Zuletzt gesehener Eastern - Kung Fu - Karate-Film

Shaw Brothers-Produktionen u.ä. aus Hong Kong, China und Umgebung.

Re: Zuletzt gesehener Eastern - Kung Fu - Karate-Film

Beitragvon Mr. Z » Mo 23.07.2012, 07:24

@monsterzero und @harryzilla

Danke für eure tollen Tipps...mache mich gleich mal auf die Suche nach den Filmen...ich liebe es, wenn ich "Neuland" entdecken kann... :wink:
Battleship! Halte den Lauf der Zeit an!
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Mr. Z
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Re: Zuletzt gesehener Eastern - Kung Fu - Karate-Film

Beitragvon DJANGOdzilla » Mi 05.09.2012, 12:02

THE RAID – REDEMPTION
[SERBUAN MAUT][INDO][2011]

Bild

Regie: Gareth Evans
Darsteller: Iko Uwais, Doni Alamsyah, Yayan Ruhian, Ray Sahetapy, Joe Taslim


Der brutale Gangsterboss Tama [Ray Sahetapy] hat sich in einem heruntergekommenen Hochhaus in Jakarta verschanzt. Die einzelnen Wohnungen hat er an unzählige Kriminelle vermietet. Jeder Raum kann von ihm über eine Videoanlage beobachtet werden.
Ein Sondereinsatzkommando erhält den Auftrag, das Haus zu stürmen und Tama zu verhaften. Doch bereits kurz nachdem die Polizisten den Wohnblock betreten haben, bricht ein Inferno los: Das Kommando sieht sich einer unerwarteten Überzahl bis an die Zähne bewaffneter Gangster gegenüber. Innerhalb weniger Minuten wird ein Großteil der Einheit zerschlagen. Die wenigen Überlebenden, darunter auch der junge Idealist Rama [Iko Uwais], können sich in eine der Wohnungen retten.
Während der Einsatzleiter zugeben muss, dass der Einsatz illegal und mit Verstärkung nicht zu rechnen ist, ertönt Tamas Stimme über Lautsprecher und verspricht jedem seiner Mieter, der einen Polizisten tötet, eine reichliche finanzielle Belohnung.
Ein infernales Gemetzel beginnt...

Als 'Guilty Pleasure' bezeichnet man das Gefühl, etwas zu mögen, obwohl man weiß, dass es sich eigentlich nicht gehört.

Als ebensolch ein 'sündiges Vergnügen' präsentiert sich die indonesische Meuchelmär THE RAID:
Fast ausschließlich auf den brutalen Exzess geeicht, wird kaum verhehlt, dass Story und Figuren einzig und allein im Dienste der brachialen Action stehen.
Da gibt es keine Alibihandlung, die vermeintlichen Gehalt vorgaukelt, keine pseudotiefgründige Charakterzeichnung, die fadenscheinige Entschuldigungen für das blutige Treiben heuchelt, keine an den Haaren herbeigezogene Wendung, die Gewitztheit vorgeben soll. Hier wird tatsächlich gehauen, geschossen, getreten und gestorben nur um des Hauens, Schießens, Tretens und Sterbens wegen.
Das ist zwar nicht originell, aber immerhin von sympathischer Ehrlichkeit.

THE RAID ist pure Lust an der Zerstörung. Zerstörung von Laibern. Zerstörung von Mobiliar. Zerstörung von allem!
Eingepfercht auf engstem Raum, in rasantem Stakkato-Rythmus geschnitten, wenn nötig in hypnothischer Zeitlupe zelebriert, wechseln sich schweißtreibende Schießereien mit knochenknackendem Faustkampf ab und entfesseln einen wahren Orkan aus Action, Gewalt und Kinetik, bei dem keine Gefangenen gemacht werden:
Bereits nach wenigen Minuten beißen ganze Heerschaaren ins Gras, Gangster wie Gesetzeshüter siechen in einem infernalen Kugelhagel dahin.

Der Härtegrad ist dabei enorm hoch und erlaubt in seiner zeigefreudiger Prägnanz gar Assoziationen zu Horrorware á la SAW. Die Geradlinigkeit, mit welcher THE RAID seine Prämisse bis zum Finale durchzieht, ist dabei von bemerkenswerter Konsequenz - nicht selten wähnt man sich in einem filmgewordenen Videospiel, in welchem sich der Hauptcharakter von Level zu Level (=Stockwerk zu Stockwerk) durchkämpfen muss, um sich am Ende dem großen Endgegner behaupten zu müssen.

