
Ich versuche, es in Zukunft zu beherzigen.

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Re: Zuletzt gesehenes Drama

Beitrag von Barakidon » Fr 10.04.2015, 18:03

CACHÉ - VERSTECKT (F/A/D/I 2005)

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Der Pariser TV-Moderator Georges erhält mehrere Videos - eines davon ist in eine Kinderzeichnung gewickelt, auf der ein Junge aus dem Mund blutet. Absender unbekannt. Die Bänder zeigen stundenlange Aufnahmen des Hauses, in dem Georges mit Ehefrau Anne und seinem Sohn lebt. Wer beobachtet die Familie? Und warum? Georges und Anne versuchen, es herauszufinden, doch die vage Angst nährt das Mißtrauen zwischen ihnen...

Psychodrama, welches das lange Zeit tabuisierte Massaker von Paris im Oktober 1961 aufgreift, bei dem über 200 Algerier getötet wurden. Das Bild bürgerlicher Sicherheit wird hier beklemmend, nervenaufreibend und subtil erschüttert. Eine ziemlich unheimliche Mischung aus inzenatorischer Kälte und emotionaler Fiebrigkeit.

Ein schockierender Hieb in die kultivierte Fassade. +++ +++
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Re: Zuletzt gesehenes Drama

Beitrag von Barakidon » Sa 11.04.2015, 08:21

GRZIMEK (D 2015)

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Er war der liebe Onkel im deutschen Fernsehen: Mit allerlei lebendem Getier auf dem Moderationstisch präsentierte Bernhard Grzimek jahrzehntelang EIN PLATZ FÜR TIERE. Hier mahte er, daß Flora und Fauna bedroht sind. Dieses Biografiedrama zeigt auch den Mann hinter dem TV-Gesicht. Grzimek betrieb sein Engagement obsessiv, ordnete ihm alles unter: Die Ehe mit Hilde, die Kinder, zahllose Affären. Mit Sohn Michael drehte er die Oscar-gekrönte Doku SERENGETI DARF NICHT STERBEN. Nach dessen Unfalltod verliebte er sich in die Witwe Erika, dabei zerbricht seine Ehe endgültig.

Die bewegte Biografie wird zwar starr abgearbeitet, aber Ulrich Tukur bringt viel Charisma ein, um den Mann, der die Tiere stets besser verstanden hat als die Menschen, glaubhaft zu verkörpern.

Eine facettenreiche Charakterstudie und würdige Hommage an eine Tierschutz-Ikone. +++ +++
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Re: Zuletzt gesehenes Drama

Beitrag von Antropophagus » Sa 11.04.2015, 10:11

Erste Hauptrolle...Ulrich Tukur...
Zweite Hauptrolle...Die Zigarette... :mrgreen:
Ich glaube selbst in ner Doku über Helmut Schmidt würde nicht mehr gequalmt werden... :-P
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Re: Zuletzt gesehenes Drama

Beitrag von Barakidon » Sa 11.04.2015, 17:15

Stimmt schon, aber ich glaube ich irgendwann mal gelesen oder gehört zu haben, daß Grzimek Kettenraucher war. Abgesehen davon hat damals doch - anders als heutzutage - fast jeder gequalmt.
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Re: Zuletzt gesehenes Drama

Beitrag von Antropophagus » Sa 11.04.2015, 17:24

Barakidon hat geschrieben:Stimmt schon, aber ich glaube ich irgendwann mal gelesen oder gehört zu haben, daß Grzimek Kettenraucher war. Abgesehen davon hat damals doch - anders als heutzutage - fast jeder gequalmt.
Also ich wollte damit jetzt nicht sagen das es mich gestört hat...mir ist es nur noch nie in einem anderen Film so aufgefallen wie hier...
nicht mal in Smoke und Blue in the Face... :mrgreen:
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Re: Zuletzt gesehenes Drama

Beitrag von Barakidon » Sa 18.04.2015, 08:52

THE PRETTY ONE (USA 2014)

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Audrey ist cool und eine erfolgreiche Immobilienmaklerin. Ihre unscheinbare Zwillingsschwester Laurel wohnt noch zu Hause, wo sie malt und den verwitweten Vater umsorgt. Als die beiden Schwestern einen Autounfall haben, kommt Audrey ums Leben. Laurel wird irrtümlich für Audrey gehalten und ergreift die Chance auf ein eigenständiges, neues Leben: Sie bleibt in der Rolle der Audrey, zieht in deren Haus ein und verliebt sich in den Nachbarn Basel. Doch als sie eines Tages doch mit der Wahrheit rausrückt, fühlt sich nicht nur Basel betrogen...

