Der Turm (abgeschlossene Kurzgescichte)

Ihr habt etwas eigenes produziert oder seid auf etwas selbst produziertes gestoßen? Hier passt's rein.
Antworten
Benutzeravatar
Dagon-sama
Kongulaner
Kongulaner
Beiträge: 2645
Registriert: Mi 10.11.2004, 15:14
Wohnort: Saitama
Kontaktdaten:

Der Turm (abgeschlossene Kurzgescichte)

Beitrag von Dagon-sama » Mo 06.05.2013, 22:12

Nach ewig langer Pause habe ich endlich wieder Zeit gefunden, mal etwas zu schreiben. Diesmal ist es eine abgeschlossene Kurzgeschichte, welche im Stil düsterer Märchen ala "Pans Labyrinth" ist. Hoffe sie gefällt :



- DER TURM -


Es war Nacht und nur das Licht des Mondes erhellte die breiten Wiesen, Täler und das gigantische, zyklopische Gebäude. Es war ein riesiger Turm, gefestigt aus härtestem Stahl und seine Fenster waren zugemauert worden. Nur oberste Fenster war offen geblieben und in diesem brannte ein schwaches Licht. Es war das Licht einer Kerze. Die Wände des Raumes bestanden aus stabilen Stein und überall lagen Bücher herum und ein Kleiderschrank stand an der Wand. Auf dem Boden lag eine junge Frau und schlief fest. Sie war an die 20 Jahre alt, trug einen blauen Rock und ein weißes Korsett. Sie lächelte, denn ihr Traum war ein schöner. Seit ihrer Geburt befand sie sich schon in diesem Turm, weil ihre Mutter als Hexe verbrannt wurde und die Bewohner der Gemeinde sich auch vor der Tochter fürchteten. Sie kannte die Welt nur aus Büchern und von dem, was sie durch das Fenster sehen konnte.
Niemals war Jemand zu ihr gekommen um mit ihr zu sprechen. Manchmal wenn sie fest schlief, befanden sich plötzlich neue Kleider im Kleiderschrank und neues Essen stand für sie bereit.
Egal woie oft sie auch versucht hatte, einen dieser 'Boten' auf frischer Tat zu ertappen, es war ihr nie gelungen. In ihren Träumen verlies sie den Turm sehr oft, man nahm sie in den Arm und sie hörte erstmals die Stimmen anderer Menschen. In diesen Träumen klangen diese Stimmen wie die Stimmen von Engeln. Und erneut hörte sie diese in ihrem Traum und lächelte voller Freude. Doch da war ein anderes Geräusch und lies das Mädchen aus seinem Traum erwachen. Als sie an die Decke blickte, waren da merkwürdige Lichter. Sie sahen aus wie das Leuchten der Kerze, nur doch ganz anders und viel intensiver. "Was ist das für ein schönes Licht?", fragte sie sich und stand auf. Es war so wunderschön, dass es sie zum lachen brachte. Doch plötzlich vernahm sie ein fürchterliches Brüllen, welches ihr große Angst bereitete. "Wir müssen diese Teufelsbrut in ihrem Turm verbrennen", brüllte es in dem furchtbarsten Geräusch, welches das Mädchen jemals vernommen hatte. "Sind das die Stimmen anderer Menschen? Sie sind so wütend und schaurig...", flüsterte sie und trat vorsichtig an das Fenster heran. Als sie hinunter blickte weiteten sich ihre Augen und Tränen liefen ihre Augen hinunter. Da standen andere Menschen und es waren sehr viele. Ihre Gesichter waren hasserfüllt und sie trugen Fackeln bei sich. Obwohl sie so finster aussahen, war das Mädchen überglücklich andere Menschen zu sehen und ihre Tränen waren Tränen der Freude.
Sie nahm all ihren Mut zusammen und rief : "Hallo da unten, ich bin Eli..." "Wir wissen genau wer du bist, Satansbrut!" Das Mädchen schrak zurück und stotterte : "Ich... Ich bin keine Satansbrut, ich bin Elizabeth." "Du bist mit dem Teufel und hast die Pest über unsere Gemeinde gebracht. Du bist genauso verdammt wie deine Mutter!" "Aber...", schluchzte sie und verstand diese neue Welt nicht. "Los, verbrennt sie", ertönte es aus den hinteren Reihen und Männer begannen damit die Pflanzen an den Turmmauern anzuzünden, während andere ihre Fackeln in Richtung Elizabeth warfen. "Nein, nein, bitte...", schluchzte das Mädchen und trat zurück in ihr Gefängnis, als die ersten Fackeln in das Zimmer gelangten und der Kleiderschrank sofort Feuer fing. Elizabeth geriet in Panik und versuchte das Feuer zu löschen, als weitere Flammen in das Zimmer gelangen und die anderen Holzmöbel anzündeten. Sie lief zur Zimmertüre und versuchte sie aufzureissen, doch wie schn ihr ganzes Leben lang, war diese fest verschlossen. Elizabeth rüttelte wie verrückt an der Tür, doch diese rührte sich kein Stück.