Gewiss ist das weder von größeren Überraschungen geprägt, noch gewinnt es Originalitätspreise. Was zählt, ist die pure Attraktion: THE RAID wirkt wie eine wüste Achterbahnfahrt für cineastische Adrenalinjunkies, die einem in ihrem Höllentempo ohnehin keine Zeit lässt, um sich über etwaige inhaltliche Defizite zu sorgen.

Gestaltet sich der Beginn aufgrund recht verwackelter Kamera und schneller Schnittabfolge noch etwas unübersichtlich, verflüchtigt sich dieses Manko spätestens, wenn der Fokus schließlich auf die direkte Konfrontation Mann gegen Mann verlagert wird. Ist das Gewaltepos anfangs noch hauptsächlich von Schusswechseln geprägt, steht im weiteren Verlauf nämlich hauptsächlich klassische Kampfkunst im Mittelpunkt (das geht soweit, dass einer der Gegner seine Schusswaffe beiseite legt mit der Bemerkung, einen guten Gegner erkenne man lediglich im guten, altmodischen Direktkontakt).

Diese Entwicklung verwundert kaum, haben doch Regisseur Gareth Evans und Hauptdarsteller Iko Uwais bereits einen gemeinsamen Beitrag zum Martial-Arts-Genre geliefert:
Der 2009 entstandene MERANTAU versank jedoch, trotz gut inszenierter (wenn auch etwas zu spärlicher) Action, in sinnloser Schwülstigkeit, was vor allem daran lag, dass man versuchte, die banale Handlung in einen gewollt tiefgründigen Mantel zu hüllen.

Es lässt aufmerken, dass THE RAID nun im Gegenzug auf jeden Feinsinn verzichtet. Zwar kommt es hin und wieder mal zu kleineren Anflügen von Sentimentalität (so darf sich Rama zwischen den Gefechten mal kurz an seine schwangere Freundin erinnern), doch werden diese stets nach bereits wenigen Sekunden fast verschämt wieder fallengelassen.

Großartige schauspielerische Ambitionen sind bei einem Genrevertreter wie diesem gewiss nicht erforderlich. Dennoch ist es bedauerlich, dass Iko Uwais als so ziemlich einzige Identifikationsfigur beinahe sämtliches Charisma abgeht. Zwar erfüllt seine Darstellung ihren Zweck, doch fehlt ihm die Leinwandpräsenz, die Unverwechselbarkeit eines Jet Li oder selbst eines Tony Jaa (von Chow Yun-Fat ganz zu schweigen).
Sind Uwais physischen Stärken zweifelsfrei beeindruckend, bleibt sein Charakter doch ernüchternd uninteressant und unterscheidet sich zu allem Überfluss rein optisch auch kaum von der anonymen zur Analogie uniformierten Metzelmasse, die ihn umgibt.

Der eigentliche Hauptdarsteller THE RAIDs ist somit im Prinzip sein Schauplatz: Der alte, verranzte Wohnkomplex, vom walisischen Regisseur gekonnt ins Bild gerückt, sorgt für dreckig-morbide Atmosphäre und urbane Bilder voller Kälte und Trostlosigkeit.

Taugt THE RAID also als Schauspektakel beinharter Action, bleibt ein vernünftiger Spannungsbogen freilich aus. Die uninteressanten Figuren und kaum vorhandene Dramaturgie verhindern reelles Mitfiebern ebenso wie emotionale Erregung.
Dass Gefühlsregungen trotz anhaltender Gewalttätigkeit nicht zwangsläufig im Widerspruch stehen müssen, bewies John Woo mit seinem 1991er Action-Inferno HARD BOILED, an welchen THE RAID nicht selten erinnert (freilich ohne diesem dabei das Wasser reichen zu können).

Von Genialität ist THE RAID denn auch weiter entfernt als Paris Hilton von der Jungfräulichkeit. Stattdessen bietet es dem geifernden Actionfreund genau das, was er verlangt: ein mörderisches Schlachtfest, das so lang andauert, bis die letzte Kugel verfeuert und der letzte Knochen gebrochen ist.

Guilty Pleasure!

s. dazu auch:
THE RAID - REDEMPTION
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Re: Zuletzt gesehener Eastern - Kung Fu - Karate-Film

Beitragvon Paul Naschy » Mi 05.12.2012, 08:31

Die Faust des schwarzen Drachen (HK 1978) +++ +++ 1/2

Mädchen werden entführt und versklavt, doch Spezialagent Eton mischt den Verbrechern ordentlich auf.

Eine unglaublich schlechte Synchro versorgt uns mit lächerlichen Dialogen, während die Darsteller Kämpfe auf unterstem Niveau abliefern. Dem Zuschauer werden Darstellerinnen vorgestellt und kaum ist der Charakter in der "Story" integriert – schon wird sie wieder umgebracht. Die musikalische Untermalung ist mehr schlecht als recht zusammengeklaut und streckenweise extrem unpassend. Fazit: ein Feuerwerk des schlechten Geschmacks und eine Partygranate, die jeden Cent* wert ist!

*... und das sind nicht viele; die DVD gibt´s in diversen Shops für um die 2 - 4 Euro.
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Re: Zuletzt gesehener Eastern - Kung Fu - Karate-Film

Beitragvon MiniMisty » Mi 05.12.2012, 09:01

Paul Naschy hat geschrieben:(...) und kaum ist der Charakter in der "Story" integriert – schon wird sie wieder umgebracht (...)


Wie jetz ? Die Tussi oder die Story ? Oder etwa beide ? :mrgreen:
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Re: Zuletzt gesehener Eastern - Kung Fu - Karate-Film

Beitragvon Paul Naschy » Mi 05.12.2012, 09:09

:-P die tussi (die story ging vorher schon kaputt).
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Re: Zuletzt gesehener Eastern - Kung Fu - Karate-Film

Beitragvon Harryzilla » Fr 08.02.2013, 09:49

The Man With The Iron Fists (2012) --- +++

Quentin Tarantino präsentiert. Eli Roth schreibt das Drehbuch. Russell Crowe, Rick Yune und Lucy Liu spielen Hauptrollen. Rapper RZA führt Regie und spielt gleichzeitig die Hauptrolle in dieser US/Hong Kong-Co-Produktion.
Klingt interessanter als es letztendlich ist. Es kommt zwar fast alles vor was man aus typischen bunten Eastern gewohnt ist, aber hier ist alles etwas übertrieben, nie besonders dramatisch oder gar ernst zu nehmen. Die Rachegeschichte ist dünn und die Fightszenen sind alles andere als aufregend. Peinlich sind vor allem die Zeitlupenaufnahmen. Am beeindruckendsten war noch der WCW-Bösewicht Dave Bautista der sich in einen fast unzerstörbaren Kämpfer aus Gold verwandeln kann.
Zumindest wird es nie langweilig.
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Re: Zuletzt gesehener Eastern - Kung Fu - Karate-Film

Beitragvon Captain Blitz » Fr 08.02.2013, 21:23

Dave "Batista" Bautista war nie in der WCW, er war immer in der WWE. Mal war er der Gute, mal der Böse. ;) Aber so wie Du den Film beschreibst, habe ich es auch erwartet. :( Braucht man wohl nicht und ich werde ihn mir wohl nur wegen Batista anschauen. Dabei würde ich ihn viel lieber wieder beim Wrestling sehen.
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Re: Zuletzt gesehener Eastern - Kung Fu - Karate-Film

Beitragvon DJANGOdzilla » Do 19.09.2013, 18:34

WAR OF THE ARROWS
[CHOIJONGBYEONGGI – HWAL][KOR][2011]

Bild

Regie: Kim Han-Min
Darsteller: Park Hae-Il, Ryoo Seung-Yong, Kim Moo-Yeol, Moon Chae-Won, Lee Han-Wi, Kim Goo-Taek, Park Ki-Woong, Lee Kyeong-Yeong, Lee Seung-Joon, Lee Jae-Goo, Park No-Sik


„Mein Bogen hat nicht die Aufgabe, zu töten.“

Korea, 1623: König Injo hat durch einen Staatsstreich die Macht im Lande an sich gerissen. Der begabte Bogenschütze Choi Pyeong-Ryung kritisiert öffentlich den neuen Regenten und gilt seitdem als Landesverräter. Rücksichtslos wird der einst treue Staatsdiener von den Schergen des Königs gehetzt. Während sein jugendlicher Sohn Nam-Yi und dessen jüngere Schwester Ja-In entkommen können, wird Pyeong-Ryung vor ihren Augen getötet. Die beiden Überlebenden flüchten zu einem Freund ihres Vaters, der sich ihrer animmt. 13 Jahre später: Ausgerechnet am Tag von Ja-Ins Hochzeit wird das Land von den Mandschuren überfallen. Die Eindringlinge verwüsten das friedliche Dorf und nehmen die Überlebenden, darunter auch Ja-In, als Geisel. Lediglich Nam-Yi, mittlerweile wie einst sein Vater ein Meister im Bogenschießen, haben die Invasoren übersehen. Während für die Gefangenen ein verlustreicher Gewaltmarsch in Richtung der Mandschurei beginnt, erinnert sich Nam-Yi an die letzten Worte seines Vaters, er solle seine Schwester vor allen Gefahren beschützen. Ausgestattet mit Pfeil und Bogen folgt er den Entführern und beginnt einen scheinbar aussichtslosen Kampf gegen eine übermächtige Armee.

Mit Beginn der neuen Jahrtausends erlebte der asiatische Historienfilm einen gewaltigen Aufschwung und brachte die Leinwände in regelmäßigen Abständen durch epochales Kampfgetümmel zum Erzittern. Als eine der Initialzündungen darf dabei der südkoreanische Kassenschlager MUSA gelten, dem im Jahre 2001 auch international einige Aufmerksamkeit zuteil wurde. Was folgte, war eine Welle ähnlich gearteter Kriegsepen, die mit aufwändiger Ausstattung und großzügigem Statistenaufgebot um die Gunst des Publikums buhlten. Vor allem China mauserte sich dabei zum ernsthaften Konkurrenten und lies seine Nationalhelden eine kolossale Schlacht nach der nächsten schlagen. Die Kämpfer Koreas gerieten dabei fast in wenig ins Hintertreppchen, bis mit WAR OF THE ARROWS, 10 Jahre nach MUSA, abermals ein Überraschungserfolg beträchtliche Menschenmassen in die Lichtspielhäuser ziehen konnte.

Dabei verzichtet Kim Han-Mins pralles Actionabenteuer trotz des geschichtlichen Hintergrundes der Zweiten Mandschuren-Invasion sogar überwiegend auf die mittlerweile zum Standard gewordenen Genrezutaten und bietet stattdessen eine sehr geerdete Variante kriegerischer Auseinandersetzungen, die sich nicht auf tosende Massenschlachten und dröhnenden Gefechtslärm konzentriert, sondern die Schicksale einer überschaubaren Anzahl von Einzelpersonen in den Mittelpunkt rückt. Anstatt dass hier zwecks gegenseitiger Massakrierung gewaltige Heere von Statisten aufeinander zustürmen, entwickelt sich aus der feindlichen Belagerung schon bald die private Fehde zweier Männer, die sich in einer emotionalen Mischung aus Rachegelüst und Selbstbehauptungsdrang eine erbarmungslose Hetzjagd liefern, bei welcher mal die eine, mal die andere Partei die Oberhand gewinnt.

Diese Entwicklung vom Allgemeinen ins Spezielle ist es dann auch, woraus WAR OF THE ARROWS seinen hauptsächlichen Reiz bezieht: Nach eher gemächlichem Beginn inklusive obligatorischer Charaktervorstellung, kommt es mit der Invasion der Mandschuren und der Entführung einiger wichtiger Hauptfiguren zu einem ersten dramatischen Höhepunkt. Es folgen diverse Sadismen der Entführer gegenüber ihren Gefangenen, denen mehrere Menschen zum Opfer fallen. Als die selbstbewusste Ja-In von einem der Anführer zum Objekt der Begierde auserkoren wird, wird sie überraschenderweise nicht etwa zum hilflosen Opfer, sondern verdient sich aufgrund ihrer starken Persönlichkeit schnell den Respekt ihres Peinigers, welcher sie daher zunächst verschont, um ihre Willensstärke auszutesten. Obwohl es bis zu diesem Zeitpunkt noch vergleichsweise wenig Action zu bewundern gab, sorgen spannungsgeladene Interaktionen wie diese bereits für genügend Nervenkitzel, um auch ungeduldige Erlebnisjünger in Schach zu halten.

Nachdem Hauptprotagonist Nam-Yi in einer halsbrecherischen Kamikaze-Aktion das Lager gestürmt und quasi im Alleingang ein verlustreiches Befreiungsinferno vom Zaun gebrochen hat, scheint die Action hingegen gar nicht mehr pausieren zu wollen und wird ständiger Begleiter einer martialischen Verfolgungsjagd, die in ihren besten Momenten Assoziationen zu Mel Gibsons beinharter Menschenhatz APOCALYPTO zulässt. Da sich sowohl die Reihen der Verfolger als auch die der Verfolgten immer weiter lichten, die Fronten sich dadurch immer weiter verhärten, wird die Sache schließlich nach und nach zu einer persönlichen Angelegenheit, die höchstens einen Überlebenden hervorbringen kann. Und je länger die Jagd dauert, je verbitterter beide Parteien gegeneinander kämpfen, desto mehr verdichtet sich die Spannung, bis sie sich schließlich in einem fiebrigen Finale entladen darf.

So bietet WAR OF THE ARROWS, nach einigem erklärenden Vorgeplänkel und psychologischen Machtspielchen, schließlich geradezu mustergültig stringentes Abenteuerkino, das seine Suspenceschraube mit fortschreitender Laufzeit immer weiter anzuziehen vermag. Die zuvor thematisierte Gemütslage der Hauptfigur, die nicht nur an dem Verlust ihres Vaters leidet, sondern auch mit Identitätsproblemen aufgrund dessen Brandmarkung als Verräter zu kämpfen hat, spielt dabei im Übrigen plötzlich gar keine Rolle mehr, so dass der Versuch, dem Charakter Tiefe zu verleihen, zwar gut gemeint war, letztendlich jedoch zwischen Bogenkampf und Fersengeld sinnlos verpufft.

Ungewöhnlich für einen historischen Kriegsfilm diesen Kalibers geriet die durchaus differenzierte Darstellung des Feindbildes. Selbstverständlich erscheinen die Mandschuren eindeutig als Aggressoren und fallen durch diverse Grausamkeiten auf, doch verzichtete man dennoch darauf, sie bis zur Unmenschlichkeit zu dämonisieren. So sind sich Jäger und Gejagte in manchen Momenten sogar verblüffend ähnlich: Als einer der feindlichen Soldaten verzweifelt nach seinem schwer verwundeten und sich hilflos auf dem Waldboden windenden Bruder schreit und schließlich seine Deckung aufgibt, um ihn in Sicherheit zu bringen, erinnert das frappierend an eine ähnliche, frühere Szene, in welcher ein koreanischer Gefangener sein Leben riskiert, um seine Tochter retten zu können.

Während Ausstattung und Kostüme ebenfalls einen positiven Eindruck hinterlassen und weitestgehend authentisch wirken, steht WAR OF THE ARROWS mit der Glaubwürdigkeit des eigentlichen Geschehens hingegen arg auf Kriegsfuß: Brav den Regeln des typischen Eventkinos gehorchend, geschieht die Rettung des Helden immer wieder in allerletzter Sekunde durch äußeren Einfluss, bloßen Zufall oder glückliche Fügung – ein nicht gerade hochoriginelles Konzept, das man dann auch relativ schnell durchschaut hat. Doch die extreme Rasanz der Vorkommnisse, die ohnehin kaum Zeit zum Luftholen lässt, macht dieses Manko ohne besondere Mühen wieder wett.

Eben diese Rasanz jedoch ist es, der Regisseur Kim Han-Min allein nicht so recht zu trauen schien. So entschied er sich, WAR OF THE ARROWS mit ein paar inszenatorischen Mätzchen aufzupeppen: Eine zappelige Kamera soll Authentizität vortäuschen, ein hektischer Schnitt für Tempo sorgen, und extreme Naheinstellungen in den Actionszenen sollen die Einbindung des Publikums gewährleisten. Da die Ereignisse jedoch bereits von Grund auf sehr aufrüttelnd gerieten, wirken diese Sperenzchen nicht nur unnötig, sondern führen im schlimmsten Falle sogar zur Orientierungslosigkeit. Bereits die Eröffnungssequenz, der Kampf Choi Pyeong-Ryungs mit der Garde des Königs, die Flucht seiner beiden Kinder und der Angriff einer wilden Hundemeute, geriet auf diese Weise zur restlosen Reizüberflutung und übertreibt es maßlos mit Bewegung und Betriebsamkeit. Ein wenig mehr Ruhe bei der Inszenierung und etwas mehr Vertrauen auf die Handlung als solche wäre wünschenswert gewesen.

Zudem geriet der Look der Bilder grundsätzlich recht unattraktiv und erinnert eher an das kleine Fernsehspiel als an großes Kino. Zwar gewöhnt man sich mit fortlaufender Spielzeit an diesen Umstand, doch wäre die Verwendung eines geeigneten Farbfilters gewiss keine schlechte Idee gewesen, zumal sich die schnöde Optik kaum mit der epischen Handlung verträgt.

Dazu gesellen sich leichte Drehbuchschwächen. So wird z. B. niemals wirklich erklärt, woher Nam-Yi seine phänomenalen Schießkünste eigentlich hat. In gewisser Weise erinnert er so an einen klassischen Westernhelden, dessen Kugeln quasi von selbst zielgenau ins Schwarze treffen. Auch, dass es einer Handvoll Leuten immer wieder gelingt, eine ganze Armee zu besiegen, kratzt gehörig an der Glaubwürdigkeit. Dass muss natürlich grundsätzlich nichts Schlechtes sein. Tatsächlich geriet WAR OF THE ARROWS auf diese Weise zu einem durchaus reizvollen Hybriden aus um Authentizität bemühter historischer Darstellung und simplifiziertem Actionspektakel. Zwar ist Nam-Yi kein cooler, sprücheklopfender Superheld, sondern trotz überragender Trefferquote und Nehmerqualität ein verletzlicher und verzweifelter Mann, doch wenn er fast im Alleingang gegen einen zahlenmäßig weit überlegenen Gegner zu Felde zieht und, lediglich mit Pfeil und Bogen bewaffnet, aus der Deckung des Waldes heraus nach und nach seine Feinde dezimiert, sind Assoziationen zu einer frühgeschichtlichen RAMBO-Variante so abwegig gar nicht mal.

Mag WAR OF THE ARROWS auch inhaltliche wie gestalterische Defizite haben, ist der Erfolg seinen Machern durchaus zu gönnen: Ohne nennenswerte Umwege erlebt man hier einen, trotz zweistündiger Laufzeit auf's Nötigste reduzierten Überlebenskampf vor ansprechendem historischen Hintergrund, der es glänzend versteht, seine zunächst ausladende Präsentation zu einem fast schon intimen Rachefeldzug zu verdichten, bei dem neben jeder Menge Soldaten auch die Langeweile auf der Strecke bleibt. Interessenten sollten hier weder Pfeil noch Bogen drum machen.

s. auch: WAR OF THE ARROWS
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Re: Zuletzt gesehener Eastern - Kung Fu - Karate-Film

Beitragvon DJANGOdzilla » Mi 08.02.2017, 10:33

ZHAO - DER UNBESIEGBARE
[TIAN XIA DI YI QUAN][HK][1972]

Bild

Regie: Chung Chang-Hwa
Darsteller: Lo Lieh, Wang Ping, Chao Hsiung, Tien Feng, Bolo Yeung, Fang Mien, Kim Ki-ju, Tung Lin, James Nam, Ku Wen-Chung, Yukio Someno, Chan Shen


"Eine hochexplosive Packung Dynamit, deren Sprengkraft alle bisherigen Maßstäbe des Actionfilms zertrümmert." [Trailer lügen nicht!]

Inhalt:

Sung Wu-Yang [Ku Wen-Chung], Lehrer einer Kung-Fu-Schule, weiß, dass er nicht mehr der Jüngste ist. Da in Kürze ein wichtiges Turnier stattfindet, rät er seinem geschätzten Schüler Chao Chih-Hao [Lo Lieh] daher, sich in die Lehre von Meister Suen Hsin Pei [Fang Mien] zu begeben, um dort die bestmögliche Ausbildung zu erhalten. Nach kurzem Zögern bewirbt sich Chao wie empfohlen, unterliegt bei der Aufnahmeprüfung jedoch im Zweikampf und wird zunächst zum Küchendienst verdammt. Doch Suen bemerkt schnell, welch Potential in dem jungen Mann steckt und sein demütiges Wesen überzeugt ihn schließlich, ihn zum Training zuzulassen. Doch dann droht Ärger in Gestalt des machthungrigen Meisters Meng Tung-Shan [Tien Feng], der möchte, dass sein Sohn Tien-Hsiung [Tung Lam] das anstehende Turnier gewinnt und dem die Fähigkeiten Chaos daher ein Dorn im Auge sind. So wirbt er den knallharten Kämpfer Chen Lang [Kim Ki-Ju] an, der Chao provoziert und die Schüler Suens terrorisiert. Chao kann Chen im Zweikampf besiegen, was ihm den Respekt seines Meisters einbringt, der infolgedessen beschließt, ihn in die gefürchtete 'Technik der Eisernen Faust' einzuweihen – ein Privileg, das nur die wenigsten genießen. Das wiederum gefällt Han Lung [James Nam] nicht – ein weiterer Schüler Suens, der Chao den Erfolg neidet. Han läuft zu Meng über und gemeinsam spinnen sie eine Intrige, die Chao seine Hände kosten wird.