Ein Mix aus Drama und Romanze, mit subtilen Humor. Nicht sehr originell und teilweise auch vorhersehbar, aber aufgrund des sympathischen Casts durchaus mal sehenswert. Zoe Kazan spielt normalerweise ihre Rollen nicht als karikaturenhafte Abziehbilder, dadurch krankt hier die ernsthaft angelegte Identitätssuche mit humorigen Tönen auch daran, daß man der mädchenhaft wirkenden 31-jährigen die toughe Geschäftsfrau einfach nicht abnimmt.

Letztlich eine Bodyswitch-Variante ohne großen Nennwert, aber etwas komisch, dramatisch und liebevoll gespielt. --- +++ 1/2
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Re: Zuletzt gesehenes Drama

Beitrag von Barakidon » So 26.04.2015, 08:47

STO SPITI - ZU HAUSE (GR/D 2014, O.m.U.)

Seit 25 Jahren lebt Haushaltsperle Nadja (Maria Kallimani) in einem luxuriösen Anwesen hoch oben über der Ägäis. Es scheint, als wäre sie ein natürlicher Teil der Familie - doch als Nadja erkrankt wird sie zuerst ausgebeutet und dann muß sie gehen...

Eine bittere, subtile und klug aus der Distanz fotografierte Studie über Machtverhältnisse in Krisenzeiten. Eine Tragödie in kalten Panoramen, die die Klassenverhältnisse verschärft. +++ +++
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Re: Zuletzt gesehenes Drama

Beitrag von Space_Godzilla » Mo 27.04.2015, 10:44

In The Name Of The Son - Sprich dein Gebet (2012) +++ +++

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Elisabeth moderiert eine Radio-Show, in der sie Leute in religiösen Fragen zur Seite steht. Doch plötzlich gerät ihr Leben völlig aus den Fugen und sie beginnt nicht nur an der Kirche zu zweifeln, sondern startet einen gnadenlosen Rachefeldzug gegen alle, die unter ihrem Schutz Verbrechen begehen.

In The Name Of The Son will mit der Kirche abrechnen, er will ein aufzeigender und anprangernder Film sein, der nicht zum Ziel hat, den Glauben zu demontieren, wohl aber Missstände aufdecken und Zweifel säen will. Dabei spart er zwar nicht mit Brutalität und bitterbösem Zynismus, driftet aber dennoch keineswegs in ein reines Schlachtfest wider die Religion ab.
Zunächst sollte man zum einen dazu bereit sein, sich kritisch mit dem Thema Kirche zu befassen, und zum anderen auf einen Film einzulassen, der nicht nur auf den Unterhaltungswert baut, sondern ein äußerst ernstes und anstößiges Thema geschickt verpackt.

Pädophilie in der Kirche ist ja kein neues Thema mehr und durch die Berichterstattung der Medien in den letzten Jahren, hat sich nahezu jeder damit befasst oder zumindest davon gehört. Und eben diese Thematik in einem Film so zu verarbeiten und dabei noch mit Zynismus um sich zu werfen, ohne respektlos gegenüber den Opfern realer Übergriffe zu werden, setzt sehr viel Feingefühl voraus. Und das hat Regisseur Vincent Lannoo tatsächlich hinbekommen.

Zunächst wird sich einige Zeit genommen, die Familienverhältnisse rund um Elisabeth zu beleuchten. Dabei wird klar, dass hier alle sehr gläubig sind, doch längst nicht mehr alle kirchlichen Gebote befolgen. Hier passiert etwas, was sich den ganzen Film über beobachten lässt: Die durchaus vorhandene Scheinheiligkeit der Kirche wird durch Widersprüche einzelner Personen, Konflikten und Ungereimtheiten innerhalb der Familie und nicht zuletzt teils sehr überzeichnete Charaktere verdeutlicht.
Manches sorgt für leichtes Schmunzeln, anderes für ein Gefühl der Bestätigung in dem, was viele denken und einige Szenen sind ungeschmückte Ankreidungen einer im Grundsatz verwurzelten Rückständigkeit der Kirche. Und auch diese fallen mal derb und direkt aus, und an anderer Stelle sind es zynische Aussagen oder Verhaltensweisen, die von den Charakteren ausgehen.

