Wieso das ganze?
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"Bis Hamburg ist noch kein Riesenmonster vorgedrungen...
 Aber das werden wir ändern."

Das Monster spricht...

Auszüge eines PRANKE-Interviews von Norbert Franz (17.11.2003)
 

Du bist Filmsammler und planst jetzt einen eigenen Monsterfilm. Wie kamst du zum Genre des Monsterfilms und was war deine erste Berührung damit?





 

Das ist eine recht lange Geschichte. Es gab ja einst Zeiten, da hatten wir hier in Deutschland nur drei Fernsehprogramme und noch keine Videorecorder. Da liefen die Filme noch im Kino und an jeder Ecke konnte man sich jedes Wochenende für ein paar Mark Filme angucken. Was da immer am besten ankam, waren Science-Fiction-, Monster und eben Godzilla-Filme.

Ein Kumpel von mir schleppte mich damals mit zu King Kong gegen Godzilla. Ich hatte zuerst überhaupt keine Vorstellung was das sein könnte. Das war eben geil. Der Mechagodzilla sah aus wie ein riesiger Ofen mit Armen und Beinen dran, aber hatte eben tolle Raketen, tolle Laserstrahlen. Es war eine unglaubliche Action auf der Leinwand, unglaubliche Farben, - es war einfach wild, und na ja, danach bin ich dann jede Woche ins Kino gegangen. Ich habe mir damals schon immer gewünscht, sowas irgendwann mal selber zu machen.

Jetzt arbeitest du an einer Idee mit dem Arbeitstitel Kongula, Affengigant desGrauens?

Ja, wobei dieser Titel ja erst 2003 entstanden ist. Ursprünglich hieß das Ganze mal I Was A Teenage King Kong und war eine Party-Idee. Wir hatten damals die Idee, mit ganz einfachen Mitteln einen kleinen verrückten King-Kong-Film zu drehen. So reifte die Idee und ich dachte, der Titel I Was A Teenage King Kong ist einfach völlig verrückt und völlig bescheuert.

Mit der Begeisterung, die wir in das Projekt hineingesteckt haben, wurde es dann immer besser, und auch die technischen Möglichkeiten wurden immer besser. Damals hätte kein Mensch gedacht, dass man mal zu Hause einen "richtigen Film" drehen kann. Inzwischen kann man wohl sagen: jetzt ist es soweit, dass es tatsächlich möglich ist. Jetzt fehlen eben nur noch die Leute, die mitmachen - weil ohne Darsteller wirkt das Ganze natürlich nicht gut.

Die Monsterfilme, in denen Tiere auf gewaltige Größe anwachsen, und dann Städte zerstören, gibt’s ja schon eine ganze Weile. Kannst du beschreiben was der besondere Reiz daran ist?

Ja muss ich sagen, bei uns sieht es ein bisschen anders aus. Wir gehen eigentlich auf das klassische Mutationsschema zurück: Nicht ein Tier wird riesengroß, sondern ein Mensch verwandelt sich in ein Tier und wird dann riesengroß. Kongula, der Affengigant des Grauens, ist ursprünglich ein Mensch, der zu einem Gorilla mutiert und dieser Gorilla wächst dann auf riesige Größe an. Wir haben damit also das Schema schon ein wenig durchbrochen, weil ich mich natürlich auch an meinen früheren Lieblingsfilmen orientiere, z.B. Gigant des Grauens. Da wächst ein Mann auf riesige Größe an, verliert dabei seine Haare und dann auch noch ein Auge im zweiten Teil und tappst durch die Gegend und macht auch alles Mögliche kaputt. [grinst] Und das wollte ich so ein bisschen vermischen mit diesen King-Kong- und Godzilla-Filmen.

Ich hätte auch gern einen Godzilla-Film gedreht, aber das Kostüm wäre zu teuer geworden. Aber dieser Spaß am Spektakel ist eigentlich das, was das Ganze ausmacht, diese lustvolle Zerstörung von Modelllandschaften. Wir wussten ja auch damals, als wir als Kinder die Filme im Kino gesehen haben, dass es Modelle sind. Einerseits ist es unglaublich toll zu sehen wie viel Mühe in den Modellen steckt; wenn man sich vorstellt, da haben Dutzende von Leuten dagestanden und haben kleine Häuser Stein für Stein aufgebaut. Es heißt ja immer, es seien Gebäude aus Pappmaschee oder Gips. Nein, die sind wirklich aus kleinen Steinchen aufgebaut worden, mit einer Außenhülle versehen worden, da sind kleine Fenster eingebaut worden und man sieht dann wirklich wie die Stück für Stück von den Monstern abgetragen werden. Es sind die Laser-Strahlen, die durch die Gegend zucken. Es ist die tolle Musik, die ganze Mischung. Wenn die funktioniert, dann macht das einfach einen unglaublichen Spaß.