Kritik:

Die Brüder Runme und Run Run Shaw feierten ihren größten Triumph ab Mitte der 60er Jahre, als sie damit begannen, Asiens Kinosäle mit einer gigantischen Welle an Kung-Fu-Epen zu fluten, deren Erfolg trotz eines nahezu astronomischen Ausschusses über 15 Jahre lang niemals so wirklich abebben wollte. Neben dem enormen Wiedererkennungswert der Produktionen (herrührend aus der Langzeitverpflichtung bestimmter Darsteller und wiederholtem Einsatz vertrauter Sets) lag das vor allem daran, dass sie in der Regel deutlich gewissenhafter und durchdachter gefertigt waren als die oft schleunig übers Knie gebrochenen Schnellschüsse der Konkurrenz. Als Beleg für diese These sei ZHAO – DER UNBESIEGBARE gereicht, der 1972 erstmalig das Licht der Leinwand erblickte und außerhalb Deutschlands in erster Linie als KING BOXER bekannt ist. Die Geschichte zweier sich in den Haaren liegender Kung-Fu-Schulen mag dabei zwar wie ein alter Hut klingen, zu Beginn der 70er Jahre jedoch war die Idee noch relativ neu, was man der Frische der Erzählung auch durchaus anmerkt. Regisseur Chung Chang-Hwa [→ VENUS MIT DEN 1000 GESICHTERN] beging zudem auch nicht den Fehler, FIVE FINGERS OF DEATH (so ein weiterer Alternativtitel) zu einer banalen Dauerbalgerei verkommen zu lassen, sondern zeichnet den Weg Chaos (der im deutschen Titel zu Zhao wurde) von der Küchenhilfe zum Kung-Fu-Triumphator als von Entbehrungen und Schicksalsschlägen gesäumten Selbstfindungsprozess, der zwar nicht frei von Kitsch und Klischee, aber doch stets nachvollziehbar und interesseweckend vonstattengeht.

Tatsächlich investiert die von Kong Yeung [→ STÄRKER ALS 1000 DRACHEN] erdachte Fabel mindestens ebenso viel Leidenschaft in ihre Figuren wie in ihre Fights und setzt die körperlichen Auseinandersetzungen nicht redundant ein, sondern mit Bedacht und Geschick. So sind es vor allem die Kleinigkeiten, die das perfekt in Szene gesetzte Martial-Arts-Märchen zu besonderem Glanze verhelfen: Als Chao beschließt, seinen alten Meister zu verlassen und somit auch dessen Tochter Ying Ying, die in unausgesprochener Liebe zu dem jungen Kämpfer erblüht ist, und er ihr zum Abschied stumm und zärtlich über die tränenbenetzte Wange streicht, dann mag das nur ein flüchtiger Moment sein, bildet jedoch einen latent effektiven Kontrast zum blutigen Kampfgeschehen. Lo Lieh [→ DAS TODESDUELL DER TIGERKRALLE] (der sich später aus irgendeinem Grunde überwiegend mit eher undankbaren Nebenrollen begnügen musste) verkörpert die Titelfigur als konstant besonnen agierenden Ehrenmann, der trotz seiner oftmals passiven Art und ausgemachten Musterknabenattitüde niemals langweilig wirkt, sondern stets sympathisch und liebenswert. Los Chao ist kein klassischer Actionheld, der sich in coole Posen wirft, markige Sprüche vom Stapel lässt und sich dann mit Leichtigkeit durch seine Gegner pflügt. Chao ist eigentlich friedlebend, verweigert sich mehrmals dem Kampf und reagiert in der Regel immer erst dann, wenn er wirklich keine Wahl mehr hat. Dem deutschen Titel zum Trotze ist er auch mitnichten unbesiegbar und muss bis zum Finale einiges an Rückschlägen einstecken, was darin gipfelt, dass ihm, nach Vorbild von Sergio Corbuccis Western-Markstein DJANGO, die Hände zertrümmert werden.