Nachdem nun Elisabeths Charakter dem Zuschauer nahe gebracht wurde und ihre heile katholische Welt zu bröckeln beginnt, bricht der Rachefeldzug wie ein Sturm auf einen herein. Teils nimmt er wieder sehr überzeichnete Züge an und dann wird wieder mit einer höchst zynischen Symbolik gearbeitet. Und dies zieht sich durch bis zum Ende, das einen mit vielen Gedankenspielen und einem sich daraus ergebenden Entsetzen zurücklässt.

Durch die Thematik wird der Film erst zur harten Kost, die tatsächlich sichtbare Gewalt ist zwar vorhanden, hält sich jedoch in Grenzen. In The Name Of The Son ist eben kein Splatter-Film, vielmehr ein hartes Drama, das einen hin und her wirft zwischen Unterhaltung und Abscheu, zwischen einer gierigen Suche nach Bestätigung und Entsetzen. Eines sei jedoch klargestellt – dieser Film stellt nicht Gott in Frage, wohl aber die selbsternannten Vertreter, die nicht immer das sind, was sie zu sein scheinen und deren Anhängern, die versuchen, so zu sein, wie ihnen gesagt wird, sein zu müssen und dabei feststellen, dass das nicht immer funktioniert.

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Re: Zuletzt gesehenes Drama

Beitrag von Barakidon » Mi 29.04.2015, 19:27

GLORIA (CHILE 2012)

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Gloria (Paulina Garcia), eine Endfünfzigerin mit erwachsenen Kindern, großer Brille und unbändiger Lust aufs Leben, lernt auf der Tanzfläche den älteren Rodolfo (Sergio Hernández) kennen. Die beiden beginnen eine leidenschaftliche Affäre, aus der mehr werden könnte - wenn der geschiedene Rodolfo wirklich frei wäre...

Das heutige Chile, gesehen aus den Augen der 58jährigen Gloria (gespielt von einer 53jährigen). Die Story pendelt zwischen Drama und Tragikomödie. Durch und durch sympathisch, verletzlich, furchtlos und die Angst vor dem Verfall mit großer Würde ertragend: Paulina Garcia meistert ihre Rolle in diesem feinfühligen Film mühelos.

Fein beobachtet, kitschfrei erzählt - das Portrait einer starken Frau - einfach genial gespielt. +++ +++ 1/2
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Re: Zuletzt gesehenes Drama

Beitrag von Barakidon » Fr 01.05.2015, 08:40

DIE SEELEN IM FEUER (D 2015)

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Doktor Cornelius Weinmann (Mark Waschke) lehrt in Wien eine fortschrittliche Medizin und hält nichts von religiösen Erklärungen. Als er nach Bamberg an Vaters Sterbebett eilt, will er nur kurz bleiben. Doch der ebenso erkrankte Fürstbischof läßt den Arzt nicht ziehen. Derweil gesteht der 14-jährige Hansi, daß die Elin ihn als Hexe verführt hat - beide müssen brennen. Der Hexenwahn erreicht in Bamberg seinen Höhepunkt, und Weinmann muß bei den Verhören mitwirken. Niemand ist sicher, sogar der Stadtrat gerät in Gefahr. Die Geistlichen klagen über den Holzpreis und kassieren das Erbe der Verbrannten: "Wenn die Hexen mager sind, dann brennen sie schlecht". Dann läßt der Hexenkommissar (Axel Milberg) auch Cornelius' Jugendliebe Johanna (Silke Bodenbender) aus ihrer Kräuterapotheke abholen...

Ernsthaftes Historien-Tableau nach dem sorgfältig recherchierten Roman von Sabine Weigand. Entgegen aller "Wanderhuren"-Klischees beleuchtet das außergewöhnlich gut besetzte Drama ein düsteres Stück Geschichte aus einer neuen Perspektive. Diverse historische Schicksale, konzentriert in einem überzeugenden Ensemble, vermitteln den Zeitgeist bis zur Schmerzgrenze. Aberglaube, sexuelle Fantasien, Unwissenheit, Angst und Machtkalkül führen zur grausamen Massenverfolgung.

Das Drama entwickelt sich zu einem spannenden Krimi mit erschreckend aktuellem Bezug: Es zeigt, wie (religiöser) Fanatismus Menschen in die Irre leiten kann.

Ein bedrückendes Portrait einer Zeit, die Aberglauben, Unwissenheit und Angst zu Instrumenten von Herrschaft macht. Hexenjagd als Geschäftsmodell - das ist Böse. +++ +++ 1/2
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Re: Zuletzt gesehenes Drama

Beitrag von Barakidon » Sa 02.05.2015, 09:33

BLAUWASSERLEBEN (D 2015)

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Alles hinwerfen und um die Welt segeln - Heike (Stefanie Stappenbeck) und Stefan (Marcus Mittermeier) haben den Aussteigertraum wahr gemacht. Im September 2011 endet er auf der Südseeinsel Nuku Hiva: Von einem Ausflug mit einem einheimischen Jäger kehrt Stefan nicht zurück, sein verbranntes Skelett wird Tage später im Dschungel gefunden. Der Täter ist auf der Flucht. Fast hätte er auch Heike umgebracht. Mithilfe ihrer Familie versucht sie, in Hamburg wieder Boden unter die Füße zu bekommen. Dann ein Anruf aus der Südsee: Der Mörder ist gefaßt, Heike soll zur Gegenüberstellung anreisen...

TV-Drama, basierend auf der wahren Geschichte der Heike Dorsch, das ohne emotionale Aufdringlichkeiten und ohne die Reißerei aus, mit der die Medien seinerzeit über den "Kannibalenmord" berichteten. Die Anfangs etwas irritierenden Zeitsprünge ergeben im Laufe der Handlung Sinn. Zwar gibt es ein paar Geigen zu viel auf der Tonspur - aber was soll's...

Horror im Südseeparadies - mit Respekt und Feingefühl erzählt. +++ +++
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Re: Zuletzt gesehenes Drama

Beitrag von Barakidon » So 10.05.2015, 08:39

TSOTSI - EIN JUNGE AUS DEM GETTO (SÜDAFR./GB 2005)

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Der junge Tsotsi aus Soweto zuckt nicht einmal mit der Wimper, wenn er einen Mann wegen seiner Brieftasche absticht. Doch dann findet er ein Baby auf dem Rücksitz eines geklauten Autos...

Eine mit Herz erzählte Läuterung und grandioses Jugenddrama - atemberaubend und vielschichtig. Genial! +++ +++ +++
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Re: Zuletzt gesehenes Drama

Beitrag von Barakidon » Do 14.05.2015, 13:28

STAUDAMM (D 2013)

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Teilnahmslos spricht der junge Münchner Roman Prozessakten für einen Staatsanwalt in seinen Laptop. Darunter ist der Fall eines Amoklaufs an einer bayerischen Schule, der vor einem Jahr 18 Tote forderte. Roman muß in den Ort, weitere Akten holen. Es geht nicht so schnell. Roman lernt Laura kennen, sie hat das Massaker überlebt. Gemeinsam hängen beide ab. Hinter Lauras selbstsicherer Fassade lauert der nicht verarbeitete Schock. Roman kommt ins Grübeln...

Drama um die Nachwehen eines Amoklaufs, das sich dem Horror auf subtile Weise nähert, ohne ihn erklären zu wollen. Die Tat steht im bizarren Kontrast zur Dorflandschaft. Trauer liegt in der Luft. Eine nüchterne und dennoch sehr einfühlsame Annäherung an ein brisantes Thema. Doch man muß dem Film viel Zeit geben, dann fühlt man, wie abgrundtief schrecklich Einsamkeit sein kann...

Eine entschleunigte Meditation über das Grauen - ruhigund sehr eindringlich inszeniert. +++ +++ 1/2
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Re: Zuletzt gesehenes Drama

Beitrag von DJANGOdzilla » Do 14.05.2015, 13:35

LOST RIVER
[USA][2014]

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Regie: Ryan Gosling
Darsteller: Christina Hendricks, Saoirse Ronan, Eva Mendes, Matt Smith, Iain De Caestecker, Ben Mendelsohn, Barbara Steele, Reda Kateb, Cody Stauber, Landyn Stewart, Rob Zabrecky


Billy [Christina Hendricks] lebt als alleinerziehende Mutter zweier Söhne in dem tristen Ort „Lost River“, dessen Häuser nach und nach abgerissen werden. Als auch ihr Heim dran glauben soll, weil sie die Kredite nicht mehr zahlen kann, macht ihr der neue Bankangestellte Dave [Ben Mendelsohn] ein zwielichtiges Angebot. Ihr Sohn Bones [Iain De Caestecker] sucht währenddessen in alten Häuserruinen nach Kupfer, um es gewinnbringend zu verkaufen – kein einfaches Unterfangen, denn der gewaltbereite Bully [Matt Smith], der sich als Herrscher der Stadt bezeichnet, lauert ihm ständig dabei auf. Freundschaft schließt Bones mit der jungen Nachbarin Rat [Saoirse Ronan], die vermutet, es läge ein Fluch auf der Stadt und ihm von einem traurigen Geheimnis berichtet...

Ein nicht unerheblicher Teil des Ruhmes Ryan Goslings geht auf den Regisseur Nicolas Winding Refn zurück, der ihn in seinen elegischen Leinwand-Reflexionen DRIVE und ONLY GOD FORGIVES als Hauptdarsteller einsetzte und es dabei bestens verstand, dessen stoisches Mienenspiel ins rechte Licht zu rücken. Dass sein Einfluss auf dessen Karriere allerdings noch darüber hinausging, beweist Goslings Regiedebüt, das deutlich von Refns suggestiver Bildsprache geprägt ist und sich in der Präsentation ähnlicher bis identischer Formeln bedient. In leicht mysthisch aufgeladener Atmosphäre erzählt LOST RIVER die Geschichte der gleichnamigen fiktiven Stadt, die so heißt, seitdem ein Staudamm das Gebiet unter Wasser setzte und viele der sich darin befindlichen Ortschaften überflutet wurden. Von diesem Tage an, so die Überzeugung eines der Protagonisten, liegt ein Fluch auf der Gegend. Nicht nur die Häuser sind größtenteils Ruinen, auch ihre Bewohner sind nur noch leere Hüllen, die wie Gespenster durch das trostlose, fast postapokalyptisch anmutende Szenario taumeln und von besseren Zeiten träumen.

Die deprimierende Demonstration einer zerfallenden Gesellschaft kleidete Goslings Kameramann Benoît Debie [→ IRREVERSIBEL] konträr dazu in teils betörende Bilder, die stets das Schöne im Hässlichen suchen und auch finden. Seine inhaltliche Entsprechung findet dieses Konzept in dem Handlungsstrang um die obskure Gewaltshow, deren Teilnehmer Quasi-Hauptfigur Billy schließlich wird: Vor den lüsternen Augen reicher Leute lassen sich schöne Frauen auf der Bühne scheinbar blutigst abschlachten oder verstümmeln sich selbst, was mit tosendem Applaus quittiert wird. Wie das Publikum Gefallen an der Scheußlichkeit findet, so erliegt auch Gosling der Faszination des Morbiden und setzt auf eine ausdrucksstarke, oftmals die Grenze zum Surrealen ankratzende Illustration. Eine Straße, die direkt in einen See führt, auf dessen Grund sich einst eine blühende, mittlerweile in Vergessenheit geratene Stadt befindet, ist eine ebenso starke Metapher für Vergänglichkeit, wie eine alte Dame, die seit Jahren apathisch vor dem Fernseher sitzt und sich die Filme ansieht, in welchen sie als junge Frau an der Seite ihres Mannes spielte. Ein Haus, lichterloh in Flammen stehend, füllt als wiederkehrendes Leitmotiv im regelmäßigem Abstand die Leinwand und wird zum visuell wirkungsvollen Zeichen des Zerfalls.

Als Preis für die optische Opulenz geriet die Handlung dabei allerdings arg ins Hintertreffen. LOST RIVER liefert lediglich Fragmente und bietet Figuren, denen es trotz aller behaupteten Tiefe an Substanz fehlt und deren Aktionen nicht immer unbedingt schlüssig wirken. Auch die Zuspitzung der Ereignisse entlädt sich unerwartet unspektakulär und dürfte Anhänger althergebrachter Narration nur schwerlich begeistern. Im Vordergrund steht kein klassisches Erzählkonstrukt mit plausiblen Anschlüssen und tadellos funktionierendem Aktion-Reaktions-Prinzip; vielmehr geht es um Eindrücke, um Momentaufnahmen, die sich am Ende zu einem mitunter rätselhaften Gesamtbild verdichten, zu einer Art Fiebertraum zwischen Schlafen und Wachen, einem rauschartigem Trip in eine in gleißende Neonfarben gehüllte Welt der schleichenden Verwesung.

Ein gewisses Maß an Prätentiösität bei der Umsetzung lässt sich dabei nicht grundsätzlich von der Hand weisen: LOST RIVER wirkt phasenweise wie eine Spielwiese zur hemmungslosen Anwendung verschiedenster Stilmittel und Techniken, bietet verwackelte Handkamera im Wechsel mit in sich zu ruhen scheinenden Endlos-Einstellungen, nervöse Jump-Cuts im Kontrast zu entschleunigten Plansequenzen, experimentelle Ausleuchtungen und eigenwillige Winkel. Manch einem mag das bisweilen ein wenig zu hochtrabend erscheinen, doch in Verbindung mit der subversiven Attitüde und der leicht rebellisch angehauchten Aufbruchsstimmung eines Erstlingswerkes funktioniert das ganz prächtig. Für das breite Publikum ist das natürlich dennoch nichts und war auch nie dafür gedacht. Wer Vergleiche mit Refn sucht, sollte weniger auf den doch eher stromlinienförmigen DRIVE schielen (von dem sich Gosling eigentlich nur den aus seiner Zeit gefallen zu sein scheinenden Retro-Vorspann und den pumpenden Soundtrack abgeguckt hat), sondern viel mehr auf dessen wesentlich sperrigeren Werke wie WALHALLA RISING oder ONLY GOD FORGIVES.

Als weitere Inspirationen sind einerseits die grüblerischem Metaphorismen Terrence Malicks auszumachen, andererseits auch die bizarren Alptraumwelten eines David Lynch, der mit LOST HIGHWAY oder MULLHOLLAND DRIVE ähnlich skurille Irrealitäten zwischen Schein und Sein entwarf, bei denen sich die Abgründe gleichermaßen hinter schöner Fassade verbargen. Bei den Kritikern fiel dieser naseweiße Rundumschlag durch größere Vorbilder überwiegend durch - eher unverdient. Wenn man Gosling unbedingt etwas zum Vorwurf machen möchte, könnte man gewiss anführen, dass ein eigener Stil nicht wirklich erkennbar ist - stünde sein Name nicht im Vorspann, man hielte LOST RIVER für eine kleine Fingerübung seines Mentors. Für ein Debüt geriet das Ganze dennoch überaus beachtlich und bietet grundsätzlich, vor allem aber mit Saoirse Ronan [→ WER IST HANNA?] als geheimnisvoll-melancholischer Nachbarin und Ben Mendelsohn [→ THE PLACE BEYOND THE PINES] als herrlich durchgeknalltem Nachtclub-Besitzer, eine vorzüglich ausgewählte und großartig agierende Darstellerpalette.

Bisweilen vielleicht ein wenig zu verliebt in die eigene Extravaganz und auch nicht mit durchgängiger Hochspannung gesegnet, ist LOST RIVER dennoch ein intensives Leinwand-Erlebnis mit meditativer Sogwirkung und einer gesunden Portion absurden Humors, welche immer mal wieder die grassierende Schwermut durchbricht. Visuell fast ausnahmslos überwältigend und in bemerkenswerter Gewandtheit in Szene gesetzt, erzählt Ryan Gosling als Autor und Regisseur ein elegisches Märchen über eine Handvoll Menschen in einer dahinsiechenden Welt, die zwischen Agonie und Tristesse nach Erlösung suchen – eine eindringliche, knallbunte Reise in die Finsternis, die es verdient hat, nicht in Vergessenheit zu geraten.

s. auch: LOST RIVER
Regelmäßig neue Reviews von Stuart Redman und DJANGOdzilla bei
JÄGER DER VERLORENEN FILME

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Re: Zuletzt gesehene Action-Filme

Beitrag von Barakidon » Sa 16.05.2015, 09:03

WEITER ALS DER OZEAN (D 2014)

Schwerer Anfang: Kindertherapeutin Judith (Rosalie Thomass) ist gerade nach Berlin gezogen, der neue Job schlaucht, ihr Freund hält sie hin, sie selbst sucht ihren Weg...

TV-Drama um eine stressgeplagte Therapeutin, deren Versuche ihren Patienten zu helfen und sich selbst freizuschwimmen, im Mittelpunkt stehen. Behutsam erzählte, in Sommerlicht getauchte Geschichte.

Sinnbildliches über die Orientierungssuche. +++
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Re: Zuletzt gesehenes Drama

Beitrag von Barakidon » Mo 25.05.2015, 08:27

DEEP IN THE WOODS - VERSCHLEPPT UND GESCHÄNDET (F/D 2010)

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Südfrankreich, 1865: Landstreicher Timothée bringt die Bürgerstochter Joséphine durch Hypnose in seine Gewalt und entführt sie in die Wälder. Doch so willenlos, wie es scheint, ergibt sich die junge Frau nicht ihrem Schicksal...

Intensives, künstlerisch wertvolles Psychogramm über Sexualität zwischen Hingabe und Abhängigkeit, Natur und Zivilisation.

Ein stark gespieltes, kontroverses Historiendrama. +++ +++
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Re: Zuletzt gesehenes Drama

Beitrag von Paul Naschy » Do 18.06.2015, 14:48

Ekstase – Der Prozeß gegen die Satansmädchen (1979) +++ +++ +++

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Drogen, Sex und Satan! Was ist nur mit unserer Jugend los? Warum werden in teuflischen Riten unschuldige Menschen getötet? Wieso kennen diese jungen Mädchen keine Moral? Im Drogenrausch werden wilde Sexorgien gefeiert und der Gehörnte soll der Ehrengast sein. Wie konnte es nur soweit kommen? Ist am Ende die Gesellschaft selbst daran schuld? Dieser Film geht diesen Fragen nach und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund und kein Kleidungsstück vor die nackten Leiber der sexbesessenen Satansmädchen!

Ein weiteres Meisterwerk von Kult-Regisseur Rolf Olsen (Ein Kaktus ist kein Lutschbonbon, Blutiger Freitag, Wenn es Nacht wird auf der Reeperbahn, Das Rasthaus der grausamen Puppen, …)!
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Re: Zuletzt gesehenes Drama

Beitrag von Barakidon » Mo 22.06.2015, 13:10

AUS LIEBE ZUM TIER (F 2014)

"Menschenfleisch im Sonderangebot!" Mit provokanten Aktionen "sensibilisiert" eine militante Tierschützergruppe die Öffentlichkeit für Massentierhaltung - in der Fleischabteilung eines Supermarkts. Auch Befreiungsaktionen von Tieren aus Versuchslaboren gehören zum Aktionsradius der Gruppe. Die junge Tierärztin Estelle (Sarah Adler) sympathisiert zwar mit den Aktivisten, lehnt aber deren rabiate Methoden ab. Für Kriminalhauptkommissar Cédric (Jonathan Zaccai), der gegen die Tierschützer ermitteln muß, wird die der Mitwisserschaft bezichtigte Estelle zum Stolperstein: Er hat sich in sie verliebt...

TV-Aktivistendrama aus Frankreich, das über die Protestkultur militanter Tierschützer nachdenkt. Es punktet mit einer differenzierten Darstellung verschiedener Sichtweisen und gefühlvollem Spiel. Tierschutz, Staatsräson und eine stille Liebe, eingebettet in ein sensibel erzähltes Protestdrama.

Gelungen, auch wenn man das Thema noch konsequenter hätte umsetzen können. +++
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Re: Zuletzt gesehenes Drama

Beitrag von Dr.Prankenstein » Do 25.06.2015, 12:06

SCHNEELAND (Deutschland 2005)

Elisabeth, eine junge Mutter, die bei einem tragischen Verkehrsunfall ihren Ehemann verloren hat, verfällt in eine tiefe Depression und gibt sich auf. Sie zieht in die verschneite Landschaft Lapplands hinaus, um dort zu erfrieren und dort an diesem Ort, wo sie erstmals ihre große Liebe traf, zu sterben. Doch das geht nicht so einfach, wie sich herausstellt. Als sie langsam von ihren Kräften verlassen wird, findet sie eine ältere Frau, die tot und schon eingefroren neben ihrer einsamen Hütte liegt. In der Hütte findet Elisabeth ein Tagebuch und Aufzeichnungen und begibt sich so auf eine Zeitreise zu der Liebe von Ina und Aron, welche vor 60 Jahren auch ein verfrühtes Ende fand...

Maria Schrader, Thomas Kretschmann, Julia Jentsch und Ulrich Mühe spielen in diesem faszinierenden Drama unter der Regie von Lindenstraße-Erfinder Hans W. Geißendörfer. Man kann annehmen, dass man durch Gewaltekstasen wie HOSTEL oder den SAW-Filmen mittlerweile in filmischer Hinsicht so ziemlich abgestumpft ist, aber was man hier zu sehen bekommt, ist mir teilweise doch schon ziemlich zu weit gegangen. Zu realisitisch, zu packend ist das Geschehen, ohne dass es kein dumpfes Gefühl in der Magengegend hinterlassen würde. Nicht der beste HWG-Film (ich habe sie mittlerweile fast alle gesehen), aber ein durchaus sehenswertes Werk deutscher Filmgeschichte.