Du bist gerade dabei, für diesen Film ein Team zusammenzustellen. Wie groß soll dieses Team werden, und in welchem Rahmen werden die Arbeiten stattfinden?

[lacht] Oh, da könnte ich jetzt natürlich ein Buch füllen mit den Antworten auf diese Fragen. Wir wissen es ehrlich gesagt noch nicht. Es hängt natürlich davon ab, wie viel Talent wir aufbringen können und wie groß das Interesse der Leute ist. Wir haben jetzt gerade eine Musikerin kennen gelernt, die bei uns gerne den Soundtrack machen möchte. Wir suchen immer noch nach begabten Kameraleuten und Beleuchtern, weil wir das Ganze doch schon möglichst professionell aussehen lassen möchten. Die Darsteller suchen wir uns auch ganz gezielt zusammen.

Es ist auch so, dass es immer noch kein wirkliches Drehbuch gibt. Es gibt ein Treatment, es gibt Teile des Drehbuchs. Und es ist so, dass teilweise Rollen in den Film hineingeschrieben werden, weil wir einen guten Darsteller finden. So war es zum Beispiel mit unserem Wissenschaftler. Oder auch mit dem Kommandanten, den wir dann endlich gefunden haben. Wir können uns keine Gagen leisten, und wir wollen auch Leute haben, die mit dem Herzen dabei sind und die wirklich Lust darauf haben, zumal das Projekt sich jetzt über einige Jahre hinzieht. Wenn dann der Film halb fertig ist und ein wichtiger Darsteller springt ab - das Risiko wäre mir dann einfach zu groß. Ich habe nun das Glück gehabt, Leute kennenzulernen, die tatsächlich schauspielern können. Die große Schwierigkeit ist, wirklich ein Team von interessierten Leuten zusammenzustellen, die sich auch dafür hergeben, in so einer Satire mitzuspielen, sich selbst auch ein bisschen auf die Schippe zu nehmen. Das liegt ja nicht jedem.

Mir wird auch immer wieder die Frage gestellt, wie lang der Film denn wird, und ich antworte dann jedes Mal, "Er wird so lang werden wie er gut wird.", denn wir wollen keine Füllszenen haben, nur um ihn unbedingt auf neunzig oder hundert Minuten zu bringen. Wenn er am Ende nur fünfzig oder sechzig Minuten lang ist und Spaß macht, dann ist mir das viel wichtiger als dass ich einen langen, abendfüllenden, großen Film gedreht habe.

Es gibt ja jetzt deine Internet-Seite speziell zu diesem Projekt, und ein Internet-Diskussionsforum. Da kann man sich Einzelbilder angucken, beziehungsweise jetzt auch Ausschnitte. In dem Teaser gibt es eine Sequenz, wo Kongula ein Schiff aus dem Wasser hochhebt und zerstört. Dann gibt es die Stelle, wo Kongula nach einem Hochspannungsmast greift und einen Stromschlag bekommt. Für dieser Szene hast du auch schon großes Lob bekommen. Sind das eigentlich Szenen, die auch im fertigen Film verwendet werden sollen, oder ist das eher ein Probelauf dazu?

Diese Szenen werden wohl, nahezu genauso wie sie jetzt im Teaser sind, auch in der Endfassung sein. Bei dem Boot werden unten vielleicht noch ein paar Wellen einkopiert, aber ansonsten wird’s wahrscheinlich so bleiben. Dazu kann ich sagen, die meisten Szenen im Teaser sind innerhalb von zwei, drei Wochen entstanden, ohne Hilfe. Ich musste das also alles ganz allein machen. Man muss sich das so vorstellen: Ich musste das Boot auf einem Holzbock bewegen, dabei mit dem Fuß die Nebelmaschine bedienen und dann auch noch als Monster dahinter auftauchen, denn ich spiele ja auch noch das Monster im Film. Das ist natürlich unglaublich schwierig.