Zarte Seelen mögen solche Momente womöglich erschrecken, insgesamt jedoch geriet die Gewaltdarstellung eher moderat – mit einer Ausnahme freilich, die in ihrer Comic-Ästhetik allerdings eher zum Schmunzeln als zum Schaudern einlädt, wenn einem bedauernswerten Unglücksraben beide Augäpfel herausgerissen werden. Quentin Tarantino adaptierte für sein Meisterwerk KILL BILL nicht nur diese Idee, sondern auch gleich den sirenenartigen Sound, der diese Szene begleitet (und der hier wiederum aus der TV-Serie DER CHEF annektiert wurde). Dazu gesellen sich ein paar effektive Kunstblutfontänen und lustige Klänge aus der Geräuschekammer, die Knochenbrüche und Körperschäden signalisieren sollen. Die Zeit dazwischen ist besonnen und angenehm unaufgeregt inszeniert und bietet ein buntes Potpourri aus Verrat, Intrigen, Eifersucht und einem Quentchen Rassismus (auffallend viele Missetäter sind unchinesisch). Die von den Kameramännern Wong Wing-Lung [→ TI LUNG – DER TEMPEL DES ROTEN LOTUS] und Choi Seung-Woo [→ THE THUNDERBOLT FIST] eingefangenen Bilder sind ein echter Augenschmaus und zeigen neben den aufwändigen und prachtvoll ausgestatteten (manchmal allerdings auch etwas artifiziell wirkenden) Studiobauten auch echte Außenaufnahmen, was für visuelle Abwechslung sorgt.

Als Antagonisten sieht man Tien Feng [→ WU KUNG – HERR DER BLUTIGEN MESSER], der als schurkischer Kung-Fu-Lehrer herrlich fies und verschlagen agiert, sowie Tung Lam [→ KUNG-FU-BRIGADE SCHWARZER PANTHER] als dessen missratener Sohn, der die Bosheit seines Erzeugers offenbar geerbt hat. Kim Ki-Ju [→ DIE TÖDLICHEN ZWEI] darf in der Rolle des Vollstreckers Chen Lang ein bisschen mehr als nur der tumbe Bösewicht sein und im Laufe der Handlung ein wenig an Profil gewinnen, während die weibliche Belegschaft, bestehend aus Wong Gam-Fung [→ DIE RACHE DER GELBEN TIGER] als Sängerin, die dem Helden schöne Augen macht und ihm wiederholt das Leben rettet, sowie Wang Ping [→ TI LUNG – DUELL OHNE GNADE] als dessen tatsächliches Liebchen, fast schon Shaw-Brothers-typisch ein wenig unterfordert wirken. Und weil das noch nicht genug der Konflikte wäre, darf James Nam [→ DIE 13 SÖHNE DES GELBEN DRACHEN] als Han Lung dann noch mal tüchtig gegen den Titelhelden intrigieren, da dieser ihm den Erfolg beim Training und beim schönen Geschlecht neidet und ebenfalls Interesse an der attraktiven Sängerin hegt. Die Dreiecksgeschichte, die sich aus dieser Konstellation ergibt, ist interessanterweise nicht etwa Ausbremser, sondern bisweilen sogar Motor der Handlung und auch alles andere als langweilig geraten.

Hocherfreulich ist die Ernsthaftigkeit, mit welcher die Geschichte erzählt wird. Auf humoristische Einlagen oder alberne Witzfiguren hat man vollkommen verzichtet, und auch die deutsche Synchronisation geriet ungemein sorgfältig und erspart sich dumme Sprüche – beileibe keine Selbstverständlichkeit in diesem Genre und dieser Epoche. So eignet sich ZHAO – DER UNBESIEGBARE aufgrund seiner Seriösität, Kompetenz in Sachen Action und Anspruch und zeitweilen innovativer Ideen (wie ein finaler Kampf, der in völliger Finsternis stattfindet - eine nette Hommage an den Thrillerklassiker WARTE, BIS ES DUNKEL IST) auch als apartes Anschauungsobjekt für all jene, die sich von den Qualitäten des Martial-Arts-Genres erst noch überzeugen lassen möchten.

+++ +++

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