+++ +++ 1/2

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Re: Zuletzt gesehenes Drama

Beitrag von Barakidon » Mo 29.06.2015, 17:09

PIETA (SÜDKOR. 2012)

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Ein Job ohne Mitleid: Im heruntergekommenen Handwerkerviertel von Seoul verkrüppelt Einzelgänger Kang-do die Schuldner eines Kredithais, um ihre Invalidenversicherung zu kassieren. Bis sich eines Tages eine mysteriöse Frau an seine Fersen heftet und insistiert, Kang-dos nach dessen Geburt verschwundene Mutter zu sein. Durch bedingungslose Zuwendung setzt sie schließlich in dem gefühlskalten Brutalo verschlossene Emotionen frei...

Intensives und brutales Drama von Kim Ki-duk, das eine archaische Wucht enfaltet. Gleichzeitig ein subtil kapitalismuskritisches Gesellschaftsportrait, das mit einem perfiden Twist aufwartet.

Ein kraftvolles Lehrstück über Schuld und Sühne in herben Bildern - Empfehlenswert! +++ +++ +++
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Re: Zuletzt gesehenes Drama

Beitrag von Paul Naschy » Mo 29.06.2015, 17:41

Dr.Prankenstein hat geschrieben:SCHNEELAND (Deutschland 2005)
den hab ich damals gesehen, als die dvd frisch in die videothek eintrudelte. gewaltiger film, muss ich mir bei gelegenheit mal wieder anschauen +++
Barakidon hat geschrieben:PIETA (SÜDKOR. 2012)
noch nie was davon gehört – danke für diesen tipp!!!
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Re: Zuletzt gesehenes Drama

Beitrag von MonsterZero » Di 30.06.2015, 05:39

Paul Naschy hat geschrieben:
Barakidon hat geschrieben:PIETA (SÜDKOR. 2012)
noch nie was davon gehört – danke für diesen tipp!!!
Echt nicht? :o
Nachholen!
Der wurde aber damals fleißig von der OFDB und Schnittberichte beworben und Amazon hat ihn einem auch immer fleißig empfohlen. :mrgreen:
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Re: Zuletzt gesehenes Drama

Beitrag von Paul Naschy » Di 30.06.2015, 06:52

und Amazon hat ihn einem auch immer fleißig empfohlen. :mrgreen:
ah ok, darum kenne ich ihn nicht :wink:
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Re: Zuletzt gesehenes Drama

Beitrag von Paul Naschy » Fr 03.07.2015, 07:56

Willkommen zum "Lokführerstreiks können Leben retten" DoubleFeature!


Hrrrsx im Nchtxprss (Italien 1979) +++ +++ // Mdchen in den Krlln tflschr Bstn (Italien 1975) +++ +++ +++

Terror-Keimzelle: 3 intellektuelle, reiche "Clockwork-Orange"-Kids // 2 abgefuckte Verbrecher und 1 Nymphomanin
Ort(e) des Geschehens: Schicker Schlafwagen // Abgeranztes Zugabteil & Villa
Erotik-Faktor: Streckenweise recht hoch – selbst die Durchführung der Zwangshandlung wird erotisiert // Auf dem Niveau von Brehms Tierleben
Story: Überschaubar mit gut gezeichneten Charakteren // Ausgefeilter mit relativ ordentlich gezeichneten Charakteren
Moral: Kaum // Grenzwertig bzw. darüber (Selbstjustiz-Verherrlichung)
Chancen für einen Eintrag in "Europas schönste Eisenbahnstrecken": Vergiss es // Eimal über den Brenner-Pass – Sehr schöne Gegend (wenn man von den Frauenleichen neben den Gleisen mal absieht)

Fazit: Nächstes mal fahr ich per Anhalter – Das DoubleFeature dazu folgt.
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Re: Zuletzt gesehenes Drama

Beitrag von MonsterZero » Fr 03.07.2015, 08:15

Paul Naschy hat geschrieben:Eimal über den Brenner-Pass – Sehr schöne Gegend (wenn man von den Frauenleichen neben den Gleisen mal absieht).
Aber gerade bei dem Wetter könnten die zur nasalen Belästigung werden. :wink:
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Re: Zuletzt gesehenes Drama

Beitrag von Dr.Prankenstein » Fr 03.07.2015, 09:20

Paul Naschy hat geschrieben:Willkommen zum "Lokführerstreiks können Leben retten" DoubleFeature!
Großartiges Double Feature! Ich glaube, dieses Programm wird nächste Nacht bei mir auch gespielt! +++ +++ +++

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Re: Zuletzt gesehenes Drama

Beitrag von Paul Naschy » Fr 03.07.2015, 11:56

na dann… mind the gap! :D
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