Es kann also durchaus sein, dass einige der Szenen noch einmal gedreht werden. Wobei ich sagen muss, die Strommastszene ist wohl schon so ziemlich Ende der Fahnenstange bei dem, was man überhaupt mit Heim-Ausrüstung erreichen kann. Das Monster greift da rein, die Blitze zucken... ich wüsste bei der Szene wirklich nicht, was ich daran noch verbessern könnte. Außerdem sehe ich auch das Risiko, dass wenn man zu akribisch rangeht und zu sehr versucht, es zu perfektionieren, das Ergebnis am Ende einfach zu geleckt aussieht. Es soll ja noch ein bisschen den Look der alten Toho-Studio-Filme haben. Das Publikum soll merken, dass es sich noch um Modelle handelt. Es soll nur nicht völlig peinlich aussehen.

Bei großen Hollywood-Filmen sehen wir das "Making of" immer wenn ein Film abgedreht ist und kurz vor der Premiere steht. Du machst jetzt praktisch ein "Making of" noch bevor wir genau wissen, wie das fertige Produkt aussehen wird. Ist das deine spezielle Arbeitsweise?

Zunächst rede ich nicht gern über dieses Projekt, ohne etwas zeigen zu können. Wenn mir jemand gesagt hätte, "Ich dreh’ da einen Monsterfilm.", hätte ich gedacht, du kannst mir ja viel erzählen, und hätte wahrscheinlich gedacht, da stellt sich einer mit seiner Kamera hin, lässt jemanden im Zottelkostüm durch die Gegend laufen und irgendein Papphaus umwerfen, und das war’s. Deswegen zeige ich eben auch gerne Szenen, um zu demonstrieren, dass wir das Ganze tatsächlich auf die Beine stellen können. Es ist eben wirklich möglich einen Monsterfilm zu drehen, der tatsächlich auch diesen Look und das Feeling der alten Filme hat.

Bei dieser ganzen Arbeit versuche ich übrigens auch, die alten Spezialeffekt-Techniken am Computer nachzuvollziehen. Dass ich jetzt schon so viel zeige, und teilweise auch zeige, wie es entsteht und entstand, ist auch eine Art Lockmittel, um Leute zur Mitarbeit zu bewegen. Ich möchte ihnen zeigen, "Hallo, das macht auch Spaß, so etwas zu drehen, das ist spannend, und wir können es drehen."
Andererseits hat die legendäre Firma American International Pictures auch in den 50er Jahren bereits ähnlich gearbeitet, indem sie erst das Plakat, und häufig auch schon den Trailer produziert haben, und hinterher erst den Film. Manchmal stand da noch nicht mal das Drehbuch. Es gab den Titel, ein Plakat und ein paar Ausschnitte, und das war’s eigentlich schon.

Wir haben kein Budget. Wir müssen immer sehen, wo kriegen wir jetzt Requisiten her? Wo kriegen wir Kostüme her? Wir bauen eigene Modelle. Wir bauen das Ganze Stück für Stück auf. Da möchte ich dann natürlich auch ab und zu schon mal zeigen, was wir erreicht haben, und was möglich ist und wie sich das Projekt entwickeln wird.

Ist das Ungeheuer Kongula ein Einzelgänger?

Ja. Wir folgen damit auch einer alten Tradition, dass im ersten Film eigentlich immer das Monster alleine auftritt, und erst, falls es vielleicht mal eine Fortsetzung gibt, wird es dann zu dem von vielen Fans schon jetzt geforderten großen Monsterkampf kommen. Wir wollten also nicht übertreiben, sondern denken, dass die Story und die Gags und Szenerien, die wir jetzt haben, schon allein stark genug sind, dass wir nicht noch ein zweites Monster brauchen. Es wird schon schwer genug, überhaupt eines auf Hamburg loszulassen.

Soweit ich das jetzt überblicke, verknüpfst du mit diesem Projekt zwei Genres: den amerikanischen Trash-Horror-Abenteuerfilm der 50er Jahre, und den japanischen Monsterfilm.

Ganz genau. Es soll wirklich eine Vermischung dieser zwei Genres werden, denn ich mag beide. Ich fand es reizvoll, das zusammenzubringen, aber dann eben auch nach Europa zu bringen. Deswegen heißt es auch "Der Hamburger Monsterfilm". Es ist natürlich ein sehr gewagtes und sehr verrücktes Projekt. Ob es funktioniert, wissen wir erst, wenn der Film fertig ist. Aber der Teaser und die Reaktionen der Leute deuten immerhin schon darauf hin, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden.