Die Flammen drangen immer näher, als Elizabeth all ihren Mut zusammen nahm und sagte : "Ich bin die Tochter einer Hexe, ich schaffe das!" Sie konzentrierte sich mit ganzer Kraft auf die Türe und plötzlich erschien auf dieser ein Portal. Elizabeth konnte durch dieses das Treppenhaus des Turmes sehen, doch sie zögerte und hatte Angst durch selbiges zu steigen. Die Flammen kamen immer näher und Elizabeth bekam immer schlechter Luft. Sie ergriff ein Buch aus dem Regal und rannte durch das Portal. Sie kam im Treppenhaus an und sah, wie die Wände dank der Flammen zu leuchten begannen. Sie blickte freudig auf das Buch, der Titel lautete : "Von der Liebe einer Mutter zu ihrer Tochter". Es war schon immer ihr Lieblingsbuch gewesen und egal wie diese Nacht auch enden sollte, sie wollte dieses Buch unbedingt bei sich haben. Plötzlich ertönte neben ihr en Geräusch und Elizabeth blickte sich verwundert über die Schulter. Einer der Steine trug plötzlich ein Gesicht und sprach : "Kleine Elizabeth, so lange haben wir guten Geister über dich gewacht... Doch jetzt ist deine Chance gekommen, lauf so schnell du kannst. Lauf für uns in die Freiheit." "Ja, lauf schnell Elizabeth", riefen die zugemauerten Fenster mit besorgten Gesichtern. "Ich danke euch für alles", flüsterte Elizabeth und rannte so schnell sie konnte die Treppe hinab. Sie lief und lief, so schnell wie sie nur konnte, während die Flammen aus ihrem Zimmer ihr die Treppe hinab folgten. Der Rauch wurde immer stärker und die Luft stickiger. Obwohl langsam ihre Kraft schwand, rannte Elizabeth weiter, weiter in die Freiheit. Sie war endlich unten angekommen und rannte lachend zur Tür, als sie plötzlich Jemand am Hals packte und zu Boden warf. Es war ein Mann mit einer Fackel und er fauchte : "So leicht kommst du hier nicht lebend heraus, du Teufelsbrut!"
Elizabeth schrie wie verrückt und versuchte sich aus dem Würgeriff des Mannes zu befreien, doch er war stärker als die junge Frau. Seine Augen funkelten wie die eines Adlers, der gerade seine Beute erblickt hatte. Die Kraft schwand aus dem Körper von Elizabeth und das, wo sie so nah an der Freiheit war. Tränen kullerten über ihre Wangen, als sie ihre Augen schloss und nur noch den Eintritt des Todes abwartete. Der Mann lies plötzlich von Elizabeth ab und schrie fürchterlich. Als Elizabeth ihre Augen öffnete, erblickte sie kleine Kobolde, die auf den Körper des Mannes einstachen. Einer dieser Kobolde blickte Elizabeth an und flüsterte : "Los jetzt Elizabeth, lauf schon!" Sie nickte, stand auf und riss die Tür auf. Zum ersten Mal stand sie auf erdigem Boden und ein unbeschreibliches Gefühl überkam die junge Frau. Sie vergaß alles um sich herum und atmete die Luft der Pflanzen ein. Es fühlte sich angenehm an. "Da ist die Hexe!", rief die Stimme einer Frau und brachte Elizabeths Gedanken in die Realität zurück. Sie sah ein Meer von Fackeln auf sich zustürmen und rannte davon. Sie rannte über die breite Wiese und nur der helle Mond war ihr Begleiter. Sie fiel über einen Stein und verletzte sich am Knie. "Das darf nicht sein...", keuchte sie und humpelte weiter. Dabei bemerkte sie, dass ihr Buch verschwunden war. "Mama, wo ist dein Buch hin? Mama..." Ihre Worte brachen ab, als sie sich von den Fackelträgern umzingelt sah.