Ist King Kong eigentlich dein Lieblingsfilmmonster?

Ganz klar nicht. [grinst] Es ist so, dass ich eigentlich nie ein großer King Kong-Fan war. Für mich war King Kong immer nur ein ziemlich zotteliger Affe. Ich hab’s eben mehr mit den original-japanischen Monstern, Riesenechsen zum Beispiel. Der einzige Grund, weshalb wir nun einen Riesenaffen in dem Film haben, ist der, dass ich seit 1995 schon ein Gorilla-Kostüm in meinem Besitz hatte. Aber ich war nie ein besonders großer King Kong-Fan. Ich mag den Film zwar, ich find’ ihn toll, aber es gibt da andere Monster, die mir wesentlich mehr bedeuten, die mir mehr Spaß machen. Bei King Kong ist die Liebe nicht ganz so gewaltig, sie ist aber mit den Jahren gewachsen.

Spielt Kongula in der Gegenwart?

Kongula
spielt jetzt in der Gegenwart. Es war ursprünglich mal geplant, den Film in den 50er Jahren spielen zu lassen. Wir wollten deswegen auch in Schwarzweiß drehen, aber wir haben dann sehr schnell gemerkt, dass es doch sehr peinlich aussieht, wenn die Leute in Gegenwartskleidung herumlaufen, oder wenn da Autos aus der Gegenwart vorbeifahren. Man kann einfach mit den Mitteln, die wir haben, nicht diesen Look der 50er Jahre hinkriegen.

Kongula
spielt tatsächlich in der Jetztzeit, und er spielt auch nicht in New York oder in irgendeiner anderen legendären Großstadt, er spielt eben in Hamburg. Irgendwann kam ich auf die Idee und sagte: "Zeigen wir doch Flagge und machen gleich einen Hamburger Monsterfilm". Ich merke auch immer wieder, wie gut das ankommt. Der Spruch "Der Hamburger Monsterfilm" öffnet uns einige Ohren, auch bei der Presse. Wenn man sagt "Wir drehen den Hamburger Monsterfilm.", ist das Interesse doch ziemlich groß.

Das Riesenmonster ist eigentlich nicht hier beheimatet, oder?

Nein, die Riesenmonster sind nur bis Dänemark gekommen. Da gab es ja den legendären Reptilicus, eine fliegende Riesenseeschlange. Ein unglaublich witziger, völlig verrückter Trash-Film von einer der ganz großen Trash-Legenden, Ib Melchior, zusammen mit Sid Pink produziert. Bis Hamburg ist bisher meines Wissens noch kein Riesenmonster vorgedrungen, aber das werden wir ändern.

Wenn dieser Film einmal abgeschlossen sein wird, als was möchtest du vorzugsweise in den "Credits" stehen? Regisseur, Produzent, Autor - und Kongula?

Ich sage mal, je weniger mein Name im Vor- und Nachspann vorkommt, desto glücklicher bin ich eigentlich, weil das einfach beweist, dass wir ein großes Team zusammengestellt haben. Als wir damals auf Partys die ersten Testvorführungen gemacht haben, stand da überall mein Name, weil ich damit auch ein wenig provozieren wollte: "Leute, wenn ihr euren Namen auch dort stehen haben wollt, – so könnte es aussehen." Ich wäre sogar bereit, die Regie abzugeben, und mich nur um die Spezialeffekte zu kümmern. Wir haben einmal vorsichtig Kontakt mit einem kleinen Filmteam, das noch recht jung ist, aufgenommen.

Mir geht es nicht darum, meinen Namen auf der Leinwand zu sehen. Mir geht es darum, einen witzigen, tollen, großen Film in Hamburg spielen zu lassen, das auf die Leinwand zu bringen als gemeinsames Projekt, und vielleicht später noch weitere. Ob da nun "Produzent: Ralf Lorenz", "Regie: Ralf Lorenz" steht... nee, ohne jetzt irgendwie hier den Gutmenschen spielen zu wollen, darum geht es mir nicht. Ich möchte schöne Spezialeffekte machen, das macht mir auch am meisten Spaß.

 

Dieses Interview ist in kompletter Länge im PRANKE-Magazin #24 abgedruckt worden.
Erhältlich ist PRANKE unter www.pranke-magazin.de