"Kommt mir nicht zu nah, ich habe euch nichts getan", rief sie und versuchte in Fassung zu bleiben. Die Fackelträger hatten sichtlich Angst vor ihr, da keiner es wagte, sie zuerst anzugreifen. Elizabeth erkannte diese Angst und beschloss, diese irgendwie auszunutzen. "Kommt mir zu Nahe und ich verwandel euch in Frösche, ich warne euch!" Die Fackelträger sahen einander verwundert an und einer von ihnen sagte : "Dann wären wir wenigstens die Pest los." "Was?", erwiderte Elizabeth fassungslos, als die Fackelträger auf sie zustürmten. Sie schrie entsetzlich und entfesselte damit ihre gesamte Kraft. Um sie herum entstanden Portale in andere Welten, durch welche die Fackelträger unwillig traten und sofort verbrannten.
Als Elizabeths Schrei aufhörte, verschwanden auch die Portale und sie stand alleine auf der Wiese. Sie blickte sich verwirrt um, doch es schien niemand mehr da zu sein. "Sie sind weg", flüsterte sie. "SIE SIND WEG", brach es danach aus ihr heraus und sie lachte. Sie versuchte über die Wiese zu tanzen, doch musste sie sich bald an einen Baum setzen, da der Zauberspruch ihr zuviel körperliche Energie gekostet hatte. Sie blickte rauf zum Mond, welcher sein helles Licht auf Elizabeth warf und sie wie eine Heilige erscheinen lies. "Ich bin endlich frei", flüsterte sie und schlief erschöpft am Baum ein. "Endlich frei..."
Als Elizabeth ihre Augen öffnete, blickte sie auf eine ihr wohlbekannte Steindecke und sah an dieser merkwürdige Lichter. Sie blickte sich verwundert um und erkannte schnell, dass sie sich wieder in ihrem Turm befand. Aber wie konnte das sein, wo der Turm doch halb niedergebrannt wurde? Sie fasste sich an den Kopf und verstand die Welt nicht mehr. Sie trat an das Fenster heran und erschrak, dort unten standen die selben Fackelträger wie zuvor. Doch diese hatte sie doch getötet, oder nicht?
Langsam begriff Elizabeth was geschehen war, sie hatte von dem Angriff geträumt. Sie rannte sofort zur Zimmertüre und versuchte diese aufzubrechen, doch diese war fest verschlossen.
Erste Fackeln traten durch das Fenster und setzten den Kleiderschrank in Brand. "Es ist alles genauso wie in meinem Traum", keuchte sie und versuchte das Portal an der Türe zu erschaffen. Doch das Portal wollte einfach nicht erscheinen. "Na los komm schon, ich konzentriere mich doch", rief Elizabeth, doch das Portal erschien nicht. Sie schlug mit ihrer kraftlosen Faust auf die Türe ein, immer und immer wieder, doch sie öffnete sich nicht und das Portal erschien weiterhin nicht. Tränen kullerten über Elizabeths Augen, als sie sich auf den Boden legte und sich zusammenkauerte. Sie verstand es nun endlich. Sie hatte zwar die Zukunft in ihrem Traum gesehen, doch der Großteil war ihrer Fantasie entsprungen. Sie war kein Mädchen mit magischen Fähigkeiten, welches aus dem Nichts Portale erschaffen konnte und auch die Steine des Turms hatten kein eigenes Leben. Es gab auch keine Kobolde, mit welchen sie befreundet war. Sie war ein ganz normales Mädchen, welches unschuldig seit 20 Jahren in einem Turm gefangen war und nun dem Tod ins Auge blickte. Als die Flammen näherkamen, trockneten ihre Tränen aus und Elizabeth schloss ihre Augen. Die Flammen umhüllten sie und kurz bevor der Turm in sich zusammenbrach, unterbrach ein markerschüttender Schrei die Stille der Nacht. Danach brach der Turm in sich zusammen und die Fackelträger gingen zurück nach Hause.
Sekai wa horobiru darou!

Bild

Benutzeravatar
Elite
Kongulaner
Kongulaner
Beiträge: 3275
Registriert: Do 12.01.2006, 21:40
Wohnort: Bochum

Re: Der Turm (abgeschlossene Kurzgescichte)

Beitrag von Elite » Di 07.05.2013, 08:15

Mir gefiel die Erzählweise wirklich sehr, sowie der traurige Twist am Ende, der schon am Anfang intendiert worden war, dann aber doch noch einmal (vorrübergehend) abgewendet wurde. Herrlich fies und traurig. Hat sich wirklich gut gelesen und man baut wirklich schnell Sympathien zur Protagonistin auf.
So What If You Can See The Darkest Side Of Me? No One Will Ever Change This Animal I Have Become. Help Me Believe It's Not The Real Me Somebody Help Me Tame This Animal Bild

Antworten

Zurück zu „Fan-Filme & -Fictions“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast